{"id":1586,"date":"2013-07-01T13:43:24","date_gmt":"2013-07-01T13:43:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=1586"},"modified":"2020-11-18T16:01:10","modified_gmt":"2020-11-18T16:01:10","slug":"eigenheimkauf-und-verkauf-konnen-studien-lugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/eigenheimkauf-und-verkauf-konnen-studien-lugen","title":{"rendered":"Eigenheimkauf und -verkauf: K\u00f6nnen Studien l\u00fcgen?"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Eigentlich sollte dieser Artikel einer mit Antworten auf die Frage sein, wie stark die beiden Faktoren &#8222;Verstand&#8220; und &#8222;Gef\u00fchl&#8220; bei Transaktionen von Wohnimmobilien wirken. Wird vielleicht einer der beiden Faktoren untersch\u00e4tzt? &#8222;Ja&#8220; w\u00fcrde wohl die von der <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Immobilien Scout GmbH<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"> verantwortete Transparenzoffensive der Immobilienwirtschaft antworten. Zumindest bei der Preisermittlung f\u00fcr eine Immobilien <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">wurden emotionale Faktoren bisher NICHT ber\u00fccksichtigt, hei\u00dft es auf der Internetseite der Offensive in einer Meldung zu einer neuen Untersuchung der Technischen Universit\u00e4t Kaiserslautern. Die Studie belegt laut Transparenzoffensive: &#8222;Emotionale Faktoren beeinflussen Immobilienpreise \u2013 v.a. im Bereich der Wohnimmobilien.&#8220; Aber ist dieser Beleg durch die Studie wirklich gegeben? Wissenschaftlich durchgef\u00fchrte Studien l\u00fcgen eigentlich nicht: auch diese nicht. Probleme machen allerdings bisweilen die Interpretationen des erhobenen Zahlenmaterials. Dar\u00fcber sollten wir vielleicht reden. Und so ist dieser Artikel eventuell doch eher einer zum Thema Studien und Interpretationen geworden? Vielleicht ja!<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<h3>Die Studie und die (vergebliche?) Suche nach Emotionen<\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8222;Studie zeigt: Menschliches Verhalten wird bei Immobilientransaktionen bislang untersch\u00e4tzt&#8220; hei\u00dft der Titel der am siebten Juni 2013 auf Transparenzoffensive.net ver\u00f6ffentlichten Meldung. &#8222;Studie zeigt: Auch emotionale Faktoren beeinflussen Immobilienpreise&#8220; ist dagegen die \u00dcberschrift der Pressemitteilung, die die Immobilien Scout GmbH am 25. Juni auf &#8222;Immobilienscout24.de&#8220; publiziert hat. Beide Meldungen beziehen sich auf die Untersuchung der TU Kaiserslautern, f\u00fcr die laut Immobilien Scout \u00fcber 400 Kunden des Immobilienportals befragt wurden. Zun\u00e4chst einmal f\u00e4llt auf, dass das &#8222;menschliche Verhalten&#8220; in \u00dcberschrift 1 in \u00dcberschrift 2 den &#8222;Emotionen&#8220; gewichen ist. Synonyme sind \u201emenschliches Verhalten\u201c und \u201eEmotionen\u201c sicherlich nicht. Schlie\u00dflich kann menschliches Verhalten zwar durchaus emotional, aber eben auch vom Verstand gesteuert sein. Dass menschliches Verhalten Immobilientransaktionen beeinflusst, hei\u00dft daher nicht zwangsl\u00e4ufig, dass Emotionen Immobilientransaktionen beeinflussen. Bleiben wir noch bei der PR der Immobilien Scout GmbH.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><i>&#8222;Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass sich Privatpersonen bei Immobilientransaktionen st\u00e4rker von emotionalen Faktoren leiten lassen. So wird von Privaten der Objektzustand auf einer Skala von 1 bis 5 (gut bis schlecht) im Schnitt mit 2,1 deutlich positiver gesehen als von professionellen Immobilienmaklern (2,5)&#8220;<\/i><\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"> hei\u00dft es dort. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">So ganz \u00fcberzeugend klingt die Interpretation der Fakten allerdings nicht. Kann man wirklich aus der positiveren Beurteilung des Objektzustands durch (verkaufende) Privatpersonen auf eine st\u00e4rkere Emotionalit\u00e4t im Vergleich zu Maklern schlie\u00dfen? Es mag durchaus eine gewisse Wahrscheinlichkeit existieren, dass die emotionale Bindung von Immobilienbesitzern an ihre Immobilie zu ihrem in der Studie festgestellten positiveren Urteil gef\u00fchrt hat. Ein gesicherter und zweifelsfreier Schluss existiert aus unserer Sicht allerdings nicht. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"><b>Die weitere Suche nach Emotionen<\/b><\/span><\/span><\/span><\/span><\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Sucht man nach weiteren ver\u00f6ffentlichten Studienergebnissen, die die Bedeutung von Emotionalit\u00e4t bei Immobilientransaktionen belegen, st\u00f6\u00dft man in der PR von Immobilien Scout auf die folgende Aussage:<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\"><i>&#8222;Aufgrund der emotionalen Bindung und der geringeren Marktkenntnis legen Privatverk\u00e4ufer oft zu hohe, nicht am Markt realisierbare Angebotspreise fest. Aufgrund dieser hohen Preiserwartungen m\u00fcssen diese dann sp\u00fcrbare Abschl\u00e4ge von ihrem urspr\u00fcnglichen Preis in Kauf nehmen. Makler legen hier deutlich realistischere Angebotspreise fest.&#8220;<\/i><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Schaut man sich das englischsprachige wissenschaftliche Paper zur Studie an, wirkt es allerdings wiederum so, dass das Zahlenmaterial die Aussage NICHT zweifelsfrei belegt, dass Privatverk\u00e4ufer Preise zu hoch ansetzen, sondern dass es nur eine begr\u00fcndete Annahme zul\u00e4sst. Daher l\u00e4sst sich dann auch die Aussage nicht belegen, dass Privatverk\u00e4ufer zu hohe Immobilienpreise &#8222;a<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">ufgrund der emotionalen Bindung&#8220; ansetzen. Andere <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Ergebnisse der Studie wie etwa die Erkenntnis, dass die <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">befragten Makler &#8222;ihre Objekte \u00fcber mehrere (im Durchschnitt knapp vier) Kan\u00e4le bewerben&#8220;, w\u00e4hrend die Privatverk\u00e4ufer durchschnittlich auf nur etwa eineinhalb Kan\u00e4le setzen, haben aus unserer Sicht praktisch keine Relevanz f\u00fcr die Frage, wie sehr Emotionen in Eigenheimk\u00e4ufe und -verk\u00e4ufe hineinwirken. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #000000\">Und wo sind jetzt die Emotionen? <\/span><\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000080\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">Wir sind nicht v\u00f6llig sicher, aber letztlich pr\u00e4sentiert die Studie aus unserer Sicht kaum schl\u00fcssige Indizien f\u00fcr die Bedeutung der Emotionalit\u00e4t bei Immobilientransaktionen. Der Fehler kann allerdings auch beim Autor dieses Artikels liegen, der vorhandene schl\u00fcssige Interpretationen des vorhandenen Zahlenmaterials nicht erkannt hat. Sollte das nicht der Fall sein: Hei\u00dft das dann, dass Emotionen keine Bedeutung besitzen? Sicherlich nicht. Die Liebe zu einem Haus, eine spontane Abneigung \u2013 all das kann mit Sicherheit Immobilientransaktionen ebenso wie die Preisfindung bei derartigen Transaktionen beeinflussen. Emotionen k\u00f6nnen wohl auch dazu f\u00fchren, dass Immobilienverk\u00e4ufer den Preis f\u00fcr ihr &#8222;geliebtes Haus&#8220; zu hoch ansetzen. Nur der Beleg durch die Studie scheint uns zu fehlen. Und so bleibt einmal mehr die Erkenntnis, dass Zahlen und Interpretationen einer Studie zwei verschiedene Dinge sind und dass man genau darauf achten sollte, ob Interpretationen durch das vorhandene Zahlenmaterial wirklich belegt sind oder nicht. Und damit \u2026 wollen wir diesen Artikel dann auch enden.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte dieser Artikel einer mit Antworten auf die Frage sein, wie stark die beiden Faktoren &#8222;Verstand&#8220; und &#8222;Gef\u00fchl&#8220; bei Transaktionen von Wohnimmobilien wirken. Wird vielleicht einer der beiden Faktoren untersch\u00e4tzt? &#8222;Ja&#8220; w\u00fcrde wohl die von der Immobilien Scout GmbH verantwortete Transparenzoffensive der Immobilienwirtschaft antworten. 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