Ein Kölner Wohnungs-Neubau und die Angst vor dem Blei

Aktuell wird gebaggert. Der Baugrund auf dem sogenannten Millionenacker in Köln-Ostheim wird für den Wohnungsbau vorbereitet. Kölns größtes Immobilienunternehmen, die GAG Immobilien AG, wird hier wohl im September mit dem Bau von 450 Mietwohnungen und 240 Einfamilienhäusern beginnen und dafür laut eigener Aussage etwa 80 Millionen Euro ausgeben. „Waldbadviertel“ wird das neue Stadtquartier Kölns heißen, in dem ab 2017 voraussichtlich etwa 1.500 Menschen leben. Nicht jeder sieht den Standort allerdings unproblematisch. Nachbar des kommenden Stadtquartiers ist ein ehemaliger Tontauben-Schießplatz, in dessen Boden sich einiges an Blei befinden soll.

Eine Lösung für den Millionenacker

„Millionenacker“ heißt das etwa 145.000 m² große Areal am Langendahlweg in Köln-Ostheim, auf dem die Waldbadsiedlung gebaut werden soll. Es trägt seinen Namen, weil es die Stadt Köln im Laufe der Jahre Millionen Euro gekostet hat. 1966 wurde ein Erbpachtvertrag zwischen dem damaligen Besitzer des Grundstücks und der Stadt geschlossen. Köln plante damals unter anderem ein neu gebautes Krankenhaus, das dem evangelischen Krankenhaus im Stadtteil Kalk ein neues Zuhause bieten sollte. Aber alle Pläne rund um das Areal scheiterten. Das bedeutete: Die Stadt saß auf einem Grundstück, mit dem sie nichts anfangen konnte und soll letztlich dafür etwa 17 Millionen Euro ausgegeben haben. Mittlerweile zahlt die GAG die Erbpacht. Und die wird jetzt bauen. Geplant ist ein grünes Stadtviertel mit einem öffentlichen Grünsteifen, Gärten für die Einfamilien- und die Erdgeschoss-Wohnungen der Mehrfamilienhäuser. Bis hierhin klingt alles gut!

Zuviel Blei für Naherholung?

Probleme könnten sich durch den benachbarten ehemaligen Tontauben-Schießplatz ergeben, der auch der Naherholung der kommenden Viertelbewohner dienen soll. Die Erschließungsstraße des neuen Viertels wird durch das Grundstück des ehemaligen Schießplatzes führen. Betrieben wurde der Platz in den Jahren 1955 bis 2008 vom Verein zur Förderung des jagdlichen und sportlichen Schießens e.V. und angeblich wurde hier bis 2006 mit Bleischrot geschossen. Einen ausführlichen Artikel zum Thema lieferte etwa die Kölner Internet-Zeitung Report-K.de. Sie bezieht sich dabei unter anderem auf Analysewerte, die sich aus der Untersuchung von zwei Bodenproben durch ein unabhängiges Institut ergaben: eine aus der Niederschlagzone der Tontauben, eine zweite aus der Haupt-Niederschlagzone der Bleischrote. Laut Report-K ergaben sich in der Tontauben-Niederschlagzone 8.630 Milligramm Blei pro Kilogramm Boden und in der Haupt-Niederschlagszone der Bleischrote 15.200 Milligramm. Im Bundesboden-Gesetz sind für Park- und Freizeitanlagen maximal 1.000 Milligramm festgelegt.

Reichen die Reaktionen?

Die GAG hat nach eigenen Angaben reagiert. Als vorläufige Lösung seien im Bereich der kommenden Erschließungsstraße zehn bis zwanzig Zentimeter Erde abgetragen worden, heißt es in einem Artikel der Kölnischen Rundschau. Zudem seien Randwellen aus Erde aufgehäuft worden, um eine Ausbreitung des Bleis zu verhindern. Über eine mögliche Gefährdung kommender Einwohner des Waldbadviertels wird noch gestritten. Fakt ist wohl, dass die Kenntnis von Altlasten im Boden der ehemaligen Schießanlage zumindest bei der bereits bestehenden Bevölkerung ausreicht, um für Unruhe zu sorgen. Sie sollen teils selbst aktiv geworden sein, hätten Bodenproben entnommen und zur Untersuchung weitergereicht.

Ein Stolperstein fürs Projekt?

Altlasten sind natürlich kein reines Kölner Phänomen. Aber vielleicht hätte man gerade deshalb in Köln noch anders mit dem möglichen Problem umgehen müssen, als man es getan hat? Dass es auf ehemaligen Schießplätzen Altlasten-Probleme geben kann, ist keine neue Erkenntnis. Möglicherweise hat bei der Stadt einfach die Freude überwogen, dass man für den Millionenacker endlich eine Lösung gefunden hat. Zudem braucht Köln Wohnraum und Projekte wie die Waldbadsiedlung kommen da genau richtig. Hat man da ein mögliches Problem ignoriert? Ob die Waldbadsiedlung nun problemlos und ohne Verzögerungen fortgeführt und zu Ende gebracht werden kann, ist keinesfalls sicher. Das wird die Zeit zeigen.

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