{"id":1336,"date":"2012-07-28T11:50:57","date_gmt":"2012-07-28T11:50:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=1336"},"modified":"2020-11-18T17:40:47","modified_gmt":"2020-11-18T17:40:47","slug":"die-ivd-wohnkostenkarte-ist-munchen-doch-nicht-teuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/die-ivd-wohnkostenkarte-ist-munchen-doch-nicht-teuer","title":{"rendered":"Die IVD Wohnkostenkarte \u2013 ist M\u00fcnchen doch nicht teuer?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Anteil der Wohnkosten an den Haushaltseinnahmen liegt bundesweit in den zehn gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten Deutschlands bei etwa zwanzig Prozent. Das ist ein Ergebnis der neuen IVD Wohnkostenkarte des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Eine Wohnung in M\u00fcnchen ist demnach f\u00fcr die Bewohner kaum eine gr\u00f6\u00dfere Kostenbelastung als eine in Berlin. Soweit, so gut! Die Frage bleibt, wie man die erhobenen Zahlen interpretiert. Ohne auch Wanderungsbewegungen innerhalb der St\u00e4dte oder von den St\u00e4dten ins Umland zu kennen, muss man mit Interpretationen vielleicht vorsichtig sein.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Methodik bei der IVD Wohnkostenkarte<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grundlage der IVD Berechnungen f\u00fcr die Wohnkostenkarte waren einerseits Daten aus dem aktuellen IVD Wohnpreisspiegel 2011\/2012 f\u00fcr eine Mietwohnung mit 70 m\u00b2 Fl\u00e4che, drei Zimmern und einem mittleren Wohnwert. Andererseits nutzte der Verband Daten von MB-Research und dem Statistischen Bundesamt f\u00fcr das durchschnittliche Nettoeinkommen in den St\u00e4dten. In die Analyse einbezogen wurden Daten aus Berlin, Bremen, Dresden, D\u00fcsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, K\u00f6ln, <a href=\"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/immobiliengutachter-muenchen\">M\u00fcnchen<\/a> und Stuttgart.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">M\u00fcnchner zahlen kaum mehr als Berliner<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Wohnkostenkarte verschlingen die Wohnkosten in M\u00fcnchen durchschnittlich 23,7% der Einnahmen von Einwohnern der Stadt. Damit liegt Bayerns Hauptstadt laut Wohnkostenkarte ebenso wie mit einem durchschnittlichen Nettokaltpreis von 10,7\u20ac pro m\u00b2 Wohnraum an der Spitze im Vergleich der zehn St\u00e4dte. Allerdings zeigt sich auch, dass sich der Wohnkostenanteil in den zehn St\u00e4dten nicht extrem unterscheidet. D\u00fcsseldorfer zahlen im Vergleich trotz einer relativ hohen Durchschnitts-Nettokaltmiete von 8,50 \u20ac\/m\u00b2 (Rang 3 hinter M\u00fcnchen und Stuttgart) mit durchschnittlich 19,8% ihrer Einnahmen den geringsten Einkommensanteil f\u00fcr die Wohnung. Extrem weit ist das nicht von 23,7% entfernt. Einige weitere Ergebnisse:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Berlin hat im Vergleich mit 6,20 \u20ac\/m\u00b2 die drittgeringste Nettokaltmiete. Allerdings zahlen Berliner laut IVD durchschnittlich 23% ihres Einkommens f\u00fcr die Wohnung. Das bedeutet Platz 2 hinter M\u00fcnchen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die dritth\u00f6chste Belastung durch die Miete tragen Frankfurter mit 22,4% bei einer Nettokaltmiete von 8,20 \u20ac\/m\u00b2. Auf den Pl\u00e4tzen folgen Hannover (20,1%; 6 \u20ac\/m\u00b2), Bremen (20,5%; 6,25 \u20ac\/m\u00b2), K\u00f6ln (21%; 7,90 \u20ac\/m\u00b2), Dresden (21,2%; 5,80 \u20ac\/m\u00b2), Hamburg (21,7%, 8 \u20ac\/m\u00b2), Stuttgart (22%; 8,90 \u20ac\/m\u00b2).<\/li>\n<\/ul>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Vorsicht bei Interpretationen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wohnkostenkarte ist interessant, besitzt auch Aussagekraft, darf aber nicht zu vorschnellen und eventuell falschen Interpretationen f\u00fchren. Beispiel M\u00fcnchen: Die Karte sagt aus, dass die derzeit in M\u00fcnchen lebenden Menschen im Durchschnitt 23,7% ihrer Einnahmen f\u00fcr die Miete ausgeben, also nicht sehr viel mehr als in anderen St\u00e4dten. Das spricht nicht unbedingt f\u00fcr Handlungsbedarf und notwendig werdende Versuche, preisg\u00fcnstigen Wohnraum zu schaffen. Ein m\u00f6gliches und nicht unwahrscheinliches Szenario ist aber: Diejenigen, die sich Wohnraum in M\u00fcnchen nicht leisten k\u00f6nnen, aber gerne in M\u00fcnchen wohnen m\u00f6chten, sind l\u00e4ngst ins Umland gezogen. Ihr Einkommen flie\u00dft dann also nicht in die Berechnung ein. M\u00f6chte die Stadt dann auch diesen potenziellen Wieder-Bewohnern gerecht werden, kann sie nicht von einer Mietbelastung von 23,7% ausgehen. Sie w\u00fcrde bei diesen Menschen m\u00f6glicherweise weitaus h\u00f6her ausfallen und untragbar sein. Das wiederum w\u00fcrde bedeuten: Neue (und preisg\u00fcnstigere) Wohnungen m\u00fcssen her!<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Was stimmt, was stimmt nicht?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das oben geschilderte Szenario ist tats\u00e4chlich nur ein Szenario. Der bereits Anfang 2011 f\u00fcr M\u00fcnchen vorgestellte Familienreport 2010 mit Daten aus 2009 enth\u00e4lt Zahlen, die es st\u00fctzen, aber auch andere, die es m\u00f6glicherweise schw\u00e4chen. Laut Report war der Anteil an Haushalten mit Kindern unter 14 in M\u00fcnchen mit 16,8% unterdurchschnittlich im Vergleich zu bundesweiten Zahlen (20,5%). In Bezug auf Familien fiel zudem der Begriff \u201eStadtflucht\u201d. Hohe Wohnkosten seien daf\u00fcr der Grund, sagte Christine Strobl damals, die Zweite B\u00fcrgermeisterin der Stadt M\u00fcnchen. Andererseits zogen laut Report 3.400 mehr 14- bis 20-J\u00e4hrige nach M\u00fcnchen als aus M\u00fcnchen weg. Sie geh\u00f6ren nicht unbedingt zu den einkommensst\u00e4rksten Gruppen und ihr Einkommen flie\u00dft in die die IVD Wohnkostenkarte ein. Das k\u00f6nnte dann daf\u00fcr sprechen, das auch eher einkommensschwache Gruppen m\u00f6glicherweise keine zu hohe Belastung durch Mieten haben: selbst in M\u00fcnchen nicht. Ist das so? Manchmal beantworten Studien Fragen und kreieren zugleich neue.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anteil der Wohnkosten an den Haushaltseinnahmen liegt bundesweit in den zehn gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten Deutschlands bei etwa zwanzig Prozent. Das ist ein Ergebnis der neuen IVD Wohnkostenkarte des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Eine Wohnung in M\u00fcnchen ist demnach f\u00fcr die Bewohner kaum eine gr\u00f6\u00dfere Kostenbelastung als eine in Berlin. Soweit, so gut! 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