Asiaten erobern den Berliner Immobilienmarkt

11. Dezember 2013
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Das Interesse internationaler Investoren an Berliner Immobilien ist ungebrochen. Während im Jahr 2012 aber noch deutsche Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen sowie Anleger aus Großbritannien oder norwegische Ölfonds den Markt beherrschten, versuchten im laufenden Jahr vermehrt asiatische Aufkäufer attraktive Objekte zu ergattern. Der Fokus des Interesses lag dabei auf Bürogebäuden und Einzelhandelskomplexen.

Zwei rekordverdächtige Jahre
Nach Einschätzung des Experten Fabian Hüther vom internationalen Immobiliendienstleister CB Richard Ellis CBRE wird Berlin 2013 an die Topwerte bei den Verkäufen des vorhergehenden Jahres kaum heranreichen können. Damals schlug alleine das KaDeWe mit 500 Millionen Euro zu Buche, dicht gefolgt vom neuen Kranzler Eck am Kudamm, das für 400 Millionen verkauft wurde. Aber auch in diesem Jahr wurden schon einige stattliche Deals abgewickelt. Für die Hallen am Borsigturm bezahlte ein Investor beispielsweise 250 Millionen Euro und das Lindencorso Unter den Linden Ecke Friedrichstraße bekam für 150 Millionen einen neuen Besitzer. Der Gebäudekomplex am Kurfürstendamm 195 war seinem Käufer über 100 Millionen Euro wert, etwas weniger wurde für die Einkaufszentren Schloss-Straßen-Center und Forum Steglitz bezahlt. Das Immobilien-Ensemble Kurfürstendamm 212-214 brachte immerhin noch 83 Millionen ein. Die Treptowers am Spreeufer und Karstadt am Hermannplatz gingen für jeweils 70 Millionen Euro in den Besitz neuer Investoren über. Und mit dem Verkauf des Trias-Towers an der Holzmarktstraße konnte ein Preis von 60 Millionen erzielt werden. Weitere Geschäfte der Topkategorie könnten noch in diesem Jahr folgen. Die Branche spricht beispielweise davon, dass die Daimler AG ihr Firmengebäude in Friedrichshain schon so gut wie verkauft hat. Nach dem Umzug des Autoherstellers an den Potsdamer Platz soll die Bauherrin CA Immo die Verhandlungen mit einem internationalen Investor aufgenommen haben. Insgesamt könnte nach Einschätzung von Hüther das Investmentvolumen am Berliner Immobilienmarkt in diesem Jahr noch auf 3,3 Milliarden Euro ansteigen. In den ersten drei Quartalen des Jahres wurden nach Information von CBRE in diesem Bereich bereits 2,3 Milliarden umgesetzt. Die momentan äußerst niedrigen Zinnsätze begünstigen weitere Großdeals in naher Zukunft.

Der Berliner Boom geht weiter
Der CBRE Makler Fabian Hüther prognostiziert für das Jahr 2014 ein weiter anhaltendes Interesse an Berliner Büroimmobilien bei internationalen Investoren. Er sieht für das kommende Jahr jedoch vor allem die asiatischen Interessenten auf den Markt strömen. Indizien dafür sind beispielsweise der Verkauf des Berliner Sony Centers am Potsdamer Platz an den National Pension Service, einen staatlichen Pensionsfonds aus Südkorea. Dieses Geschäft ging bereits im Jahr 2010 über die Bühne, seither steigt das asiatische Interesse an Berliner Immobilien stetig an. Ein weiteres Beispiel für asiatische Investments in der Hauptstadt ist der Treptower am Spreeufer. Das höchste Bürogebäude Berlins ging in diesem Jahr an die Immobiliengesellschaft Nis Arb Edo aus Japan. Aktuell sollen in der Stadt noch mehrere chinesische Delegationen recht aggressiv auf der Suche nach passenden Objekten unterwegs sein, so Hüther.

Chance für weniger attraktive Objekte
Der Berliner Boom auf dem Immobilienmarkt könnte auch problematischen Objekten zu einer neuen Chance verhelfen. Schon jetzt werfen asiatische Investoren ein interessiertes Auge auf solche Immobilien.  Der Run auf die Core-Immobilien der Hauptstadt könnte also momentan noch brachliegenden Komplexen zu neuem Leben verhelfen. Während die gut vermieteten Core-Immobilien der besten Locations solvente Mieter auf Dauer an sich binden können, steht manch weniger attraktives Objekt kurz vor der Zwangsversteigerung. So erging es beispielsweise dem Kunsthaus Tacheles in hervorragender Lage der City Ost. Schon im Jahr 2011 drohte der Kaufhausruine an der Oranienburger Straße aufgrund finanzieller Probleme der Fundus-Gruppe nämlich die Zwangsversteigerung. Die HSH Nordbank sagte diese erst kurz vor dem Termin wieder ab. Jetzt ergibt sich aus der Absage eventuell die Gelegenheit, mit dem Gebäude doch noch gutes Geld zu verdienen. Denn es soll einen asiatischen Investor geben, der offenbar erhebliches Kaufinteresse bekundet hat. Die Grundstücke aus ehemaligem Bundesbesitz wurden für die Zwangsversteigerung vom Amtsgericht Mitte noch auf einen Wert von 35 Millionen Euro geschätzt. Dieser Wert dürfte aber erheblich angestiegen sein, nachdem die Künstler der Berliner Off-Szene, die das Gelände damals noch besetzt hatten, mittlerweile abgezogen sind.

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