Stadtgärten als naturalistische Blumenwiesen

21. Mai 2014
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Azaleen am Teich mit Spiegelung

Dieter Hopf / pixelio.de

Den akkurat angelegten Blumengärten in unseren Städten kann der berühmte holländische Gartenarchitekt Piet Oudolf rein gar nichts abgewinnen. Er findet ohnehin, dass die Deutschen zu so etwas wie Gärtner-ADHS neigen. Seiner Meinung nach wird hierzulande viel zu schnell und zu oft die Gartenschere angesetzt. Statt jahreszeitlich fest durchgetakteter Gartenpläne predigt er seine ‚Less is more‘-Philosophie.

Wiesenromantik auf der Architekturbiennale

Piet Oudolf legt seine Gärten wie bunte Blumenwiesen an und sieht sie als Rückzugsgebiet für die überreizten Sinne heutiger Zeitgenossen. Und genau das ist es auch, was den Besuchern der letzten Architekturbiennale in Venedig im Gedächtnis bleiben wird. Akribisch angelegte Gärten, denen man die Planung nicht ansieht, die Illusion einer unberührten Natur inmitten des Großstadtdschungels. Auch dem Wall Street ist der unkonventionelle Holländer bereits aufgefallen, dort wurde er als Rockstar unter den Gartengestaltern tituliert. Kein Wunder, hat Oudolf doch alle drei Großprojekte, die ihm zu Weltruhm verhalfen, in den Vereinigten Staaten realisiert.

Unkonventionelle Karriere eines Nonkonformisten

Unter seinen Kollegen sticht Piet Oudolf nicht nur durch seine extravaganten Gartenkompositionen hervor, auch seine Karriere verlief alles andere als gradlinig. Der Late Bloomer unter den renommierten Gartenarchitekten jobbte in der Kneipe seiner Eltern bis er Mitte 20 war. Erst dann entdeckte er mehr oder weniger durch Zufall seine Leidenschaft fürs Gärtnern. Berühmt geworden ist Oudolf durch seine Tätigkeit in Amerika. Dort gestaltete er die Gardens of Rememberance, die zu Ehren der Opfer des 11. September im Battery Park an der südlichen Spitze Manhattans angelegt wurden. Weitere aufsehenerregende Projekte waren der Lurie Garden im Millennium Park von Chicago und der High Line Park, den Oudolf ebenfalls in Manhattan verwirklichte. Heute betreibt der Nonkonformist zusammen mit seiner Ehefrau eine Pflanzenschule in der holländischen Heimat. Aber dort baut er natürlich nicht etwa Tulpen an. ‚Future Plants‘ heißen seine Züchtungen, die sich spontan entwickeln und weitgehend ohne menschliche Pflege auskommen sollen.

New Dutch Wave

So heißt der Stil, den Piet Oudolf begründet hat. Nach eigenem Bekunden spielen die Faktoren Natur, Kunst und Zeit bei der New Dutch Wave die größte Rolle. Sein Motto heißt: Die Struktur und Form einer Pflanze ist wichtiger als ihre Farbe. Die Pflanzen, welche er unter dieser Prämisse züchtet, sind auch in deutschen Gärtnereien zu haben. Obwohl Oudolf findet, dass die Deutschen ihre Gärten wie übereifrige Hausfrauen bewirtschaften. Die Attitüde, ständig im Garten herum zu schneiden und putzen zu müssen, hält er für völlig überflüssig. Der selbst ernannte Ökosystem-Ingenieur möchte sich viel mehr auf die heilsame Kraft der Wildnis besinnen, um den Betonwüsten der modernen Großstädte etwas entgegen zu setzen. Hobbygärtner, die sich vom Hausfrauengärtnern verabschieden möchten, sind herzlich ins niederländische Hummelo eingeladen, wo der eigene Garten von Piet Oudolf zeitweise der Öffentlichkeit zugänglich ist. Dort veranschaulicht der naturalistische Gartenarchitekt seine Philosophie in der Theorie und zeigt den Interessierten die Umsetzung in die Praxis. Auch der Pionier der New Dutch Wave hat jedoch in homöopathischen Dosen mit der neuartigen Gartenarchitektur angefangen. Genauso rät er es den Hobbygärtnern, die es ihm nun gleichtun möchten. Denn für Laien ist die Oudolfsche Art des Gärtnerns nicht ganz einfach nachzumachen. Den Mut zum Experiment hat die Adlige Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff bei der Gestaltung ihres Schlossparks in Zusammenarbeit mit Piet Oudolf bewiesen. Und der revoluzzerische Gärtner wiederum hat gezeigt, dass er keineswegs dogmatisch vorgeht bei seiner naturalistischen Gartenarchitektur. Als die Gräfin für die Zeit vor der ersten Staudenblüte nach mehr Farbe verlangte, kontaktierte Oudolf seine Landsmännin und Kollegin Jacqueline van der Kloet. Zusammen mit der Tulpenexpertin wurde ein gemeinsames Konzept entwickelt, von dessen Blütenpracht am Ende alle begeistert waren.

Nicht vereinbar mit dem englischen Rasen

Mit der traditionellen englischen Art der Gartengestaltung verträgt sich die New Wave aus Holland wohl überhaupt nicht. Denn die lautesten kritischen Stimmen sind von dort zu vernehmen. Der Historiker Robin Lane Fox hat die konservative Ansicht der englischen Traditionsgärtner wohl am deutlichsten formuliert. Für ihn gehören die Gartenkompositionen Oudolfs im besten Fall auf den Randstreifen einer Autobahn. Am ehesten eigne sich die Gartenarchitektur Oudolfs seiner Ansicht nach für Industriebrachen.

One Comment

  1. Olaf 7. Oktober 2014 13:35

    Ist einfach Ansichtssache würde ich sagen und ich finde beide Arten von Stadtgarten schön – egal ob naturalistische Blumenwiese wie sie hier genannt hat oder eben perfekt zugeschnittene, fast schon symmetrische, Gärten 😉