{"id":1411,"date":"2012-10-31T09:32:53","date_gmt":"2012-10-31T09:32:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=1411"},"modified":"2020-11-18T16:59:45","modified_gmt":"2020-11-18T16:59:45","slug":"hanse-hotel-warnemunde-das-duell-rostock-gelsenkirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/hanse-hotel-warnemunde-das-duell-rostock-gelsenkirchen","title":{"rendered":"Hanse Hotel Warnem\u00fcnde &#8211; das Duell Rostock \/ Gelsenkirchen"},"content":{"rendered":"<p>In Rostock-Warnem\u00fcnde steht das Best Western Hanse Hotel Warnem\u00fcnde. Sein aktueller P\u00e4chter kommt aus dem Westen, hei\u00dft Gelsen Log und ist eine 100-prozentige Tochter der Gelsenkirchener Gesellschaft f\u00fcr Energie und Wirtschaft mbH (GEW). Basis dieses Gesch\u00e4fts zwischen Rostock und Gelsenkirchen ist ein Pachtvertrag aus dem Jahr 1991. Die dort vereinbarte Pacht ist aus Sicht der Stadt Rostock mittlerweile viel zu niedrig, w\u00e4hrend Gelsenkirchen die Sache ganz anders sieht. Derzeit besch\u00e4ftigt sich das Landgericht Rostock mit dem Fall, der auch einige allgemeine Fragen aufwirft.<\/p>\n<h3>Der Vertrag, auf dem alles beruht<\/h3>\n<p>Vertragspartner auf Seite Gelsenkirchens war 1991 die World Trade Center Ruhrgebiet GmbH, die heute wie das Hanse-Hotel zu Gelsen-Log geh\u00f6rt. Beides \u2013 das Hotel und WTC Ruhrgebiet \u2013 geh\u00f6rt \u00fcber Gelsen-Log zugleich der Gesellschaft f\u00fcr Energie und Wirtschaft mbH (GEW), die bis 1998 noch Stadtwerke Gelsenkirchen GmbH hie\u00df. Der Pachtvertrag f\u00fcrs Hanse Hotel laufe noch bis 2016, enthalte aber die Option, um weitere 15 Jahre verl\u00e4ngert zu werden, schreibt die Zeitung WAZ am 12. Oktober 2012 auf dem Portal DerWesten.de. Gelsenkirchen m\u00f6chte diese Option gerne in Anspruch nehmen, denn die zu zahlende Pacht ist niedrig. Viele Jahre lang lag die Pacht des zum 4-Sterne-Hotel umgebauten ehemaligen Ferienheims des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) laut Vertrag bei nur 85.000 Euro pro Jahr. Vor drei Jahren gab es eine Erh\u00f6hung auf 100.000 Euro j\u00e4hrlich. Die Stadt Rostock h\u00e4lt diese Pacht f\u00fcr viel zu gering und gibt an, sie liege umgerechnet bei nur 86 Cent pro m\u00b2. Rostock nimmt zudem den von Gelsen-Log angegebenen Nettoumsatz des heutigen Hotels von etwa drei Millionen Euro pro Jahr und geht auf dieser Basis von einem Gewinn des Hotels aus, der \u00fcber zwei Millionen Euro j\u00e4hrlich liegt.<\/p>\n<h3>Meinungen und andere Meinungen<\/h3>\n<p>Der die Stadt Rostock vertretene Anwalt soll unter anderem aufgrund der von der Stadt errechneten Diskrepanz zwischen Pacht und Gewinn von der Sittenwidrigkeit des bestehenden Pachtvertrages f\u00fcr das Hotel ausgehen. Gelsenkirchen spricht bei Rostocks Angaben zu den Gewinnen des Hotels dagegen von Unkenntnis und Polemik und verweist darauf, dass man die Hotelimmobilie in sehr schlechtem Zustand \u00fcbernommen und Geld in die Sanierung gesteckt habe, was erst den Erfolg des heutigen Hotels erm\u00f6glicht hat. Insgesamt habe man \u00fcber zehn Millionen Euro in das Hotel investiert, wird Ulrich K\u00f6llmann, der Gelsen-Log \u2013 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, auf dem Portal \u201eDerWesten\u201c zitiert. Dem sehr schlechten Zustand der Immobilie zur Unterzeichnung des Pachtvertrags widerspricht wiederum Rostock und verweist dabei auf einen 1989 ausgestrahlten Bericht der \u201eAktuellen Kamera\u201c (DDR Nachrichtensendung). In ihm sei die heutige Hotelimmobilie als frisch saniert vorgestellt worden, hei\u00dft es. Rostock m\u00f6chte nun, dass der Vertrag mit Gelsenkirchen f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt wird und beruft sich auf eine fehlende Zustimmung der Kommunalaufsicht von Mecklenburg-Vorpommern. Die Zustimmung w\u00e4re f\u00fcr die G\u00fcltigkeit des Vertrags notwendig gewesen, argumentiert die Ostseestadt. Das ist aber wohl nur die Formalie im Vordergrund, die viele andere und den Streitenden wohl auch wichtigere Aspekte des Streits \u00fcberdeckt.<\/p>\n<h3>(M\u00f6glicherweise) grunds\u00e4tzliche Fragen<\/h3>\n<p>Der Fall Gelsenkirchen vs. Rostock gibt vielleicht \u00fcber den konkreten Fall hinaus auch Anlass, einmal einige generell einige Fragen zu stellen, v\u00f6llig losgel\u00f6st vom bestehenden Vertrag der beiden St\u00e4dte und von seinem Zustandkommen. Es sind Fragen wie:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie weit d\u00fcrfen Einnahmen aus einer Hotelimmobilie und zu zahlender Pachtzins auseinanderklaffen, bevor ein Pachtvertrag als sittenwidrig bezeichnet werden kann?<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Inwieweit m\u00fcssen Investitionen des P\u00e4chters in die Immobilien-Entwicklung und in die Sanierung bei der Entscheidung ber\u00fccksichtigt werden, welche zu zahlende Pacht f\u00fcr diesen P\u00e4chter angemessen ist?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind Fragen, die beim anstehenden Urteil zum Hanse-Hotel in Rostock vielleicht nur eine Nebenrolle spielen. Aber das Gericht wird m\u00f6glicherweise das eine oder andere Wort zur Sache in seine Urteilsbegr\u00fcndung einflie\u00dfen lassen. Man darf gespannt sein. Das Urteil soll am siebten Dezember gef\u00e4llt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Rostock-Warnem\u00fcnde steht das Best Western Hanse Hotel Warnem\u00fcnde. 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