{"id":44,"date":"2010-04-30T06:14:10","date_gmt":"2010-04-30T06:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=44"},"modified":"2020-11-19T16:27:40","modified_gmt":"2020-11-19T16:27:40","slug":"mietnomaden-draengendes-oder-aufgebauschtes-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/mietnomaden-draengendes-oder-aufgebauschtes-problem","title":{"rendered":"Mietnomaden \u2014 dr\u00e4ngendes oder aufgebauschtes Problem?"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal haben Begriffe Hochkonjunktur. Sie tauchen h\u00e4ufig in Medien auf und reizen zur Diskussion. \u201eMietnomadentum\u201c ist so ein Begriff. Wer als Vermieter auf Mietnomaden trifft, hat viel \u00c4rger am Hals. Der Verband der Makler, Sachverst\u00e4ndigen und Verwalter hat jetzt Vorschl\u00e4ge gemacht, wie dieser \u00c4rger reduziert werden k\u00f6nnte. Nach Ansicht des Deutschen Mieterbundes schie\u00dfen die Makler damit aber weit \u00fcbers Ziel hinaus. Mietnomadentum wird wohl auch in Zukunft ein hei\u00df umstrittenes Thema bleiben.<\/p>\n<h3><strong>Ein paar Zahlen<\/strong><\/h3>\n<p>J\u00e4hrlich 2,2 Milliarden Euro sollen Mieter ihren Vermietern in Deutschland schulden. Das sch\u00e4tzt die Eigent\u00fcmer-Schutzgemeinschaft Haus und Grund. Der Deutsche Mieterbund kontert, h\u00e4lt die Zahl f\u00fcr nicht abgesichert und setzt ihr die Zahl von 140 Milliarden Euro gegen\u00fcber, die Mieter an die Vermieter pro Jahr zahlen. Jene Ausf\u00e4lle, von denen die Eigent\u00fcmer-Schutzgemeinschaft spricht, w\u00e4ren dann knapp 1,6 Prozent des bezahlten Betrags. Das relativiert die 2,2 Milliarden Euro nat\u00fcrlich, was allerdings denjenigen Vermieter wenig interessieren d\u00fcrfte, der von Mietnomadentum betroffen ist. Mietnomaden sollen f\u00fcr etwa 220 Millionen Euro Mietschulden pro Jahr verantwortlich sein.<\/p>\n<h3><strong>Mietnomaden in aller Munde<\/strong><\/h3>\n<p>Die Zahlenspiele zeigen die Problematik der Diskussion. Es bleibt ein wenig unklar, wie dr\u00e4ngend das Problem s\u00e4umiger Mieter und speziell der Mietnomaden wirklich ist. Als Mietnomaden werden Mieter bezeichnet, die Wohnungen von Anfang an mit der Absicht beziehen, keinerlei Miete zu zahlen. Sie sind zu so etwas wie Medienstars geworden, gro\u00dfe Magazine und TV-Formate berichten \u00fcber sie. Die Frage bleibt: Bauscht die Medienwelt hier ein Problem auf, das gr\u00f6\u00dfer gemacht wird, als es in Wirklichkeit ist? Oder haben wir es mit einer Tendenz zu tun, die Vermieter in Deutschland h\u00e4ufig f\u00fcrchten m\u00fcssen? Je nach Antwort und Interpretation von Zahlen, d\u00fcrften Vorschl\u00e4ge, wie man dem Mietnomadentum begegnet, unterschiedlich ausfallen.<\/p>\n<h3><strong>Ein paar (scheinbar?) sinnvolle Vorschl\u00e4ge<\/strong><\/h3>\n<p>Fakt ist wohl: Wer als Vermieter auf einen Mietnomaden trifft, hat bisweilen sehr schlechte Karten. Mit juristischen Tricks kann solch ein Mietnomade seinen Vermieter bis zu zwei Jahre hinhalten, ehe er ausziehen muss. Diese Zahl brachte Spiegel Online in einem Artikel vom M\u00e4rz 2009 ins Spiel. F\u00fcr manch einen Vermieter bedeutet so etwas den finanziellen Ruin; zumindest d\u00fcrfte extremer Stress \u2014 mitunter bis zum nervlichen Zusammenbruch \u2014 die Folge sein. J\u00fcngst hat sich deshalb der Verband der Makler, Sachverst\u00e4ndigen und Verwalter (IVD) mit Vorschl\u00e4gen zu Wort gemeldet, wie Vermieter im Kampf gegen Mietnomaden gest\u00e4rkt werden k\u00f6nnten. So sollen etwa K\u00fcndigungsfristen gek\u00fcrzt und bei Beziehern staatlicher Leistungen soll die Miete direkt aufs Konto des Vermieters gebucht werden. Ein weiterer Vorschlag: \u201eBei Zahlungsverzug, nicht gezahlter Mietkaution oder Mietschulden soll die R\u00e4umung der Wohnung durch einstweilige Verf\u00fcgung angeordnet werden k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<h3><strong>Was sagt der Mieterbund?<\/strong><\/h3>\n<p>Das klingt wie ein wirksames Instrument f\u00fcr Vermieter gegen Mietnomaden. Der Deutsche Mieterbund (DMB) sieht das anders und auch seine Argumentation ist nachvollziehbar: Er weist etwa bei dem hier letztgenanntem Vorschlag der Makler darauf hin, dass solche eine Regelung die Stellung aller Mieter verschlechtern w\u00fcrde. Die R\u00e4umung k\u00f6nne dann beispielsweise auch angeordnet werden, wenn Vermieter Zahlungsanspr\u00fcche stellen, die eventuell gar nicht gerechtfertigt sind: etwa bei Mietminderungen von Seiten der Mieter aufgrund von Wohnungsm\u00e4ngeln. Unterst\u00fctzung bekommt der DMB teils auch von Vermieterseite. So lehnt etwa der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. die Verk\u00fcrzung von K\u00fcndigungsfristen in einer Stellungnahme ab.<\/p>\n<h3>Die Suche nach dem Kompromiss<\/h3>\n<p>Kompromissbereitschaft zeigt der Deutsche Mieterbund beispielsweise beim Vorschlag der Makler, dass Gerichtsvollzieher einen R\u00e4umungstermin sp\u00e4testens zwei Monate nach Ende der R\u00e4umungsfrist ansetzen und durchf\u00fchren sollen. Das zeigt zumindest, dass beim Thema \u201eMietnomaden\u201c noch keine komplett verh\u00e4rteten Fronten existieren. Die Suche nach L\u00f6sungen f\u00fcr das Problem ist aber wohl noch nicht gefunden. Vielleicht ist Mietnomadentum ja ein dr\u00e4ngendes UND zugleich etwas aufgebauschtes Problem?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal haben Begriffe Hochkonjunktur. 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