InTempo in Benidorm – und manchmal wird alles gut?!

13. August 2013
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Innerhalb kürzester Zeit wurde das Hochhaus InTempo im spanischen Benidorm zum Medienstar, weil ihm scheinbar etwas Wichtiges fehlte: der Aufzug. Jedenfalls ab dem 21. von 47 Stockwerken. „Alles falsch, der Aufzug funktioniert“, wird jetzt ein Architekt des Projekts in der Zeitung „Welt“ zitiert. Also war alles nur eine Zeitungsente oder zumindest eine aufgebauschte Halbwahrheit? Vielleicht! Dann bliebe allerdings die Frage, warum sie derart die Runde gemacht hat. Möglicherweise liegt einer der Gründe dafür darin, dass sich InTempo und mögliche Possen rund um den Bau einfach gut als Symbol für die derzeit vorherrschende Krise in Spanien eignen. Die Geschichte passt vielleicht einfach schön in die Zeit, ob sie nun wahr ist oder nicht. Vielleicht bedeutet das aber auch zumindest eine winzige Chance, dass InTempo irgendwann ein bisschen zu einem kleinen Symbol für eine Renaissance Spaniens werden könnte? Vielleicht!

Der Aufzug funktioniert?!

„Ich bin dageblieben, und alles läuft bestens. Kommen sie nach Benidorm und überzeugen Sie sich, der Aufzug funktioniert“. Mit diesem Satz wird der Vizebauleiter und technische Architekt beim Projekt InTempo, Guillermo Campos, in der Zeitung „Zeit“ zitiert. Er scheint also Aufzüge bis nach ganz oben zu besitzen, der Wolkenkratzer, über den so viele geschrieben haben. Es scheint so. Vielleicht ist das dann aber auch nur der Fall, weil aufkommende Probleme in kurzer Zeit behoben werden konnten? Der InTempo genannte Wolkenkratzer sollte ursprünglich nur 20 Etagen hoch werden und für diese Höhe waren auch die ursprünglichen Aufzugschächte konzipiert. Nun geht es 47 Stockwerke hinauf und man benötigt dafür stärkere Motoren sowie andere Zugsysteme, schreibt die Welt. Und so benötigt man auch andere Aufzugschächte als die, die für den „kleineren“ Turm konzipiert waren. Das Ganze soll erst im Januar bekannt geworden sein. Und nun? Nun ist der Fehler möglicherweise längst behoben und die Posse ist nur eine kleine Posse? Möglicherweise!

Die Arbeiten am Wolkenkratzerprojekt „Edificio Intempo Benidorm“, das kurz auch „InTempo“ genannt wird, begannen 2007. Die Planungen reichen zurück in eine Zeit, als Spanien als ein Inbegriff eines neuen europäischen Wirtschaftswunders galt. Das scheint lange her zu sein. Das Projekt besteht aus zwei Türmen, die jeweils etwa 190 Meter hoch sind. Oben sind die beiden Türme so durch einen Kegel miteinander verbunden, dass sie gemeinsam in etwa die Form eines „M“ bilden. 2009 sollte das Projekt fertig werden. Dann jedoch kamen die Finanzkrise und Spaniens platzende Immobilienblase. Das prognostizierte Projektende wurde zunächst auf 2011 gelegt und liegt nun bei Ende 2013. Die Kosten des Projekts stiegen laut Zeitung „Die Welt“ um mehr als das Doppelte auf 92 Millionen Euro. Ignoriert man einmal die konkreten Zahlen, sind das Entwicklungen, die an manch ein deutsches Großprojekt erinnern. Hinzu kommen bei InTempo weitere Probleme: Laut Medienmitteilungen soll der Verkauf der Wohnungen in den Türmen nur schleppend vorangehen. Zudem soll beim Wechsel der Architekten eine Reihe von Baupläne und Skizzen nicht übergeben worden sein, was die weitere Fertigstellung des Wolkenkratzers erschwert. Unter einem wirklich guten Stern scheint InTempo also nicht zu stehen. Im günstigsten Fall wird aber irgendwann alles gut und die Widrigkeiten zuvor sind vergessen?!

Das (möglicherweise) Gerücht, das so gut passte

Sollten die Aufzüge, die nur bis in den zwanzigsten von 47 Stockwerken reichen, tatsächlich nur eine (nicht mehr wahre) Geschichte sein, dann bleibt die Frage, warum sich diese (dann falsche) Geschichte so sehr verbreitet hat. Natürlich hat eine Posse wie ein vergessener Aufzug für die oberen Stockwerke eines Wolkenkratzers hohen Unterhaltungswert. Das alleine kann die Verbreitung der möglichen „Zeitungsente“ aber nicht erklären. Eventuell bot sich InTempo in Spanien einfach wie kaum ein anderes Projekt als Symbol für mögliche Possenspiele an, die letztlich zu immensen Problemen geführt haben? Das Projekt, das einst für Spaniens Aufschwung stehen sollte, taugt wohl jetzt ebenso gut als Krisensymbol. Der Standort Benidorm tut da ein übriges. Der Stadt an der Costa Brava, die sich den Beinamen „New York des Mittelmeers“ gönnt, wird in Bezug auf die Einwohnerzahl die höchste Wolkenkratzer-Dichte der Welt nachgesagt. Sie ist zudem eine spanische Touristenhochburg, eine die Massen anzieht und Geister scheidet, ebenso geliebt wie als Symbol des Massentourismus gehasst wird. Nicht zuletzt ist Benidorm eine Stadt, die wie viele spanische Städte nicht von der Krise verschont blieb und die vielleicht sehr gut als Beispiel für Aufstieg und Fall in Spanien steht. Diejenigen, die im InTempo derzeit Wohnungen verkaufen, können möglicherweise ein Lied davon singen.

InTempo sollte so etwas wie die Krönung der Wolkenkratzer-Landschaft Benidorms werden. Davon scheint sas Projekt derzeit jedoch weit entfernt zu sein. Immerhin kann es jedoch nach wie vor für Schlagzeilen sorgen, wenn auch zuletzt keineswegs für gute. Doch wer weiß? Sollte sich die Aufzugposse tatsächlich als Unwahrheit herausstellen und würde InTempo tatsächlich Ende 2013 fertig werden und würde man die Wohnungen dort zumindest zu einem noch halbwegs akzeptablen sowie der jetzigen Situation angemessen Preis an den Käufer bringen, hätte der Wolkenkratzer zumindest eine winzige Chance, vielleicht ein kleines bisschen zum Symbol eines Spaniens zu werden, das sich auch von großen Krisen letztlich nicht unterkriegen lässt. Manchmal sind Wolkenkratzer mehr als nur Bauwerke. Und manchmal wird alles gut?! Viele Fragen, viele Konjunktive, ein bisschen Hoffnung?

2 Comments

  1. Karsten Aßmann-Funk | A-F-Immobilien 19. August 2013 13:04

    Gute Nachrichten lassen sich eben nicht so gut verkaufen – ich drücke den InTempo-Machern die Daumen, dass die Aufzüge wirklich da sind 😉

  2. Marco 6. September 2013 16:22

    Dass sich die News so schnell verbreiten, dass kein Aufzug in dem Haus ist, finde ich nicht wirklich verwunderlich. Die spanischen Medien sind im Moment sehr schnell alles aufzufinden, was potentiell auf eine Schwäche des Landes hinweist und dann Politiker und sonstige Menschen in der Öffentlichkeit an den Pranger zu stellen.