Das neue Gewand der deutschen Hochhäuser

11. April 2014
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Aufgrund von Phänomenen wie Landflucht und eingeschränktem Platzangebot in den Städten macht der Wohnturm in Deutschland derzeit Karriere. Der höchste seiner Art wird der von Frank Gehry entworfene Turm am Berliner Alexanderplatz. Aber auch viele andere Städte haben ihre Hochhausprojekte.

Die neuen Hochhäuser in Deutschland

EZB Frankfurt

Lupo / pixelio.de

Der neue Wohnturm am Alexanderplatz in Berlin soll 150 Meter hoch werden und bis zu 300 Wohnungen, einen Fitness- und Wellnessbereich, ein Designhotel und weitere gastronomische Angebote beherbergen. Der Marco Polo Tower direkt an der Elbe in Hamburg ist zwar mit 55 Metern nicht annähernd so hoch wie der Berliner Wohnturm, in der Hafencity ist das Bauwerk dennoch schon zum neuen Wahrzeichen avanciert. In Frankfurt stehen gleich zwei neue Hochhausprojekte an. Bis 2015 sollen sowohl der Westside Tower mit 250 Wohnungen als auch das Praedium im Europaviertel die Mainmetropole architektonisch bereichern. Am Düsseldorfer Medienhafen entstehen Zwillingstürme mit dem klangvollen Namen ‚Königskinder‘. Die Beiden sollen 63 Meter hoch in den Himmel ragen. Und auch die Schwabenmetropole Stuttgart hat ihr Wohnturmprojekt. Die Schwäbische Wohnungs AG plant dort ein Hochhaus mit 58 Wohnungen und einem Firstclass Hotel, welches als Cloud No. 7 das neue Europaviertel zieren soll. Dieses Projekt wurde sogar an der Börse platziert, weil das Wohnungsbauunternehmen dadurch die 35 Millionen an Investitionen zusammen zu bekommen hofft, die für die Realisierung des architektonisch anspruchsvollen Wohnturms erforderlich sind.

Was ist neu an den geplanten Hochhäusern?

Bei dem Wort Hochhaus denkt der Deutsche zuerst an den sozialen Wohnungsbau der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Man assoziiert damit vorwiegend soziale Brennpunkte, Anonymität und Schmutz sind weitere Schlagworte, die man in Deutschland mit Hochhäusern verbindet. Das Image als Wohnort ist also denkbar schlecht. Heute versuchen Stadtentwickler dieses Bild zu verändern, indem die Projekte der neuen Wohntürme Architektur und Außenwirkung höhere Prioritäten einräumen. Die Gebäude sollen sich harmonisch in bestehende architektonische Systeme einfügen und von den Anwohnern nicht mehr als Fremdkörper erlebt werden. Felix Semmelroth, der Dezernent für Kultur und Wissenschaft in Frankfurt, verfolgt sogar noch ambitioniertere Ziele. Er möchte nicht nur der Gestaltung der Häuser eine gesteigerte Aufmerksamkeit entgegen bringen, sondern auch die Umwelt bei der Projektentwicklung stärker berücksichtigen, wie er sagt. Gerade an der Nachhaltigkeit fehlt es aber den meisten Hochhäusern bis heute. Die Soziologin und Hochhausexpertin Marianne Rodenstein hat festgestellt, dass die modernen Wohntürme zwar energetisch besser aufgestellt sind als ihre Vorgänger, echte Innovationen konnte sie aber nur in wenigen Fällen finden.

Keine Wohnsilos, sondern luxuriöse Bestlagen

Die meisten neuen Wohnturmprojekte werden sich im gehobenen Segment bewegen, mit der Vorstellung von tristem, sozialem Wohnungsbau sollen sie nichts mehr gemein haben. Robert Bambach, der Geschäftsführer von Hochtief Projektentwicklung, will die Wohnungen denn auch eher höherpreisig anbieten. Dies sei wegen der Mehrkosten für Bau und Betrieb nötig, aber auch durch die bevorzugten Standorte. Ein neuer Wohnturm könne nur in einer ausgesprochen guten Lage entstehen, wo bereits ein entsprechendes Preisniveau vorhanden sei, meint Bambach. Möglich sei andererseits aber auch der Wohnturm als Auftakt für eine komplett neue Quartiersentwicklung, wo er die Qualität und die Preisgestaltung des Standorts entscheidend mitprägen könnte.

Der Mietmarkt wird kaum entlastet

Dem angespannten Mietmarkt der deutschen Metropolen bringen die neuen Wohntürme leider nur wenig Entspannung ein. Zwar werden vor allem bei der Umwandlung von Bürohochhäusern auch Mietwohnungen eingeplant, wie etwa im Thyssen-Trade-Center in Düsseldorf oder im Haus der Industrie in Köln. Gerhard Brand meint jedoch, dass Wohnturmprojekte allein über Mieten nicht zu finanzieren seien. Der geschäftsführende Gesellschafter des Architekturbüros Albert Speer & Partner führt aus, dass die Baukosten für ein Hochhaus um etwa 20 Prozent teurer seien als bei einem klassischen Mehrparteienhaus. Die aktuellen Projekte würden nach seiner Meinung eher durch die Flucht der Anleger in Betongold angespornt. Das beträfe vor allem reiche Investoren aus China, den USA oder der arabischen Welt, weil das Hochhaus dort eher als normale Wohnform akzeptiert werde.

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