{"id":1056,"date":"2011-10-16T18:56:43","date_gmt":"2011-10-16T18:56:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=1056"},"modified":"2020-11-19T08:56:59","modified_gmt":"2020-11-19T08:56:59","slug":"die-verfuhrungen-bei-der-privatisierung-von-stadtwohnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/die-verfuhrungen-bei-der-privatisierung-von-stadtwohnungen","title":{"rendered":"Die Verf\u00fchrungen bei der Privatisierung von Stadtwohnungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Wenn st\u00e4dtische Wohnungen an private Unternehmen verkauft werden, lockt manch eine Verf\u00fchrung. Verantwortliche auf st\u00e4dtischer Seite k\u00f6nnten aus privaten Gr\u00fcnden der Verf\u00fchrung erliegen, sich f\u00fcr ein Angebot zu entscheiden, dass f\u00fcr die Stadt selbst gar nicht die beste Variante ist. Privatwirtschaftliche K\u00e4ufer sind eventuell versucht, soziale Auflagen zu missachten, um m\u00f6glichst viel Geld aus gekauften Immobilien zu ziehen. Oftmals widerstehen beide Seiten den Versuchungen. In <a href=\"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/immobiliengutachter-potsdam\">Potsdam<\/a> und Dresden wird gerade gepr\u00fcft, ob der Widerstand gegen Verf\u00fchrungen dort nicht ausgereicht hat.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Verf\u00fchrung f\u00fcr die Verk\u00e4ufer<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">In den Jahren 2000 und 2001 verkaufte die Stadt Potsdam Immobilien im Wert von mindestens 120 Millionen D-Mark an das st\u00e4dtische Wohnungsunternehmen Gewoba. Die Gewoba verkaufte wiederum 1.050 Wohnungen f\u00fcr 26,3 Millionen Euro weiter an den Unternehmer Theodor Semmelhaack. Dieser Verkauf ist bis heute Stoff f\u00fcr Diskussionen. In sie sind auch Fernseh-Journalist G\u00fcnther Jauch, Potsdams Oberb\u00fcrgermeister Jann Jakobs und <a href=\"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/immobiliengutachter-brandenburg\">Brandenburgs<\/a> heutiger Ministerpr\u00e4sident Matthias Platzeck integriert. Platzeck war damals Oberb\u00fcrgermeister von Potsdam, Jakobs B\u00fcrgermeister und damals wie heute Aufsichtsratsvorsitzender der Gewoba und G\u00fcnther Jauch bereits damals Fernseh-Journalist, aber auch Investor, der in Potsdam Wohnungen kauft und saniert.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Ein Vorwurf Jauchs in Potsdam<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">G\u00fcnther Jauch schrieb laut einem Artikel vom Magazin \u201eStern\u201c am 29. September an Jann Jakobs und klagte einerseits dar\u00fcber, dass das damalige Procedere rund um den Verkauf der Gewoba-Wohnungen nahe lege, \u201edass au\u00dfer Herrn Semmelhaack kein anderer beim Erwerb zum Zuge kommen sollte\u201c. EU-Regeln f\u00fcr Bieterverfahren wurden anscheinend nicht beachtet; sie sind zwar nicht verbindlich, wurden aber beim Verkauf des Gewoba-Portfolios empfohlen. Die Gewoba hat die 1.050 Wohnungen in zwei Paketen angeboten, wobei sie das erste Paket sechs Unternehmen selbst angeboten haben soll. Das zweite Paket wurde nur in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgeschrieben. Ein Verkauf nach EU-Regeln sieht anders aus.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Weitere Vorw\u00fcrfe<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Jauch klagte auch, Semmelhaack habe die Gewoba-Immobilien damals ohne Sanierungsauflagen kaufen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend er selbst als Investor beim Kauf stets harte Auflagen bekommen habe. Liegt hier eine nicht legitime Ungleichbehandlung vor? Vorw\u00fcrfe kommen zudem vom damaligen Potsdamer Chef-Rechnungspr\u00fcfer Reinhard Stark. Er habe bereits damals vor einem Verkauf der Immobilien unter Wert gewarnt, hei\u00dft es. Und schlie\u00dflich sah sich Matthias Platzeck im Brandenburger Landtag mit Spekulationen konfrontiert, die Entscheidung f\u00fcr Semmelhaack als K\u00e4ufer k\u00f6nnte in Zusammenhang mit seinem anschlie\u00dfenden Sponsoring Semmelhaacks f\u00fcr die Sportvereine Babelsberg 03 und VfL Potsdam stehen. Platzeck wehrte sich im Landtag gegen die Vorw\u00fcrfe, die alle haltlos sein k\u00f6nnen, aber vielleicht&#8230; ist am einen oder anderen doch etwas dran? Ende offen!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Die Verf\u00fchrung f\u00fcr den K\u00e4ufer in Dresden<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">In Dresden liegen die Dinge etwas anders. 2006 verkaufte die Stadt dort etwa 48.000 Wohnungen des st\u00e4dtischen Wohnungsbau-Unternehmens Woba an das Unternehmen Gagfah. Verbunden war dieser 1,7 Milliarden schwere Verkauf, der die Schulden Dresdens blitzschnell in Nichts aufl\u00f6ste, mit einer Sozialcharta. Laut Charta sollte die Gagfah Wohnungen, die sie weiterverkauft, zun\u00e4chst den Mietern anbieten. Das sei nicht immer geschehen, hei\u00dft es aus Dresdens Stadtverwaltung. Die Gagfah bestreitet jedoch, gegen Vertragsverbindungen versto\u00dfen zu haben. Eine Klage der Stadt und eine Gegenklage der Gagfah waren die Folge des Streits. Auf die Gagfah k\u00f6nnten durch die Klage der Stadt im ung\u00fcnstigsten Fall Zahlungen oberhalb der Milliarden-Euro-Grenze zukommen. Zuletzt wurde zus\u00e4tzlich eine Klage gegen f\u00fcnf Gagfah-Manager erhoben. Sie sollen vor der Milliardenklage der Stadt Aktien der Gagfah in ihrem Besitz verkauft und damit verbotenerweise Insiderwissen genutzt haben. M\u00f6glicherweise geh\u00f6rt der Gagfah-Chef William Joseph Brennan zu den Angeklagten. Ihm wird vorgeworfen, vor der Klage und dem damit verbundenen gesunkenen Aktienkurs Aktien f\u00fcr 4,7 Millionen Euro ver\u00e4u\u00dfert zu haben.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Profit geht vor Sanierung?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist aber noch etwas Anderes, was Menschen in einigen von der Gagfah erworbenen Wohnimmobilien Sorge macht. Mehrfach war die Gagfah, deren Hauptaktion\u00e4r der US-Hedgefonds Fortress ist, in Verruf geraten: Sie soll notwendige Sanierungen an Immobilien nicht durchgef\u00fchrt haben. 2010 hat die Gagfah insgesamt 6,40 Euro pro Quadratmeter in Sanierungen investiert, wobei zehn bis f\u00fcnfzehn Euro branchen\u00fcblich seien, schreibt der Deutsche Mieterbund. Das w\u00fcrde daf\u00fcr sprechen, dass die Gagfah der Verf\u00fchrung erlegen ist, auf Kosten von Mietern m\u00f6glichst viel Profit aus Immobilien herauszuholen. Ob es so stimmt? Immerhin: Hamburger Mietern in schimmeligen Gagfah-H\u00e4usern wurde jetzt durch das Unternehmen schnelle Hilfe versprochen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Die vielleicht gr\u00f6\u00dfte Gefahr bei den Verf\u00fchrungen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Die vielleicht gr\u00f6\u00dfte Gefahr bei Verf\u00fchrungen, denen st\u00e4dtische Immobilienverk\u00e4ufer und private K\u00e4ufer eventuell erliegen, ist der m\u00f6gliche Vertrauensverlust. Das ohnehin nicht immer stabile Vertrauen in die Politik kann ebenso sinken wie das Vertrauen von Mietern, dass eine Privatisierung st\u00e4dtischer Immobilien f\u00fcr sie zumindest in einer absehbaren Zeit zu keiner verschlechterten Wohnsituation f\u00fchrt. Die Verunsicherung durch einige F\u00e4lle mit Unstimmigkeiten kann da mehr wiegen als viele andere, in denen die Privatisierung zur Zufriedenheit aller Beteiligten verlief. Und Vertrauen ist heute vielleicht mehr als je zuvor ein sehr wertvolles Gut: f\u00fcr Wirtschaft ebenso wie f\u00fcr Politik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn st\u00e4dtische Wohnungen an private Unternehmen verkauft werden, lockt manch eine Verf\u00fchrung. Verantwortliche auf st\u00e4dtischer Seite k\u00f6nnten aus privaten Gr\u00fcnden der Verf\u00fchrung erliegen, sich f\u00fcr ein Angebot zu entscheiden, dass f\u00fcr die Stadt selbst gar nicht die beste Variante ist. 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