{"id":699,"date":"2011-02-14T07:11:01","date_gmt":"2011-02-14T07:11:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/?p=699"},"modified":"2020-11-19T11:05:20","modified_gmt":"2020-11-19T11:05:20","slug":"plattenbau-im-osten-deutschlands-abriss-oder-sanierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirchner-immobilienbewertung.de\/blog\/plattenbau-im-osten-deutschlands-abriss-oder-sanierung","title":{"rendered":"Plattenbau im Osten Deutschlands \u2013 Abriss oder Sanierung?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Vergleich zu kalten, feuchten Altbauen seien Plattenbauten Luxus und innovativ gewesen, sagte der ehemalige DDR-Designer Rudolf Horn am achten Februar 2011 im auf der Online-Plattform \u201eNews.de\u201c ver\u00f6ffentlichten Interview. Mittlerweile wird diese Ansicht wohl eher selten vertreten und viele ostdeutsche Kommunen \u00fcberlegen, was sie mit den Plattenbauten auf ihrem Areal anfangen. Dort, wo die Bev\u00f6lkerung schwindet, werden Plattenbauten vor allem am Stadtrand gerne einmal abgerissen. <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst-und-architektur\/article131721723\/Was-wird-aus-Sachsens-Staedten-nach-der-Wahl.html\">Beim Stadtumbau Ost<\/a> scheinen sie oftmals fehl am Platze zu sein. Anderswo wird saniert und dar\u00fcber diskutiert, inwieweit Plattenbauten als typische Exemplare von Architektur in der ehemaligen DDR sch\u00fctzenswerte geschichtliche Denkm\u00e4ler sind.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Instrument gegen Wohnungsmangel<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Plattenbau ist keine DDR-Erfindung und auch keine Bauweise, die auf die ehemalige Deutsche Demokratische Republik beschr\u00e4nkt war. Und doch sind Plattenbauten in den K\u00f6pfen vieler Deutscher fester mit der DDR verbunden als mit jedem anderen noch existenten oder aufgel\u00f6sten Staat. Tats\u00e4chlich spielte die Plattenbauweise in der DDR eine wichtige Rolle. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte auch dort Wohnungsmangel und Plattenbauten waren f\u00fcr den ostdeutschen Staat die Antwort auf dieses Problem. Plattenbauten werden in erster Linie aus fertigen Betonbauteilen gebaut, aus Platten, die man direkt auf der Baustelle zum Haus montiert. Durch Individualit\u00e4t und architektonische Finesse haben sich viele dieser Bauten nicht ausgezeichnet. Dennoch scheinen sie das Grundbed\u00fcrfnis \u201eWohnen\u201c in der DDR zumindest zeitweise zufriedenstellend gedeckt zu haben. Versuchsfelder mit Plattenbauten entstanden bereits in den 50er Jahren, etwa in Hoyerswerda oder in Berlin-Johannisthal. Ab 1972 wurde der Plattenbau durch ein staatliches Wohnungsbauprogramm der DDR dann quasi offiziell zum Instrument im Kampf gegen Wohnungsmangel.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Beispiel Halle-Neustadt<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Teils wurden ganze St\u00e4dte wie das mittlerweile wieder in die Stadt Halle eingegliederte Halle-Neustadt in Plattenbauweise realisiert. Der Bau von Halle-Neustadt als Chemiearbeiterstadt begann 1963. 1967 wurde die geplante Arbeiterstadt zur eigenst\u00e4ndigen Stadt erkl\u00e4rt, noch bevor der erste Plattenbau fertig gestellt war. Halle-Neustadt blieb selbstst\u00e4ndig bis 1990. Seine Plattenbauten waren von viel Gr\u00fcn umgeben, was nicht f\u00fcr jede Plattenbausiedlung galt. Was fehlte, war und ist ein Stadtkern, sind attraktive \u00f6ffentliche R\u00e4ume, die Menschen reizen, Begegnung erm\u00f6glichen. Zeitweise lebten \u00fcber 90.000 Menschen in Halle-Neustadt, mittlerweile sind es weniger als 50.000. Teils wurde der Schwund mit Abriss von H\u00e4usern beantwortet. Eine neue Identit\u00e4t f\u00fcr das einstige Musterprojekt der DDR wird noch gesucht. Bilder von Neustadt-Halle werden seit Ende Januar 2011 auch in der Wanderausstellung \u201eDie Pr\u00e4gung der Stadt durch den Nachkriegsst\u00e4dtebau\u201c im Mitteldeutschen Multimediazentrum in Halle gezeigt. \u201eDie H\u00e4lfte der Wohnimmobilien in Deutschland sei nach 1945 entstanden\u201c, wird Falk Zeitler als Hallenser Landesvorsitzender des Bundes der Deutschen Architekten im Onlineportal der Mitteldeutschen Zeitung zitiert. \u201eViele Bewohner seien eng mit diesen Bauten verbunden.\u201c Das mag vielleicht auch f\u00fcr manch einen Plattenbau gelten?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Abriss in schrumpfenden St\u00e4dten<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch ist Abriss oftmals der eingeschlagene Weg bei diesen Bauwerken, um schrumpfende St\u00e4dte an neue Gegebenheiten anzupassen. Alleine in Sachsen sollen bis zum Jahr 2010 insgesamt etwa 100.000 Wohnungen abgerissen worden sein, sodass die Leerstandquote in Wohnbauten dort nach Medienangaben nur noch bei f\u00fcnf Prozent liegt. Weitere 150.000 abgerissene Wohnungen \u2013 vor allem in Plattenbau-Siedlungen \u2013 m\u00fcssen folgen, um dem Bev\u00f6lkerungsschwund Rechnung zu tragen, meint Sachsens Innenminister Markus Ulbig. Manch einer bedauert allerdings, dass bisweilen zu schnell abgerissen wird. In der schrumpfenden Stadt Frankfurt an der Oder formierte sich beispielsweise bereits 2008 Widerstand gegen die Abrisspolitik, weil vor allem \u00e4ltere Mieter nicht aus gewachsenen Strukturen herausgerissen werden wollten. Ebenfalls in der brandenburgischen Stadt entstand durch eine Initiative von Studenten aus einem bereits f\u00fcr den Abriss vorgesehenen Plattenbau das Verb\u00fcndungshaus Forst&#8220;, eine Mischung aus Mietshaus und multikulturellem Studentenwohnheim. Abriss bedeutet oftmals auch die Zerst\u00f6rung gewachsener Strukturen. Sie ist manchmal notwendig, sollte pauschal aber nicht immer erste Wahl sein?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Plattenbau \u2013 Pauschalurteile sind deplatziert<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was tun mit den ehemals gelobten Plattenbauten, von denen nicht nur Architekten viele heute eher f\u00fcr Baus\u00fcnden halten? Abrei\u00dfen mag tats\u00e4chlich dort eine L\u00f6sung sein, wo hohe Leerst\u00e4nde den Wandel einer Stadt n\u00f6tig machen. Anderswo scheint Sanieren die bessere Alternative zu sein. Dass sich das Image eines Betonklotzes dabei wegsanieren l\u00e4sst, hat sich beispielsweise bei einem Plauener City-Plattenbau gezeigt, den die Wohnungsbaugesellschaft Plauen derzeit saniert. Die alten Balkone wichen <a href=\"http:\/\/www.wintergarten-ratgeber.de\/\">Winterg\u00e4rten<\/a> mit Faltfenstern, Naturstein soll den Bau verkleiden und eine neue W\u00e4rmed\u00e4mmung wird es auch geben. Erstaunlich, wie sich so ein Plattenbau verwandeln kann. Es ist nicht unbedingt nur Ostalgie, sich hier und da f\u00fcr den Bestand einzusetzen. F\u00fcr manch einen geh\u00f6rt er zur selbst gelebten Geschichte. Das v\u00f6llig zu ignorieren, wirkt nicht wie eine gute L\u00f6sung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Vergleich zu kalten, feuchten Altbauen seien Plattenbauten Luxus und innovativ gewesen, sagte der ehemalige DDR-Designer Rudolf Horn am achten Februar 2011 im auf der Online-Plattform \u201eNews.de\u201c ver\u00f6ffentlichten Interview. Mittlerweile wird diese Ansicht wohl eher selten vertreten und viele ostdeutsche Kommunen \u00fcberlegen, was sie mit den Plattenbauten auf ihrem Areal anfangen. 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