Geplante Zwillingstürme in Paris wollen Londoner Shard überragen

10. Oktober 2013
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Der russische Immobilienentwickler Hermitage will in Paris hoch hinaus. In der Bürovorstadt La Défense sind Zwillingstürme geplant, die mit 320 Metern zu den höchsten Gebäuden Westeuropas wachsen sollen. Damit würden die beiden Wolkenkratzer sogar den Londoner Shard um 10 Meter überragen.

Neues Wahrzeichen für Pariser Skyline
Zwar würden die neuen Türme dem Eiffelturm mit seinen 324 Metern Höhe noch nicht ganz die Schau stehlen, doch die Skyline von Paris wäre um ein potentielles neues Wahrzeichen bereichert. Denn die spektakulären Hochhäuser wären aus jedem Teil von Paris zu sehen, wie Emin Iskenderov, Chef von Hermitage, stolz verkündet. Aber nicht nur die Außenansicht der Zwillingstürme könnte beeindrucken. Auch der Blick aus den Büros, Wohnungen und Hotelzimmern des Komplexes würde alles bisher Dagewesene der französischen Hauptstadt übertreffen. In jeder Hinsicht ein superlatives Projekt. ‚The Hermitage Plaza‘ wird vom Architektenbüro Foster & Partners gestalterisch betreut. Neben den beiden Türmen mit 85 und 86 Stockwerken werden die Architekten vier weitere, kleinere Gebäude konzipieren. Die Fertigstellung der Bauten ist für Anfang 2019 geplant. Dann soll La Défense um 165.000 Quadratmeter Wohnfläche, 35.000 Quadratmeter Hotelfläche, 40.000 Quadratmeter Bürofläche und 40.000 Quadratmeter Gewerbefläche für den Einzelhandel und die Gastronomie reicher sein.

Millionen für ein Mega-Projekt
Iskenderov plant für dieses Mega-Projekt 853 Millionen Euro an Investitionen ein. Die Summe will er mit Hilfe einer internationalen Bank aufbringen, die sich kürzlich der Sberbank angeschlossen hat. Dieser Anschluss an die vom Staat kontrollierte russische Bank sei zum Zwecke der Projektabwicklung geschehen, wie Iskenderov angibt. Die Bankfinanzierung scheint also bereits in trockenen Tüchern zu sein, weitere Gelder sollen aus dem Verkauf von Penthouses fließen. Jedes einzelne Objekt bringt laut Iskenderov drei Millionen Euro ein, so dass die restliche Finanzierung ebenfalls gesichert sei. Für das in den Pariser Zwillingstürmen geplante 5 Sterne Hotel stünde man bereits in Verhandlungen mit drei großen Ketten.

Riesendeal in schwierigen Zeiten
Bereits im Jahr 2010 hatte es im Pariser Bezirk La Défense einen ähnlichen Plan gegeben. Der Architekt Jean Nouvel wollte dort einen Wolkenkratzer mit immerhin 301 Metern in die Höhe wachsen lassen und hatte dafür ebenfalls eine Mehrzwecknutzung im Sinn. Für das Projekt von Büros und Wohnungen fanden sich jedoch keine Investoren, so dass Nouvel seinen ehrgeizigen Plan schließlich fallen ließ. Olivier Gérard äußert sich als Leiter des Immobiliendienstleisters Cushman & Wakefield France denn auch skeptisch zum neuen Projekt der Russen. In Zeiten wie diesen läge es nicht gerade nahe, einen solchen Riesendeal in die Wege zu leiten, meint der Experte. Auch zur geplanten Mehrzwecknutzung meldet Gérard gewisse Bedenken an. Sicherheitsfragen und Publikumsverkehr erschwerten die Realisierung eines solchen Hochhauses nach seiner Meinung noch zusätzlich. Iskenderov hingegen lässt sich von solchen Zweifeln keineswegs beeindrucken. Er verweist viel mehr auf Erfolge in Asien und dem Nahen Osten. In China, den USA und Dubai habe sich das Mehrzweckmodell vielfach bewährt und sei bei Investoren sehr gefragt, entgegnet er den Skeptikern.

Alleinstellungsmerkmale sollen den Erfolg sichern
Der Chairman von Sotheby´s International Realty für Frankreich und Monaco, Alexander Kraft, gibt den Zwillingstürmen durchaus eine Chance. Denn sie könnten seiner Meinung nach durch ihre Einzigartigkeit punkten. Diese Ansicht bezieht sich weniger auf die außergewöhnliche Architektur, sondern berücksichtigt die exklusiven Serviceangebote, welche Iskenderov plant. Denn ein solches Konzept gibt es in Paris bisher nicht. Die Eigentümer sollen die Luxusangebote des 5-Sterne Hotels nutzen können. Die Aussicht auf Zimmermädchen- und Room-Service könnte betuchte Käufer anlocken. Kraft sieht hier die Möglichkeit eines neuen Marktes gegeben, allerdings unter der Voraussetzung, dass die russischen Projektplaner alles richtig machen.

Schwächelnder Markt lässt Preise nachgeben
Indes zeigt die Preiskurve am Immobilienmarkt der französischen Hauptstadt nach unten. Auf dem teuersten Pflaster von Paris, dem 6. Arrondissement, fiel der durchschnittliche Quadratmeterpreis im Vergleich zum Vorjahr um fast 9 Prozent. Gleichzeitig befindet sich die Nachfrage für Büroimmobilien im Sinkflug. Die Leerstandsrate auf diesem Sektor liegt im Viertel La Défense bei immerhin 12 Prozent. In der Bürostadt liegen also bereits mehr als 400.000 Quadratmeter brach. Außerdem ist ‚The Hermitage Plaza‘ nicht das einzige laufende Projekt für die Bürostadt. Ob die Russen also tatsächlich alles richtig machen und mit ihren Alleinstellungsmerkmalen punkten können, bleibt abzuwarten.

2 Comments

  1. Karsten Aßmann-Funk | A-F-Immobilien 14. Oktober 2013 09:17

    Kenne La Défense selbst ein wenig und staunte eben auch, denn nach meiner (bescheidenen) Kenntnis gibt es dort immer wieder massive Leerstände, warum also neue Flächen schaffen?

  2. Wellensteyn Zermatt Damen 20. Oktober 2013 19:11

    Auch wenn das mittlerweile kultige Wellensteyn Logo mit dem gezackten Kreuz auf rotem Feld an die Schweiz erinnert, ist die Marke deutsch und stammt aus Norderstedt in Schleswig-Holstein unweit von Hamburg. Werftarbeiter aus der Hansestadt waren es, die in den späten 1940er Jahren als erste die robusten wetterfesten Jacken von Adolph Wuttke trugen.