In der Wohnung der Zukunft geht Flexibilität vor Technik

30. Januar 2014
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Innovative Architekten und Innenarchitekten beschäftigen sich schon heute mit der Wohnung der Zukunft. Deren Bewohner werden Lohas genannt, diese Wortschöpfung haben Soziologen aus dem Motto ‚Lifestyle of Health and Sustainability‘ hervor gebracht, das sie den Städtern der Zukunft zuschreiben.

Nachhaltigkeit anstatt Technik
Der Kölner Architekt Jörg Leeser gilt als einer der innovativsten Vertreter seiner Zunft. Er nimmt den Begriff ‚Loha‘ in seinen Wortschatz auf und entwirft zukunftsorientierte Wohnungen für junge Familien, die in den Stadtzentren wohnen möchten. Während Leesers Entwürfe von außen oft etwas schrill anmuten, setzt er im Inneren auf Altbewährtes. Sein Motto lautet ‚Vorwärts in die Vergangenheit‘ und seine Prognose für die Wohnung der Zukunft besagt, dass dort so wenig Hightech wie nötig und so viel direkte menschliche Kommunikation wie möglich anzutreffen sein werden. Der Architekt glaubt nicht daran, dass sich die voll automatisierte Hightech-Wohnung mit BUS-System durchsetzen wird. Diese Art des Wohnens sei auf Dauer für die Massen viel zu teuer. Denn die Steuerungssysteme seien einfach nicht energieeffizient, meint Leeser. Er benennt Studien, die besagen, dass umso mehr Energie verloren gehe, je aufwendiger die Steuerungstechnik gestaltet sei.

Umweltbewusste Einrichtung
Auch der Umweltforscher Michael Braungart sieht die Energieeffizienz als primären Faktor bei der Planung von Immobilien der Zukunft. Sowohl bei den Baustoffen als auch bei der Inneneinrichtung würde man künftig gesunden, nachhaltig produzierten Materialien den Vorzug geben. Der Cradle-to-Cradle Erfinder Braungart sieht auf den Böden der Zukunft raumluftreinigende Teppiche liegen, die nach Gebrauch komplett wieder in den Wertstoffkreislauf eingespeist werden. Die Möbel von morgen werden seiner Meinung nach aus einer Kombination von kompostierbaren Stoffen und recycelbaren Wertstoffen gefertigt. Fußbodenbeläge wie PVC und Laminate, die aus gesundheitsgefährdenden Stoffen bestehen, gehörten schon bald endgültig der Vergangenheit an, und auch Wandfarben würden komplett schadstofffrei hergestellt. Braungart prangert darüber hinaus den gesetzlich verordneten Dämmwahn an. Das Wärmedämmverbundsystem produziere gesundheitsschädlichen Sondermüll und habe dafür gesorgt, dass heute 40 Prozent aller Häuser von Schimmel befallen sind, führt der Forscher aus. Die deutsch-amerikanische Innenarchitektin Sophie Green mit Büros in München und Brüssel verzeichnet bei ihren Kunden schon heute ein wachsendes Umweltbewusstsein. Sie pflichtet Braungart bei und sagt, dass es künftig überwiegend regional produzierte Naturmaterialien in den Wohnungseinrichtungen geben werde. Im Norden Deutschlands werde es dann mehr Ziegel und im Süden mehr Holz in der Verarbeitung von Baumaterialien geben. Naturkautschuk und Lehm sieht die Innenarchitektin als nachhaltigen Ersatz für das gegenwärtig noch äußerst beliebte Laminat an. In Zukunft hätten solche umwelt- und gesundheitsschädlichen Materialien bei den Lohas genauso wenig eine Chance wie die Pressspanplatten mit Formaldehyd-Ausdünstungen der Möbel-Discounter, prognostiziert Green. Für Möbel aus Massivholz sieht sie hingegen eine Renaissance auf uns zukommen.

Die Japaner machen es vor
Die japanischen Architekten sind der Zukunft des Wohnens heute schon weitaus näher als ihre europäischen Kollegen. Hierzulande sehen sich innovative Architekten mit einer der restriktivsten Bauordnungen der ganzen Welt konfrontiert, während Japaner wie Sou Fujimoto hybride Behausungen entwerfen, die wie Baumhäuser aus Stahl in Kombination mit Glas anmuten. Der auch in Deutschland gefeierte fernöstliche Architekt hat in seiner Heimat die Freiheit, wild übereinandergestapelte Boxen in Wohnraum zu verwandeln. Darin verschmilzt die Innen- mit der Außenwelt gleichermaßen wie das Private mit dem Öffentlichen. Fujimoto sieht die Architektur ohnehin nur als äußeren Rahmen für die Komplexität und den Reichtum der im steten Wandel begriffenen modernen Welt. Er will den Bewohnern seiner Entwürfe die gestalterische Freiheit lassen, seine individuellen Wohnbedürfnisse befriedigen zu können.

Flexibilität und offene Gestaltung
Fritz Frenkler, Designer und Professor für Industrial Design an der TU München, glaubt nicht an eine Zukunft des klassischen Denkens in einzelnen Räumen. Die Wohnung von morgen stellt er ohne feste Türen dar, lediglich durch Möbel und flexible Schiebetüren unterteilt. Die beengten Verhältnisse in den Großstädten machten diese Entwicklung notwendig. Frenkler sieht alleine die Toilette noch als einzige abgeschlossene Einheit in der Wohnung der Zukunft, die durch eine Kabine vom Rest der Wohnung getrennt wird. Den Hightech-Anteil der Inneneinrichtung prognostiziert er für die Zeit in 20 Jahren auf dem gleichen Stand wie heute. Vielmehr sei angesichts des demografischen Wandels Flexibilität gefragt, denn die Bewohner wünschten sich Entwürfe von den Architekten und Innenarchitekten, die für jeden Altersabschnitt nutzbar sein sollten.

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