Wohnen auf der Autobahnbrücke? Vielleicht. Bald.

24. Oktober 2013
/ / /

Die kleine Stadt Limburg ist derzeit in aller Munde, was an einem Kardinal und einem kirchlichen Immobilienprojekt liegt. Es gibt derzeit jedoch noch ein anderes Immobilienprojekt, das ebenfalls den Blick auf die hessische Kreisstadt lenkt und vielleicht erfreulicher ist, wenngleich es noch ganz am Anfang steht und keiner genau weiß, ob es jemals realisiert wird. Voraussichtlich im Herbst 2016 wird die derzeit bestehende Lahntalbrücke, auf der die Autobahn A3 den Fluss Lahn überquert, durch eine neue Brücke ersetzt. Statt Abriss könnte der alten Brücke dann eine Zukunft als Bauwerk mit Wohnraum, Büros und Hotel winken.

Die mögliche neue Zukunft der Lahntalbücke

Die heute bestehende Lahntalbrücke wurde 1964 fertiggestellt. Laut Wikipedia hat sie eine Gesamtlänge von 396,5 Metern. Sie ist bis zu 57 Meter hoch. Als eine der meistbefahrenen Verkehrsbrücken Deutschlands wird sie laut eines Artikels der Süddeutschen Zeitung täglich von über 100.0000 Autos befahren. Genau das wird aber nicht mehr ewig so weitergehen. Die Lahntalbrücke ist in die Jahre gekommen und aus diesem Grund wird derzeit eine neue Brücke über die Lahn gebaut. Am 8. Juni 2013 war erster Spatenstich. Geht alles nach Plan, wird die neue Lahntalbrücke im Herbst 2016 fertig sein. Das Gesamtprojekt, zu dem unter anderem auch der Bau von Wasserrückhalte- und Klärbecken gehört, soll 80 Millionen Euro kosten und Ende 2017 fertig sein. 10 Millionen werden bisher für den Abriss der alten Lahntalbrücke veranschlagt, der … nun eventuell gar nicht stattfindet.

Die mögliche Umnutzung der alten Lahntalbrücke ist ein Projekt der Immobilienfirma Feuer-Werk Immobilien GmbH. Vorgestellt wurde es auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München mit einem Präsentationsvideo, das mittlerweile auch auf YouTube veröffentlicht wurde. Die geplanten Gebäude auf der Brücke würden sich „regelrecht um die Pfeiler schlingen, wie Türme aussehen und über die Fahrbahn hinausragen“, berichtet der Hessische Rundfunk (HR) über das Projekt. Insgesamt ergäbe das dann vier Türme mit jeweils 7.000 m² Nutzfläche, deren höchster Punkt jeweils über der 57 Meter hohen Brücke liegen würde. Auf der Brücke sieht man im Video geparkte Autos und spazierende Menschen. Von enormen Chancen für Limburg und Hessen ist die Rede, von einer Nachnutzung mit Büros, einem Hotel und Kongresszentrum, von Restaurants und von exklusivem Wohnen. Laut Bericht des HR von Anfang Oktober ist die Stadt Limburg offen für den „kuriosen Bauvorschlag“. Ob es aber wirklich zur Realisierung des Projekts kommt, ist dennoch völlig offen.

Brücken zum Leben und Arbeiten

Für die Nutzung von Brücken als Standort von Wohnungen und/oder Shops gibt es bereits Beispiele aus der Historie. Die Süddeutsche Zeitung verweist auf die Ponte Vecchio in Florenz sowie die Pariser Pont au Change, die im Mittelalter – wie auch andere Brücken – mit Häusern und Läden bebaut war. Im Zeitungsartikel ist auch von einer „700 Meter lange Wohnbrücke für mehr als 1000 Wohnungen“ die Rede, die der Architekt Hadi Teherani für Hamburg in heutiger Zeit entworfen hat, sowie von Planungen „für eine rund 100 Millionen Euro teure bewohnbare Brücke“ in Duisburg. Die jetzigen Pläne für die Lahntalbrücke wirken jedoch so, als seien sie näher dran an einer Realisierung als andere moderne Projekte ähnlicher Art. Zudem wäre die Umnutzung einer nicht mehr benötigten ehemaligen Autobahnbrücke dann doch etwas Einmaliges. Die Projektplaner verweisen bei Gründen FÜR das Projekt unter anderem auf die Nachhaltigkeit beim Umgang mit Bausubstanz, die man mit der Umnutzung der Brücke beweisen würde. Zudem würde man die Abbruchkosten für die Brücke einsparen. Das klingt durchaus wie ein schlüssiges Argument FÜR das Projekt. Dennoch ist es wohl noch keins, das zu einem vorbehaltlosen „ja“ zur Umnutzung der Brücke führt.

Ein außergewöhnliches Projekt… auch ein gutes?

In einem Kommentar unter dem Präsentationsvideo auf YouTube ist davon die Rede, dass die Bedenkenträger bereits in Stellung liegen. Mögliche Vorbehalte gegen die Umnutzung der Lahntalbrücke sollte man jedoch nicht vorschnell ausschließlich als die Bedenken derer abtun, die stets Bedenken tragen. Das Lahntal-Brückenprojekt klingt einzigartig, wie etwas ganz Besonderes und das Medienecho, bereits ganz zu Anfang des Projekts, spricht dafür, dass eine Vermarktung des Projekts möglicherweise nicht allzu schwierig sein würde. Mit einer Prise Begeisterung kann man dem außergewöhnlichen Projekt also durchaus begegnen.

Man wird dennoch sachlich prüfen müssen, wie hoch etwa die Gesamtkosten solch eines Projekts wären, welche zusätzlichen Infrastruktur-Projekte eventuell nötig wären, um Hotel, Wohnungen und Büros beispielsweise mit Strom und Wasser zu versorgen. Und es gibt weitere Fragen: Sind beispielsweise zusätzliche Investitionen in die Verkehrs-Infrastruktur und andere Zusatzinvestitionen nötig, um das Projekt zu realisieren? Zudem wird man schauen müssen, ob sich wirklich Investoren finden, die sich vom Projekt überzeugen lassen. Fazit: Die Faszination, die das Projekt möglicherweise erzeugt, darf den kritischen Blick auf mögliche Widrigkeiten, die eine Realisierung NICHT ratsam erscheinen lassen, nicht vernebeln. Allerdings darf man sich natürlich wünschen, dass auch der kritische Blick letztlich nichts findet, was dem Projekt im Wege steht. Also wünschen wir es einfach!

 

One Comment

  1. Karsten Aßmann-Funk 30. Oktober 2013 13:05

    Warum gerade Duisburg eine 100 Mio Wohnbrücke brauchen sollte, erschliesst sich mir allerdings nicht…