Mobile Wohnprojekte auf dem Vormarsch

12. September 2014
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Hamburg

Bernd Sterzl / pixelio.de

Mobiles Wohnen auf Zeit hat in Deutschland Konjunktur. Angesichts angespannter Wohnungsmärkte sind vor allem für Studentenwohnheime ganz neue Ideen gefragt. Dafür haben unter anderem DFH und Neptunus nun innovative Produkte entwickelt. Die Deutsche Fertighaus Holding und der Hersteller von High Tech Zelten gehen neuerdings mobile Wege und entwickeln Wohnprojekte, die im Handumdrehen auf- und wieder abgebaut werden können. Im Berliner Stadtteil Treptow entsteht zudem ein Studentenwohnheim aus Hochseecontainern.

Wohnen im Würfel

Flexibilität hat oberste Priorität bei den Wohnmodulen mit dem Namen Cubity. Die hölzernen Wohnwürfel haben Studenten der TU Darmstadt zusammen mit DFH entwickelt. Ein Pavillon mit zwei Geschossen besteht aus insgesamt zwölf Würfeln, den Cubes, in denen jeweils ein Student wohnt. Die Cubes gruppieren sich um einen größeren Gemeinschaftsraum. Jedem Studenten steht eine Wohnfläche von 7,2 Quadratmetern zur Verfügung. Im Würfel sind eine Nasszelle mit Dusche und eingebautes Mobiliar enthalten. Ein Pavillon für zwölf Studenten benötigt so nur eine Grundfläche von 256 Quadratmetern. Bei der Konzeption des Würfelpavillons als Studentenwohnheim standen aber nicht allein Platzersparnis und Mobilität im Vordergrund, auch auf energetische Standards und Nachhaltigkeit wurde geachtet. Die Pavillons erfüllen den Plus-Energie-Standard, sie nutzen regenerative Energien. Das Projekt entstammt dem Brainpool der TU Darmstadt, die DFH hat als Hauptsponsor und technischer Partner die Bauteile geliefert. Das Konzept fußt auf einer Analyse der Uni, die ergeben hat, dass den Studenten der private Rückzugsraum beim Wohnen weniger wichtig ist als genügend Gemeinschaftsraum. Nachdem das Würfelhaus auf der Solar Decathlon Europe 2014 in Versailles ausgestellt wurde, wird es in Darmstadt seine Premiere als Studentenwohnheim feiern dürfen.

Apartments im Zelt

Der niederländische Zelthersteller Neptunus, normalerweise auf temporäre Gewerbegebäude spezialisiert, hat sich ebenfalls mit demontierbaren Wohnlösungen beschäftig und einen Wohnblock mit 20 Apartments konzipiert, der sich nach eigenen Angaben von einem festen Wohnhaus kaum unterscheiden soll. In der holländischen Stadt Panningen haben die Bewohner das erste Exemplar des neuartigen Gebäudes bereits bezogen. Aufgebaut wurde ihr neues Zuhause in knapp 14 Wochen, es könnte im Nu wieder demontiert werden, oder seinen Bewohnern in Panningen etwa 20 Jahre lang als Heimstatt dienen. Die insgesamt 16 Zweizimmerwohnungen und vier Dreizimmerwohnungen im Wohnhaus sind komplett ausgestattet und genügen ökologischen Standards. Darüber hinaus kann das Gebäude mit einer Solaranlage aufwarten. Für ein ansprechendes Äußeres sorgt eine Holzverkleidung.

Wohnen im Hochseecontainer

Das können die Studenten im Rahmen des Projekts ‚Frankie und Johnny‘ des Investors Jörg Duske bald in Berlin Treptow. Die Stahlcontainer mit 12 Metern Länge und 2,50 Breite werden mit Wärmedämmung für die Wände und Gussasphalt für den Boden bewohnbar gemacht. Für genug Licht sorgt die Verglasung an den schmalen Enden. In die Glasmodule werden Belüftungselemente integriert, die ein gesundes Raumklima schaffen und Schimmelbildung vorbeugen sollen. Um den Anforderungen der Energieeffizienz genüge zu tun, plant Duske ein eigenes Blockheizkraftwerk, das alle 411 Container mit der gesamten benötigen Energie versorgen soll. Die Anlage mit drei Trakten gestapelter Container wird insgesamt etwa 16 Millionen Euro kosten. Den Löwenanteil von 10 Millionen will Duske über ein KfW Darlehen finanzieren, 2 Millionen sollen als Darlehen von Banken kommen. Die restlichen 4 Millionen müssen über Eigenkapital erbracht werden. Duske selbst kann davon 2,5 Millionen aufbringen, was dann noch fehlt, will er über Crowdfunding im Internet einsammeln. Dieses Projekt mit den an und für sich mobilen Hochseecontainern ist jedoch nicht als vorübergehende Lösung geplant. Auf einem Betonfundament und fest miteinander verbunden sollen die Wohnboxen dauerhaft als Studentenwohnheim installiert werden.

Mobile Wohnprojekte als Renditemodell

Internationale Investoren haben mobile Wohnprojekte bereits als Renditemöglichkeiten auf dem Schirm. Die Berliner Kanzlei Pietschmann Legal betreut komplexe Bauvorhaben und sieht hier durchaus Potential. Bei Rainer Pietschmann haben sich nämlich bereits ausländische Interessenten gemeldet. Obwohl der Fachanwalt die neue Renditemöglichkeit spannend findet, sieht er auch Hürden, was die Finanzierung betrifft. Investoren verlangten in der Regel eine Mietprognose, die Zins und Tilgung erwirtschaften könne, sagt Pietschmann. Darüber hinaus werde ein angemessener Verkehrswert erwartet, der für eine Rückführung der Darlehen ausreiche. Diese Voraussetzungen sieht Pietschmann bei solchen Projekten noch nicht gegeben. Ein hoher Eigenkapitalrahmen von mindestens 50 Prozent sei bei mobilen Wohnprojekten deshalb erforderlich.

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