{"id":1524,"date":"2013-03-11T09:56:00","date_gmt":"2013-03-11T09:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=1524"},"modified":"2020-11-18T16:25:25","modified_gmt":"2020-11-18T16:25:25","slug":"berlin-die-east-side-gallery-und-entwirrte-verwirrungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/berlin-die-east-side-gallery-und-entwirrte-verwirrungen","title":{"rendered":"Berlin, die East Side Gallery und entwirrte Verwirrungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Es wird gestritten um die <a href=\"http:\/\/www.eastsidegallery-berlin.de\/\">East Side Gallery<\/a>. Es wird sogar heftig gestritten. \u00dcber 6.000 Berliner haben protestiert. Das l\u00e4ngste noch existierende zusammenh\u00e4ngende St\u00fcck <a href=\"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/immobiliengutachter-in-der-bundeshauptstadt-berlin\">Mauer in Berlin<\/a>, das Freiluftkunstwerk sollte durchbrochen werden. Ein 22 Meter gro\u00dfer Durchbruch sollte entstehen, aus Sicht vieler Protestierender nur, um den Weg von und zu Luxuswohnungen freizugeben, die bisher alleine in der Planung existieren. Dabei ging es beim Mauerdurchbruch doch eher um eine Br\u00fccke? Und im Mittelpunkt des Streits steht auch gar nicht die East Side Gallery, sondern jenes Hochhaus mit den Luxuswohnungen? F\u00fcr Nichtberliner sind die Fragen rund um den Protest etwas verwirrend. Entwirren wird die Sache doch einfach etwas.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Die East Side Gallery (vielleicht nur Nebenakteur)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eIn Berlin soll ein Teil der ber\u00fchmten East Side Gallery aus der Mauer gerissen und etwas versetzt wieder aufgebaut werden\u201c, zitiert die Zeitung \u201eDie Welt\u201c Franz Schulz, den Bezirksb\u00fcrgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, am 22. Februar 2013. Die \u201eEast Side Gallery\u201c ist 1,3 Kilometer lang, ein von insgesamt 118 K\u00fcnstlern aus aller Welt bemaltes St\u00fcck der ehemaligen (Hinter-)Mauer, die einst Ost- von Westberlin getrennt hat. Die Medienmitteilungen, warum der aktuelle Mauerdurchbruch geplant war, sind etwas widerspr\u00fcchlich. Die einen schreiben, dass der Durchbruch alleine wegen der als Fu\u00dfg\u00e4nger- und Radfahrerbr\u00fccke geplanten Brommybr\u00fccke \u00fcber die Spree realisiert werden sollte, w\u00e4hrend die anderen das zwischen der East Side Gallery und der Spree geplante Hochhaus UND die Br\u00fccke als Gr\u00fcnde nennen. Dass die Br\u00fccke f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger und Radfahrer gebaut werden soll und nicht f\u00fcr Autos, war ein Ergebnis des B\u00fcrgerentscheids \u201eSpreeufer f\u00fcr alle!\u201c im Jahr 2008. Fakt scheint zu sein: Auch wenn der eigentliche Grund f\u00fcr den Durchbruch durch die \u201eEast Side Gallery\u201c nur die Br\u00fccke gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte der Durchbruch wohl auch dem Hochhaus gedient.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Die Sache mit dem Hochhaus (stiller Hauptakteur)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Hochhauspl\u00e4ne stammen bereits aus dem Jahr 1992, als ein Entwurf f\u00fcr das Hochhaus auf dem Todesstreifen mitsamt 120 Meter langem Geb\u00e4uderiegel und zehn Stadth\u00e4usern siegreich aus dem st\u00e4dtebaulichen Wettbewerbsverfahren &#8222;Hauptbahnhof&#8220; (heute Ostbahnhof)&nbsp; hervorging. So hei\u00dft es in einer Chronologie der Ereignisse rund um die Baupl\u00e4ne, die von Mitgliedern der BVV-Fraktion von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen Friedrichshain-Kreuzberg zusammengestellt wurde. Die Pl\u00e4ne zu den zehn Stadth\u00e4usern sind inzwischen vom Tisch. F\u00fcr das Hochhaus und den Geb\u00e4uderiegel gab es im Jahr 2000 einen positiven Bauvorbescheid. Eine Baugenehmigung f\u00fcr das Hochhaus existiert seit Juni 2008. Als die Plangew\u00e4hrleistungsfrist f\u00fcr die Baupl\u00e4ne im August 2012 ablief, wurde der Versuch gestartet, die f\u00fcr den Bau vorgesehenen Grundst\u00fccke als Gr\u00fcnfl\u00e4chen auszuweisen. Der Besitzer des f\u00fcrs Hochhaus vorgesehene Grundst\u00fcck zeigte Bereitschaft, das Grundst\u00fcck zu verkaufen oder sich auf einen Grundst\u00fcckstausch einzulassen. Damit w\u00e4re das zu diesem Zeitpunkt vom Unternehmen Stofanel unter dem Namen East Side Towers\u201c geplante 18-geschossige Hochhaus am geplanten Standort Geschichte gewesen. Diese L\u00f6sung war allerdings nicht ohne den Senat zu realisierbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Senat gab im November 2012 bekannt, dass er sich weder finanziell noch durch Bereitstellung von Austauschgrundst\u00fccken an den Pl\u00e4nen f\u00fcr eine Alternativnutzung des Grundst\u00fccks beteiligt. Im Anschluss kam es zum Grundst\u00fccksverkauf durch den Eigent\u00fcmer an die CIC Group, die die Pl\u00e4ne rund um den Hochhausbau weiter verfolgt. Das benachbarte Grundst\u00fcck, auf dem irgendwann der Geb\u00e4uderiegel entstehen soll, geh\u00f6rt weiterhin einem israelischen Konsortium. Die mehrfach verl\u00e4ngerte Baugenehmigung f\u00fcrs Hochhaus gilt aktuell noch bis zum Juni 2013. Falls bis dahin Bauarbeiten begonnen werden und die <a href=\"http:\/\/www.cic-invest.de\/\">CIC Group<\/a> eine Baubeginnsanzeige macht, gilt die Baugenehmigung als realisiert.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Die Sache mit der Mauer\u00f6ffnung (der Konflikt)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Aufgrund eines \u201edringenden Gesamtinteresses Berlins\u201c schaltete sich die Senatsverwaltung f\u00fcr Stadtentwicklung im Jahr 2000 in die Bauvorbescheidung f\u00fcr das Hochhaus und den Geb\u00e4uderiegel ein und wies das Bezirksamt Friedrichshain an, positiv zu bescheiden, berichten die Gr\u00fcnen in ihrer Chronologie. Bereits damals hie\u00df es: \u201eDie East Side Gallery soll im Rahmen des Bauvorhabens punktuell mit \u00d6ffnungen versehen werden.\u201c Zustimmung f\u00fcr diese Pl\u00e4ne kam auch vom Landesdenkmalamt. Zuletzt hatte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg Anfang 2013 eine Genehmigung f\u00fcr den Mauerdurchbruch erteilt. Aus Sicht der Gr\u00fcnen war das ein Muss. \u201eDie Genehmigung f\u00fcr die \u00d6ffnung der Mauer musste das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg erteilen, weil der Bauherr ein Recht auf verkehrliche Erschlie\u00dfung hat und&nbsp; die Stelle und das Ausma\u00df der \u00d6ffnung so im Bebauungsplan festgehalten ist (auch wegen der geplanten Brommybr\u00fccke)\u201c, hei\u00dft es dazu in der Chronologie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Bezug auf die Br\u00fccke kann sich die Bezirksvertretung mittlerweile auch einen kompletten Verzicht vorstellen, sodass es dann bei der L\u00f6sungssuche mit Mauer\u00f6ffnung nur noch um das Hochhaus und den benachbarten Geb\u00e4uderiegel ginge. Alternative Anschl\u00fcsse der Br\u00fccke sind ebenfalls im Gespr\u00e4ch. J\u00fcngste in die Diskussion gebrachte L\u00f6sungsm\u00f6glichkeit: Es wird ein bereits vorhandener Durchbruch durch die East Side Gallery am Grundst\u00fcck genutzt, auf dem der Geb\u00e4uderiegel entstehen soll. Der Durchbruch wird auf elf Meter Breite erweitert und das Hochhaus wird dann ebenfalls \u00fcber diese \u00d6ffnung an das Stra\u00dfennetz angeschlossen. Das setzt eine Einigung der beiden unterschiedlichen Investoren voraus. Aber auch gegen diese Pl\u00e4ne regt sich bereits Widerstand. Letztlich zeigt sich: Es geht gar nicht um die East Side Gallery alleine.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Das eigentliche Thema hei\u00dft nicht \u201eEast Side Gallery\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00d6ffnungen der East Side Gallery hat es bereits einige gegeben, etwa f\u00fcr eine Strandbar oder die O2-Arena, bisher ohne gro\u00dfen Protest. Als die Bauarbeiten zur \u00d6ffnung der East Side Gallery f\u00fcr Hochhaus und die Br\u00fccke begannen, protestierten jedoch \u00fcber 6.000 Menschen. Und das weckte internationales Medieninteresse, f\u00fchrt zu einem Aufmacher in der &#8222;New York Times&#8220;, zu Berichten von Medien wie BBC, &#8222;Washington Post&#8220; und &#8222;Los Angeles Times&#8220;. Was ist dieses Mal anders als die Male davor? M\u00f6gliche Antwort: Es geht dieses Mal nicht nur oder vor allem um die East Side Gallery, sondern auch um das Wohnhaus mit Luxuswohnungen. Vielleicht ist es die Angst von Menschen vor Verdr\u00e4ngung aus Wohnvierteln, in denen sie eventuell seit Jahrzehnten leben, die Protestierende auf die Stra\u00dfe treibt, selbst wenn es sich um eine Bebauung eines bisher unbebauten Grundst\u00fccks handelt und nicht um ein Projekt in einem Viertel mit angestammter Bev\u00f6lkerung? Vielleicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es geht vielleicht generell um die Angst, verdr\u00e4ngt zu werden, nicht nur r\u00e4umlich, sondern auch dar\u00fcber hinaus: an den Rand der Stadt UND an den Rand der Gesellschaft. Und die, die protestieren, sind (auch) jene mit solch einer Angst und jene, die solch eine Angst nicht haben, aber sie verstehen k\u00f6nnen und sich solidarisch zeigen. M\u00f6glicherweise ist das Wort \u201eLuxuswohnung\u201c f\u00fcr viele Berliner mit weniger prall gef\u00fcllten Portmonees generell zum Reizwort geworden und vielleicht w\u00e4re der Protest viel leiser gewesen, wenn es sich um \u201enormale\u201c Wohnungen gehandelt h\u00e4tte? Auch hier ein \u201eVielleicht\u201c. Ist das dann Neid? Oder ein berechtigtes Missfallen alteingessener Berliner? Diese Fragen sind die eine Seite der Medaille, wobei die Suche nach Antworten auf die Fragen, wie viel m\u00f6gliche Verdr\u00e4ngung Alteingessener akzeptabel ist und wann und wie gegengesteuert werden sollte, den Rahmen dieses Artikels sicherlich sprengen w\u00fcrde. Lassen wir sie also beiseite.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify\">Irgendwann muss Planungssicherheit herrschen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify\">Die andere Seite ist die Frage rund um Planungssicherheit: Welche Entscheidungen nun auch immer getroffen werden. Sie sollten auch dazu f\u00fchren, dass Investoren k\u00fcnftig eine sichere Basis f\u00fcr ihre Pl\u00e4ne bekommen. Das bedeutet: Eventuelle Kompromisse, die jetzt gefunden werden, sollten m\u00f6glichst vom beherzten \u201eja\u201c aller Beteiligten getragen werden. B\u00fcrger haben ein Anrecht darauf, an der Gestaltung ihrer Stadt beteiligt zu werden. Aber Investoren haben auch ein Anrecht darauf, irgendwann zu wissen, was sie bauen d\u00fcrfen und was nicht. Alles andere w\u00e4re nicht fair und letztlich nicht nur schlecht f\u00fcr Investoren, sondern auch f\u00fcr Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird gestritten um die East Side Gallery. 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