{"id":1605,"date":"2013-07-28T07:08:39","date_gmt":"2013-07-28T07:08:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=1605"},"modified":"2020-11-18T15:55:58","modified_gmt":"2020-11-18T15:55:58","slug":"bertelsmann-studie-was-ist-denn-da-in-jenadeutschland-los","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/bertelsmann-studie-was-ist-denn-da-in-jenadeutschland-los","title":{"rendered":"Bertelsmann-Studie: Was ist denn da in Jena\/Deutschland los?"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\">Die Miete l\u00e4sst \u00e4rmeren Familien in vielen gro\u00dfen St\u00e4dten Deutschlands f\u00fcrs Leben nicht einmal den SGB-II-Regelsatz von 1.169 Euro\/Monat. Diese Kernaussage stammt aus der Studie \u201eWohnungsangebot f\u00fcr arme Familien in Gro\u00dfst\u00e4dten\u201c, die j\u00fcngst von vielen Medien zitiert wurde. Im Auftrag der <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/\">Bertelsmann-Stiftung<\/a> haben die Studienautoren unter anderem die Wohnkosten und das Wohnungsangebot f\u00fcr Familien mit niedrigem, teils auch mittlerem Einkommen in den bundesweit 100 einwohnerst\u00e4rksten St\u00e4dten analysiert. Die Studie offenbart nicht alleine, wie sehr Mietkosten in Gro\u00dfst\u00e4dten mittlerweile das zur Verf\u00fcgung stehende Geld derer reduzieren, die keine sonderlich hohen Eink\u00fcnfte generieren. Auch f\u00fcr die auf st\u00e4dtischen M\u00e4rkten bereits l\u00e4nger beobachteten Verdr\u00e4ngungstendenzen \u00e4rmerer Bev\u00f6lkerungsschichten aus der Innenstadt und f\u00fcr die Konzentration (relativ) preisg\u00fcnstigen Wohnraums auf wenige Viertel bietet die Studie Indizien. Einige der Daten, die sie pr\u00e4sentiert, zeigt ein Blick auf die <a href=\"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/immobiliengutachter-jena\">Stadt Jena<\/a>, die teils eine besonders ung\u00fcnstige Wohnsituation f\u00fcr Einkommensschwache zu bieten scheint.<\/p>\n<h3>Die Situation in Jena<\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\">Jena ist Gro\u00dfstadt im <a href=\"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/immobiliengutachter-thueringen\">Th\u00fcringer Kreis<\/a>, hat knapp 107.000 Einwohner (Stand Ende 2012), ist Standort einer Universit\u00e4t, zudem bekannt als Lichtstadt sowie als Stadt der optischen Industrie. Betrachtet man die Zahlen der Bertelsmann-Studie, scheint Jena auch eine Stadt zu sein, die einkommensschwachen Familien die Suche nach f\u00fcr sie finanzierbarem Wohnraum schwermacht. Laut Studie bleiben einer 4-k\u00f6pfigen einkommensschwachen Familie in Jena nach Abzug der Miete nur 666 Euro pro Monat. Jena bildet damit das Schlusslicht. Zur Berechnung der Zahl wird einerseits von einer Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern im Alter unter 14 Jahren ausgegangen, deren Einkommen auf der lokalen Armutsschwelle liegt. Als \u201earm\u201c wird eine Familie definiert, die \u201e\u00fcber weniger als 60 Prozent des orts\u00fcblichen \u00c4quivalenzeinkommens\u201c verf\u00fcgt. In Jena liegt die Armutsschwelle laut Studie bei 1.366 Euro pro Monat.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Andererseits haben die Studienautoren eine Durchschnittsmiete der f\u00fcr Familien geeigneten Wohnangebote im unteren Preissegment errechnet. Als ein f\u00fcr Familien geeigneter Wohnraum wurde Wohnraum mit einer Mindestgr\u00f6\u00dfe von 75 m\u00b2 und drei Zimmern festgelegt. Die Durchschnittsmiete f\u00fcr den oben definierten Wohnraum liegt laut Studie in Jena bei 700 Euro pro Monat, Das bedeutet: Wer in Jena genau an der Armutsschwelle lebt, zahlt 51,2 Prozent seines Einkommens f\u00fcr die Miete und hat mit den verbleibenden 666 Euro pro Monat zugleich nur noch 43 Prozent des SGB-II-Regelsatzes von 1.169 Euro\/Monat zum Leben. Wenngleich Jena damit den Extrempol bildet, ist es keinesfalls die einzige Stadt, in der einkommensschwachen Familien nach Abzug der Miete weniger als der Regelsatz bleibt. In 60 von 100 ist die Lage so. Das ist erschreckend, soll aber nicht ganz ohne ein positiveres Beispiel bleiben. <a href=\"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/immobiliengutachter-heilbronn\">Heilbronn<\/a> bildet das andere Ende der Skala. Nach Abzug der Miete verbleiben \u00e4rmeren Familien hier 1.941 Euro\/Monat. Diese Summe liegt 66 Prozent \u00fcber dem SGB-II-Regelsatz.<\/p>\n<h3>Finanzierbare Angebote befinden sich eher au\u00dferhalb<\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\">Es gibt noch weitere Zahlen, die f\u00fcr einen Jenaer Wohnungsmarkt sprechen, der f\u00fcr einkommensschwache Familien eher schwierig ist. Laut Studie sind in Jena insgesamt 29 Prozent aller Wohnungsangebote f\u00fcr Familien geeignet (Durchschnitt in allen untersuchten St\u00e4dten: 43 Prozent). Geht man davon aus, dass die Wohnungskosten etwa ein Drittel der Gesamteinnahmen nicht \u00fcbersteigen sollten, w\u00e4ren von allen familientauglichen Jenaer Wohnungen nur sechs Prozent f\u00fcr Familien mit mittlerem Einkommen geeignet (Durchschnitt in allen untersuchten St\u00e4dten: 35 Prozent) und nur ein einziges Prozent k\u00e4me f\u00fcr einkommensschwache Familien in Betracht (Durchschnitt in allen untersuchten St\u00e4dten: 12 Prozent).<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Und noch zwei weitere Kennzahlen: die Konzentrations- und die Entfernungskennziffer. Einfach ausgedr\u00fcckt, gibt die Konzentrationskennziffer an, wie sehr sich der f\u00fcr Familien mit niedrigem bzw. mittlerem Einkommen finanzierbare Wohnraum auf wenige Wohnquartiere konzentriert. Die Werte schwanken zwischen einem Prozent (sehr hohe Konzentration) und 50 Prozent (gleiche Verteilung auf alle Wohnquartiere). F\u00fcr Jena ergibt sich bei Familien mit mittlerem Einkommen ein Wert von sechs Prozent, der deutlich n\u00e4her an der Konzentration als an der Gleichverteilung liegt. Der Referenzwert f\u00fcr alle untersuchten St\u00e4dte erreicht 15 Prozent. Bei Familien mit geringem Einkommen gibt es f\u00fcr Jena keine Konzentrationswerte; als Durchschnittswert f\u00fcr die Gesamtheit der untersuchten St\u00e4dte ergaben sich neun Prozent.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Entfernungskennziffer gibt an, in welchem Umkreis zwischen einem und 50 Kilometern um den Stadtmittelpunkt ein Prozent der Familien mit mittlerem Einkommen eine f\u00fcr sie bezahlbare Wohnung finden w\u00fcrden. F\u00fcr die Bezahlbarkeit gilt auch hier: Mietkosten sollten 1\/3 der Einnahmen nicht \u00fcbersteigen. Bei der Berechnung der Entfernungskennziffer wurden Familien mit mittlerem und nicht mit niedrigem Einkommen betrachtet, weil die Wohnraumversorgung f\u00fcr ein Prozent der \u00e4rmeren Familien selbst im Umkreis von 50-Kilometer ums Zentrum laut Studie in kaum einer Stadt-Zone gew\u00e4hrleistet ist. Ergebnisse f\u00fcr Jena: Legt man den Durchschnitt der Familieneinkommen ALLER Familien der Stadt zugrunde, so findet ein Prozent der Familien innerhalb von vier Kilometern rund ums Stadtzentrum eine finanzierbare Wohnung.Legt man allerdings nur das niedrigere Durchschnittseinkommen der Familien in der mittleren Einkommensgruppe zugrunde, liegt der Umkreis bereits bei 20 Kilometern. Beim Blick auf alle untersuchten St\u00e4dte sind es im Durchschnitt acht Kilometer.<\/p>\n<h3>Alles schlecht in Jena?<\/h3>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ist nun alles schlecht in Jena? Sicherlich nicht! Jena dient hier nur als ein Beispiel f\u00fcr das, was sich aus der Studie herauslesen l\u00e4sst, weil die Stadt bei einigen Kennziffern Schlusslicht gewesen ist. Dieser Artikel ist aber keiner, der m\u00f6gliche Fehler beim Wohnungsbau in Jena anprangert, weil er das nicht ohne eine Analyse kann, die den Rahmen eines Artikels deutlich \u00fcbersteigen w\u00fcrde. Es wird zahlreiche Einflussfaktoren geben, die zur Situation in der Stadt gef\u00fchrt haben und sicherlich sind auch l\u00e4ngst nicht alle in hohem Ma\u00dfe direkt von lokaler Politik beeinflussbar. Eine Mitverantwortung der Politik an der schwierigen Wohnsituation von Menschen mit geringerem Einkommen komplett auszuschlie\u00dfen, d\u00fcrfte der lokalen Politik aber wohl schwerfallen. Und dasselbe gilt wohl auch in anderen St\u00e4dten, in denen f\u00fcr Einkommensschwache bezahlbarer Wohnraum fehlt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Studie sagt nichts dar\u00fcber aus, wie sehr Umgebung, Stadtbild sowie Angebote in Bereichen wie Nahversorgung, Bildung und Kultur in Jena Chancen auf eine hohe Lebensqualit\u00e4t bieten, wenn die Finanzierbarkeit von Wohnraum kein Problem darstellt. Anders ausgedr\u00fcckt: Sie sagt nichts dar\u00fcber aus, inwieweit Jena ganz allgemein ein attraktiver Wohnort ist. Aber sie eignet sich wohl als ein klares Indiz daf\u00fcr, dass ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum f\u00fcr Einkommensschwache deutlich mehr ist als eine Klage ohne jeden Grund. Und ganz grunds\u00e4tzlich \u2013 bezogen auf alle St\u00e4dte \u2013 stellt sich vielleicht auch die Frage, ob man nicht bisweilen zu viel \u00fcber architektonisch und \u00f6kologisch herausragende Wohnprojekte nachdenkt, die sinnvoll, gut und interessant sind, aber eine Klientel bedienen, die vielleicht bereits sehr gut bedient wird? Daraus ergibt sich dann auch die Frage, ob man nicht zu wenig von kreativen Wohnprojekten f\u00fcr Menschen mit niedrigem Einkommen liest, die ihren Bewohnern zwar nicht den Luxus der Projekte f\u00fcr reichere Bewohner bieten k\u00f6nnen, aber mit Kreativit\u00e4t vergleichsweise geringe Investitionen ein St\u00fcck weit kompensieren, um Wohnraum zu schaffen, der trotz einfacher Standards bezahlbare Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr seine Bewohner bietet.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Eine Onlinefassung der <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xbcr\/SID-F9DCC6CA-4FEAE59E\/bst\/xcms_bst_dms_38453_38454_2.pdf\">Studie<\/a> kann kostenlos im Internet abgerufen werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zus\u00e4tzlich gibt es eine Internetseite, auf der <a href=\"http:\/\/www.keck-atlas.de\/keck\/ueber-keck\/wissenschaftliche-infos\/veroeffentlichungen\/studien.html\">St\u00e4dteprofile<\/a> abrufbar sind, die auf Basis der Studienergebnisse entstanden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Miete l\u00e4sst \u00e4rmeren Familien in vielen gro\u00dfen St\u00e4dten Deutschlands f\u00fcrs Leben nicht einmal den SGB-II-Regelsatz von 1.169 Euro\/Monat. 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