Eurohypo – ein Blick zurück, einer nach vorne!

1. Juli 2012
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Wer in den letzten zwölf Monaten die Nachrichten zur Eurohypo verfolgt hat, wird wohl irgendwann etwas verwirrt gewesen sein. Allzu unterschiedlich waren die Inhalte. Nun aber scheint Klarheit zu herrschen. Es wird keine neue Sparte „Real Estate and Ship Finance“ der Commerzbank geben. Und die Eurohypo erwartet wohl die Abwicklung ohne einen bei der Commerzbank verbleibenden Rumpf. Blickt man zurück, sieht man viel Hoffnung. Blickt man nach vorne, zumindest die Hoffnung der Commerzbank auf gesündere Strukturen, aber auch Sorge. Wohin steuert die Finanzierung gewerblicher Immobilienprojekte?

Der Blick zurück

Drei Töchter großer Eltern bildeten 2002 die Wurzeln der heutigen Eurohypo: die damalige Eurohypo der Deutschen Bank, die Deutsche Hyp der Dresdner Bank und die Rheinhyp der Commerzbank. Etwas mehr als drei Jahre später nutzte die Commerzbank dann ein ihr zustehendes Vorkaufsrecht und machte die neue Eurohypo zu einer 100-prozentigen Commerzbank-Tochter. Der Schachzug wurde damals teils als kluge Strategie gefeiert, mit der sich die Commerzbank durch Vergrößerung vor einer möglichen Übernahme schützt. Und auch die Bilanz der Eurohypo deutete auf ein mögliches Erfolgsgeschäft hin. „Eurohypo schließt das letzte Jahr in Unabhängigkeit gut ab“ titelte etwa das Handelsblatt am 20. Februar 2006 zur Bilanz 2005. Beim Gewinn vor Steuern gab es damals ein Plus von 2,9 Prozent auf 629 Millionen Euro. Das Neugeschäft hatte sich mehr als verdoppelt und erreichte 61,9 Milliarden Euro. Das Immobiliengeschäft hatte daran mit 31,2 Milliarden Euro einen Anteil von etwa fünfzig Prozent und es verzeichnete ein Wachstum von achtzig Prozent. Das alles war vor der Immobilienkrise.

Die Eurohypo und die Krisen

Die Eurohypo verbriefte Immobilienkredite in großem Stil und das ging gut, bis die Subprimekrise in den USA und ihre Folgen kamen und das Wort „Immobilienkredit“ Angstschweiß auf die Stirn vieler Investoren trieb. Verbriefte Immobilienkredite wurden zu Ladenhütern. In den Strudel der Krise geriet auch die Commerzbank. 2009 erhielt sie von Deutschland 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe. Die Europäische Kommission gab ihren Segen damals nur mit der Auflage, dass sich die Commerzbank bis Ende 2014 von der Eurohypo trennt. Ihr Verkauf erwies sich in der Folgezeit jedoch als Unmöglichkeit. Dazu trug auch die europäische Schuldenkrise bei. Die Eurohypo gehört zur Commerzbank Sparte Asset Based Finance (ABF), die im ersten Quartal 2012 einen Verlust von 425 Millionen Euro auswies. Einer der Gründe: Die Commerzbank hatte griechische Staatsanleihen verkauft, unabhängig von der Frage, wie viel Verlust dadurch entsteht. Die Angst überwog. Zu jenem Zeitpunkt hatte das Staatsanleihen-Portfolio noch einen Umfang von 82 Milliarden Euro im Vergleich zu 104 zum Vorjahreszeitpunkt. Der Wert der Staatsanleihen der fünf europäischen Länder mit der problematischsten Schulden-Situation (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) erreichte damals 12,1 Milliarden Euro, schrieb das österreichische WirtschaftsBlatt am 9. Mai 2012. Noch so ein Grund, warum der Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo zur Last wurde.

Das Aus und der Blick nach vorne

Im März 2012 wurde bekannt, dass die Europäische Kommission der Commerzbank die Abwicklung der Eurohypo erlaubt. Damals schien es so, als würde die Eurohypo vom Markt verschwinden, dass aber Teile von ihr in die neue Commerzbank-Sparte „Real Estate and Ship Finance“ integriert würden. Genau das wird jetzt jedoch nicht passieren. Man habe alle Geschäftsbereiche geprüft; sowohl die gewerbliche Immobilienfinanzierung als auch die Schiffsbank seien nicht mehr rentabel, soll Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing gesagt haben. Die Ursachen dafür seien steigende Liquiditätsanforderungen und die hohe Kapitalbindung. Die Folge: „Real Estate and Ship Finance“ bleibt Fiktion. Nun wird die Eurohypo wohl erst einmal umbenannt und heißt ab Ende August Hypothekenbank Frankfurt AG.

Man hatte Zeit…

Man hatte Zeit, sich an eine Finanzierung gewerblicher Immobilien ohne die Eurohypo zu gewöhnen. Schließlich ist das Neukundengeschäft des einstmaligen deutschen Marktführers auf diesem Gebiet bereits seit einer Weile eingefroren. Zum Teil sind Versicherer in Lücken vorgedrungen, die vorsichtige Banken oder gefesselte Banken bei der gewerblichen Immobilienfinanzierung entstehen ließen. Dennoch ist ein komplettes“ Aus“ ein Zeitpunkt, etwas innezuhalten, zurück und dann nach vorne zu blicken. Ein Finanzierer weniger. Wie entwickelt sich die gewerbliche Immobilienfinanzierung in Deutschland? Was kommt: nichts Dramatisches oder doch die Kreditklemme? Im Moment kann man wohl erst einmal nur festhalten: Das Leben geht immer irgendwie weiter, auch auf Immobilienmärkten. Selbst wenn einstmals Große bald nur noch in Büchern zur Wirtschaftsgeschichte auftauchen.

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