Green Buildings — bringt nur noch Grün Gewinn?

5. Mai 2010
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Wer in der Bau- und der Immobilienbranche irgendwie innovativ wirken möchte, sollte das Wort „Green Building“ schnellstens in seinen Wortschatz integrieren, wenn er es nicht längst getan hat. Umweltschützer freuen sich darüber: Green Buildings schonen natürliche Ressourcen und sind wichtige Komponenten einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Werden nicht nachhaltig gebaute oder energetisch sanierte Immobilien demnächst zum Ladenhüter, die sich kaum noch mit Gewinn verkaufen lassen? Im Rahmen einer Studie wurden diese und andere Fragen 274 Unternehmen gestellt, die zu den wichtigsten Akteuren im Bau- und Immobiliengewerbe zählen: Betrieben aus dem Baugewerbe. Durchführender der Studie war Dirk Weisser von der Fachhochschule Reutlingen. Beauftragt wurde er von der Drees & Sommer AG.

Green Buildings — mehr als Bauen nach Vorschrift

Etwa sieben von zehn der befragten Unternehmen vertraten die Ansicht, dass sich Gebäude ohne eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bauweise zukünftig nicht mehr mit Gewinn vermarkten lassen. Falls diese Prognose zutrifft, dürfte der Druck auf Bauherren und Immobilienbesitzer weiter wachsen, bei Bau oder Sanierung von Gebäuden ganz besonders auf Nachhaltigkeit und energieeffiziente Maßnahmen zu achten. Das Wort „besonders“ würde in diesem Fall wohl auch bedeuten, dass nicht alleine gesetzliche Standards eingehalten werden. Den Standards zu genügen, reicht nämlich nur aus der Sicht von weit unter einem Prozent der Befragten aus, damit ein Gebäude zum „Green Building“ wird. 56 Prozent bejahten dagegen die Aussage, dass Gebäude energetische Vorgaben deutlich übertreffen müssen, um als „Green Building“ bezeichnet zu werden. Man wird sich also anstrengen müssen im Kreis der Bauherren und Immobilienbesitzer, wenn man sich das begehrte Etikett für sein Gebäude sichern möchte.

Energiekosten als Motor des Marktes

Als treibende Kraft auf dem Markt für Green Buildings sehen 87 Prozent der befragten Unternehmen steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie ein gestiegenes Umweltbewusstsein. Nachhaltig sinkende Energiepreise könnten diesen Motor des Marktes daher drosseln, denn ein gestiegenes Umweltbewusstsein alleine reicht möglicherweise als Treibstoff nicht aus. Aber rechnet irgendwer mit nachhaltig sinkenden Energiepreisen? Ein kurzfristiges Absinken dieser Preise würde wohl nicht genügen, um den Menschen die Angst vor der nächsten Erhöhung zu nehmen. Das wiederum dürfte dem Trend zur Nachhaltigkeit beim Bau selbst Nachhaltigkeit verleihen. Das Bauen könnte durch diesen Trend jedoch teurer werden, wenn man den befragten Unternehmen glaubt. Über acht von zehn von ihnen sehen in der Planungs- und Bauphase eines Green Buildings Mehrkosten, die sich allerdings durch die anschließend niedrigeren Betriebskosten ausgleichen lassen. Immerhin 23 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass eine intelligente Planung eine zumindest annähernd kostenneutrale Realisation eines Green Buildings ermöglicht.

Der Verkauf des Eigenheims — ohne „green“ bald unmöglich?

Muss auch der Eigenheimbesitzer demnächst fürchten, beim geplanten Verkauf auf seinem nicht nachhaltig gebauten oder sanierten Haus sitzen zu bleiben? Ganz so dramatisch wird es voraussichtlich nicht werden. Kriterien wie die Lage des Hauses bleiben wohl entscheidend. Die Bereitschaft, das Eigenheim energetisch zu sanieren und so zumindest einem „Green Building anzunähern, ist dennoch bei vielen Hausbesitzern gegeben. Laut Immobilien-Trendstudie 2010 der Makler- und Finanzierungsplattform Planethome sind 46 Prozent der Hausbesitzer zur energetischen Sanierung bereit, wenn die Kosten innerhalb von sechs bis zehn Jahren durch eingesparte Energie ausgeglichen würden. Es scheint so, als würde „Grün“ auch abseits gesetzlicher Zwänge ein wichtiges Thema bleiben.