{"id":1454,"date":"2012-12-21T16:43:09","date_gmt":"2012-12-21T16:43:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=1454"},"modified":"2020-11-18T16:47:53","modified_gmt":"2020-11-18T16:47:53","slug":"alteingesessene-und-partygaste-in-berlins-wrangelkiez","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/alteingesessene-und-partygaste-in-berlins-wrangelkiez","title":{"rendered":"Alteingesessene und Partyg\u00e4ste in Berlins Wrangelkiez"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Der Wrangelkiez im Berliner Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Wohngebiet, irgendwie immer noch. Zugleich hat sich das Berliner Stadtquartier aber l\u00e4ngst auch zu einem Szene- und Partytreff der Hauptstadt entwickelt. Nicht jeder ist dar\u00fcber erfreut. Manch einer sieht den Charakter des Wrangelkiez l\u00e4ngst gef\u00e4hrdet und hat dabei eine Reihe von Politikern auf seiner Seite. Geht es nach dem Willen der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, soll die Umwandlung von L\u00e4den in gastronomische Betriebe zuk\u00fcnftig einged\u00e4mmt werden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Kleine Geschichte des Wrangelkiez<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Geschichte des Wrangelkiez, das einst als Schlesisches Viertel bekannt war, l\u00e4sst sich bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcckverfolgen, w\u00e4hrend der Name \u201eWrangelkiez\u201c weitaus j\u00fcnger ist. Er stammt aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das ungef\u00e4hr 46 Hektar gro\u00dfe Areal liegt zwischen G\u00f6rlitzer Park, Schlesischem Tor und Spree. Berlin selbst beschreibt den Wrangelkiez als \u201eein hochverdichtetes, innenstadtnahes durch Blockrandbebauung gepr\u00e4gtes Quartier im S\u00fcden Kreuzbergs\u201c. Die Zahl der Bewohner betr\u00e4gt 12.400. Viele Bewohner sind jung und viele haben t\u00fcrkische Wurzeln. Das Quartier galt bis zur Wende als ruhig und abgeschieden und war gepr\u00e4gt von Wohnungen sowie kleinteiligem Gewerbe. F\u00fcr viele damalige Bewohner war das ein Grund, sich bewusst f\u00fcr das Quartier als Wohnort zu entscheiden, hei\u00dft es auf Wrangelkiez.de und weiter: K\u00fcnstler, Kreative und Studenten h\u00e4tten den Wrangelkiez damals mit Leben gef\u00fcllt. Nach der Wende begann sich der Wrangelkiez dann jedoch langsam, aber sicher zu ver\u00e4ndern. Und irgendwann im neuen Jahrtausend kamen dann in immer st\u00e4rkerem Ma\u00dfe die Touristen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Alteingesessene vermissen ihr altes Viertel<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Wrangelkiez ist heute ein In-Viertel Berlins mit vielen Clubs und Bars, die sich etwa an der Schlesischen Stra\u00dfe angesiedelt haben. Nicht jeder Alteingesessene begr\u00fc\u00dft das. Zum einen st\u00f6ren sie L\u00e4rm und M\u00fcllprobleme, die mit dem Auftreten der Touristen aufkamen oder sich zumindest verst\u00e4rkt haben. Mit politischer Unterst\u00fctzung begannen diejenigen, die sich gest\u00f6rt f\u00fchlten, zu wehren. Sie organisierten die Veranstaltung \u201eHilfe, die Touris kommen\u201c und lie\u00dfen Aufkleber drucken, die ihre negative Haltung gegen\u00fcber den Touristen deutlich machten. Allzu sehr schreckte das aber wohl niemanden ab. Hinzu kommt ein Problem, das wohl in allen Stadtquartieren auftritt, die einmal ein eher ruhiges Dasein gef\u00fchrt haben und pl\u00f6tzlich im Zentrum des Interesses vieler Menschen stehen. Sie wecken Begehrlichkeiten bei Menschen, denen das Treiben im neuen In-Viertel nichts ausmacht: im Gegenteil. Sie m\u00f6chten gerne dort wohnen, wo aus ihrer Sicht das Leben pulsiert und sie bringen im Vergleich zu den Alteingesessenen oftmals auch die volleren Portemonnaies mit. Als Folge steigen die Mieten. Das gilt auch f\u00fcr den Wrangelkiez. Er sei eine traditionell arme Gegend, wird der Stadtsoziologe Sigmar Gude vom Forschungsinstitut Topos in der Onlineausgabe der Berliner Zeitung vom 21. M\u00e4rz 2012 zitiert. Die Mieten seien jedoch deutlich gestiegen: von 4,90 Euro pro m\u00b2 im Jahr 2011 bis 6,60 Euro Ende M\u00e4rz 2012.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Ein Stopp f\u00fcr neue Kneipen?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Mittlerweile gibt es den anfangs erw\u00e4hnten Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg. Basis f\u00fcr den Beschluss ist Paragraf 15 der Baunutzungsverordnung f\u00fcr Allgemeine Wohngebiete. \u201eEr erm\u00f6glicht, Genehmigungen von Laden- oder Wohnfl\u00e4chen f\u00fcr Gastronomie dann zu untersagen, wenn der Charakter eines Wohngebietes gef\u00e4hrdet ist\u201c, schreibt \u201eDie Welt\u201c am 21. Dezember. Manch ein alteingesessener Bewohner des Wrangelkiez freut sich dar\u00fcber. Manch ein Club- und Kneipenbesitzer freut sich vielleicht auch, weil solch ein Beschluss eventuell daf\u00fcr sorgt, dass die Konkurrenzsituation zwischen Clubbesitzern nicht weiter versch\u00e4rft wird. Die generell eher negative Einstellung mancher langj\u00e4hriger Bewohner d\u00fcrfte ihnen jedoch weniger gefallen. Und so ist der Wrangelkiez vielleicht einfach ein weiteres Beispiel f\u00fcr die dynamische Entwicklung, die insbesondere eine Stadt wie Berlin kennzeichnet. Schlie\u00dflich war es zwar nicht erst gestern, ist aber auch noch keine Ewigkeit her, dass so manch ein Randbezirk Berlins sich pl\u00f6tzlich in der Mitte der Stadt wiederfand. So etwas ist immens spannend. Aber es birgt auch Konfliktpotenzial.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wrangelkiez im Berliner Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Wohngebiet, irgendwie immer noch. Zugleich hat sich das Berliner Stadtquartier aber l\u00e4ngst auch zu einem Szene- und Partytreff der Hauptstadt entwickelt. 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