Was wird aus dem Tempelhofer Feld in Berlin?

17. Dezember 2013
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Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass 59 Prozent der Berliner für eine Bebauung des freien Tempelhofer Feldes sind. Bei der vorhergehenden Erhebung äußerten sich die Bürger noch skeptischer gegenüber dem Projekt, im vergangenen Februar sprachen sich 57 Prozent der Befragten dagegen aus. Für den Senat kommt diese Wende gerade zur rechten Zeit, denn die Stadt plant, mit der Bebauung im Jahr 2016 zu beginnen.

Tempelhofer Feld

Christa Nöhren / pixelio.de

Die Beschränkung der Tempelhofer Freiheit
Tempelhofer Freiheit werden die Berliner Bürger das Areal des ehemaligen Flughafens nach der Bebauung wahrscheinlich nicht mehr nennen. Denn insgesamt sind dort 4.700 Wohnungen geplant. Darüber hinaus werden auch Büros und Gewerberäume entstehen. Im Südwesten des ersten Baufeldes am Tempelhofer Damm befindet sich das künftige Gelände der Zentral- und Landesbibliothek. Dieser Neubau ist in der Bevölkerung besonders umstritten. In der ersten Planungsphase des Projekts sollen im Jahr 2016 insgesamt 1.700 Wohnungen entstehen. Der Senat will für soziale Ausgeglichenheit sorgen, die bewährte ‚Berliner Mischung‘ soll auch in diesem neuen Quartier entstehen. Deshalb sieht die Planung einen Mietpreis von sechs bis acht Euro pro Quadratmeter für mindestens die Hälfte des Wohnraumes vor. Die günstigsten Quadratmeterpreise sollen den Inhabern von Wohnberechtigungsscheinen vorbehalten bleiben. In der Mitte des Tempelhofer Feldes ist die Erhaltung einer etwa 230 Hektar großen Freifläche geplant. Dort können sich die künftigen Bewohner dann erholen und ihre Freizeit genießen.

Dringend benötigter Wohnraum
Der Senat hält sein Projekt angesichts der zu erwartenden Entwicklung der städtischen Bevölkerung für äußerst notwendig. Die Stadtväter argumentieren mit einem prognostizierten Zuwachs von 250.000 Berliner Mehrbürgern bis zum Jahr 2030. Deshalb benötige die Hauptstadt in jedem Jahr ein Volumen von 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Schon jetzt verzeichnet die Berliner Verwaltung einen historischen Tiefstand bei den Wohnungsleerständen. Vor allem in Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln gestaltet sich die Situation nach Senatsangaben prekär, bezahlbarer Wohnraum sei in diesen Vierteln kaum noch zu finden. Sogar Strafen für überhöhte Mietpreise würden bereits diskutiert. Das Tempelhofer Feld biete hier die einmalige Möglichkeit, den Berlinern erschwinglichen Wohnraum in großem Stil zur Verfügung zu stellen. Kein anderes Areal im Stadgebiet biete so viel Platz für ein solches Projekt.

100 Prozent Tempelhofer Feld
Diesen Namen hat sich die Protestbewegung gegen die Bebauungspläne gegeben. Die Bürgerinitiative möchte das Tempelhofer Feld genauso erhalten, wie es jetzt ist, und keinerlei Änderung am Status quo akzeptieren. Die Projektgegner sammeln fleißig Unterschriften, um ein Volksbegehren erreichen zu können. Dafür sind insgesamt 174.000 gültige Unterschriften nötig, bis Mitte Januar bleibt den Initiatoren dafür noch Zeit. Als Grund für ihren Protest gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes führt die Initiative zu hohe Kosten ins Feld. Nach Meinung der Gegner gebe es in Berlin genügend andere Freiflächen, die zur Schaffung neuen Wohnraumes zur Verfügung stünden. Die Bezirksverordnetenversammlung BVV von Tempelhof-Schöneberg hat sich bereits für einen Planungsstopp bis zum Abschluss des Volksbegehrens ausgesprochen. Die Parteien CDU, Grüne, Piraten und Linke waren sich in diesem Vorhaben einig. Einzig die SPD wunderte sich, dass ihr Koalitionspartner den Beschluss unterstützte. Verhindern kann die BVV freilich gar nichts. Denn das Projekt Tempelhofer Feld liegt allein in den Händen der Stadtentwicklungsverwaltung.

Was meinen die Bürger?
In der Zeit vom 18. bis zum 28. November hat das Forsa Institut insgesamt 1001 Berliner zu den Bebauungsplänen am Tempelhofer Feld befragt. 59 Prozent votierten dafür, 38 Prozent dagegen. Der Senat kann sich für sein Bauprojekt also über eine wachsende Zustimmung seiner Bevölkerung freuen. Ost- und Westteil der Stadt sind sich in ihrer Beurteilung des Projektes weitgehend einig. Die Bewohner des Ostens sind zu 61 Prozent für die Bebauung, im westlichen Teil der Stadt stimmen 58 Prozent zu. Die zahlreichste Unterstützung gibt es bei den jüngeren Leuten, unter den 18- bis 29jährigen Berlinern sind 66 Prozent Befürworter. Nur 32 Prozent der Befragten in dieser Altersgruppe stehen der Bebauung des Tempelhofer Feldes ablehnend gegenüber. Nach Parteienzugehörigkeit aufgesplittet, bringt die Umfrage bei den SPD Anhängern mit 77 Prozent den größten Pool an Befürwortern zutage. Aber auch die CDU Anhänger sind zu 70 Prozent mit den Bebauungsplänen einverstanden. Die Wähler der Regierungskoalition sind sich bei diesem Thema also einig. Bei den Grünen sieht die Verteilung ganz anders aus, während nur 47 Prozent ihrer Anhänger dafür stimmen, lehnen 50 Prozent das Projekt am Tempelhofer Feld ab.

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