Die neue Zukunft fürs Dreischeibenhaus

24. September 2013
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Nach ihrem Leerstand steht eine berühmte Düsseldorfer Immobilie der Moderne nun vor dem Abschluss ihrer Kompletterneuerung: das Dreischeibenhaus. Ende des Jahres soll aus dem denkmalgeschützten Symbol der Wirtschaftswunderzeit ein modernes Green Building geworden sein, das trotz aller Erneuerung nicht seinen Charakter verloren hat. Damit reiht sich das Dreischeibenhaus in die Beispiele eines gelungenen Bauens im Bestand ein.

Ein Symbol des Wirtschaftswunders wird erneuert

2010 ging ThyssenKrupp mit seiner Hauptzentrale nach Essen und hinterließ in Düsseldorf ein leeres Dreischeibenhaus. Der 94 Meter hohe und zeitweilig auch Thyssen-Haus oder Thyssen-Hochhaus genannte Büroturm mit seinen 26 oberirdischen und drei unterirdischen Etagen sowie 30.000 m² Nutzfläche steht seit 1960 in der nordrhein-westfälischen Hauptstadt. Gebaut wurde er einst für die Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke, die 1964 von der Thyssen AG übernommen wurde. Als ThyssenKrupp den Rückzug aus Düsseldorf beschloss, verkaufte das Unternehmen das Dreischeibenhaus zunächst an die zur Deutschen Bank gehörende Gesellschaft RREEF. RREEF reichte es bald danach an die Momeni Projektentwicklung GmbH weiter. Gemeinsam mit dem Unternehmen Black-Horse-Investment (BGI) fungiert Momemi nun als Bauherr bei der im Oktober 2011 begonnenen Kompletterneuerung.

Um die Finanzierung der Arbeiten rund ums Dreischeibenhaus kümmern sich die Deutsche Hypo AG und die Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank AG. Insgesamt soll die Komplettsanierung 220 Millionen Euro kosten. Architektonisch ist das Büro HPP Hentrich-Petschnigg & Partner für das Projekt verantwortlich, womit auch zwei Väter des Dreischeibenhauses an der Erneuerung beteiligt sind: Die Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg, Gründer von HPP, hatten das Haus entworfen, das zwischen 1957 und 1960 nach ihren Plänen gebaut wurde.

Wie man das Alte an die Moderne anpasst

Was genau am Dreischeibenhaus verändert worden ist und was nicht, beschrieb jüngst der Remscheider Generalanzeiger (RGA), dem die zum HPP Team gehörende Architektin Claudia Roggenkämper das neue Dreischeibenhaus bereits gezeigt hat. Die Scheiben des Düsseldorfer Turms wurden erneuert, schreibt der RGA, wobei die äußeren Scheiben jetzt einen Luftschlitz oben und unten lassen. Zudem wird es im 21. Obergeschoss eine, allerdings nicht öffentlich zugängige Dachterrasse geben. Teils waren die Sanierungsaufgaben aufwändig. So wurde extra ein bereits stillgelegter Steinbruch erneut geöffnet, um den schadhaft gewordenen grünen Marmor im Gebäude durch passenden Marmor ersetzen zu können. Weitere Informationen zur energetischen Erneuerung des Dreischeibenhauses liefert Duesseldorf-realestate.de. Hier ist von der „neuen, energieoptimierten, doppelschaligen Fassade“ sowie von erneuerter Gebäudetechnik wie etwa einem raumweise regulierbaren Heiz- und Kühlsystem und einer über Präsenzmelder gesteuerten Arbeitsplatzbelichtung die Rede.

Nicht nur das Dreischeibenhaus verändert sich. Auch seine Nachbarschaft befindet sich im Wandel. So ist die Tausendfüßler genannte Autohochstraße nahe des Dreischeibenhauses seit April 2013 Geschichte. Dafür hat das Dreischeibenhaus mit dem Kö-Bogen einen neuen Nachbarn bekommen. Mitte Oktober soll die auf der offiziellen Projektseite Koebogen.info als Jahrhundertprojekt bezeichnete Büro- und Shopping-Immobilie eröffnen. Ein rundum erneuertes Dreischeibenhaus, das zudem LEED Gold-Standard erhalten und damit seine Energieeffizienz unter Beweis stellen soll, passt ganz gut in diesen sich verändernden Teil Düsseldorfs. Die Lage, der bekannte Name sowie die Sanierung verleihen dem Dreischeibenhaus eine hohe Attraktivität, sodass das Portal „Der Westen“ bereits im Mai 2013 fast Vollvermietung melden konnte. Zu den Mietern gehören unter anderem die Unternehmensberatung A.T. Kearney sowie Roland Berger Strategy Consultants. Der Einzugstermin soll für manche Mieter bereits Ende des Jahres liegen.

Bauen im Bestand – die große Herausforderung

Im bereits zitierten Bericht des Remscheider Generalanzeigers zur Komplettsanierung des Dreischeibenhauses klang auch einiges zu den Herausforderungen an, die Architekten beim Bauen im Bestand erwartet. So machen die offenen Treppenhäuser im Dreischeibenhaus zwar einen Teil seines Charmes aus, haben Brandschützern aber Kopfschmerzen bereitet, schreibt die Zeitung. Nun gibt es jedoch ein System mit Vorhängen, die im Brandfall aus der Decke fallen, heißt es auf RGA. Die Vorhänge trennen brennende Treppenhäuser im Notfall vom Restgebäude ab. Bauen im Bestand verlangt häufig nach kreativen Lösungen. Architekten können sich hier weniger als bei Neubauten „austoben“, weil der existierende Bau teils enge Grenzen für Veränderungen definiert. Weniger anspruchsvoll ist die Aufgabe aber – vielleicht gerade deshalb – keineswegs.

Planer müssen gegebene Möglichkeiten beim Bauen im Bestand so nutzen, dass am Ende eine moderne Immobilie herauskommt, die ihren Charakter nicht verloren hat und dennoch moderne Energieeffizienz- und Brandschutzanforderungen erfüllt, wobei Brandschutz ja selbst bei Neubauten bisweilen für Probleme sorgt, und die auch den Anforderungen der Menschen entspricht, die in den neuen alten Bürotürmen irgendwann arbeiten werden. Das ist nicht immer ein einfacher Spagat. Aber die Architekten von HPP Hentrich-Petschnigg & Partner meistern solche Herausforderungen ziemlich gut. Das Dreischeibenhaus ist schließlich nicht der erste „alte Riese“, dem sie zu neuem Glanz verholfen haben. Der Lange Eugen in Bonn und weitere bekannte Bauwerke haben nicht zuletzt durch sie bereits eine neue Zukunft erhalten. Das Dreischeibenhaus befindet sich also in guter Gesellschaft.

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