Geht die Bundeswehr, kommen (nicht überall) die Probleme

31 Bundeswehrstandorte werden im Rahmen der Bundeswehrreform in Deutschland definitiv geschlossen. Die Nachricht, die in der vergangenen Woche die Medien erreicht hat, hat in manch einer betroffenen Gemeinde für Unruhe gesorgt. Frisch gebaute Infrastruktur wirkt dort nun überdimensioniert und Arbeitsplätze gehen verloren. Anderswo kann man gelassener mit dem Rückzug der Bundeswehr umgehen, weil bereits Pläne für die Nachnutzung des jeweiligen Areals vorliegen. Ändern wird sich wohl hier wie dort eine Menge.

Die Bestürzung in Sigmaringen

Mit großer Bestürzung habe man im Rathaus die Entscheidung des „Verteidigungsministers Thomas de Maiziere aufgenommen, die Graf-Stauffenberg-Kaserne zu schließen“, heißt es in den News der Stadt Sigmaringen. Das ist schnell verständlich. Die Stadt mit ihren etwas über 16.000 Einwohnern im gleichnamigen baden-württembergischen Landkreis wird nach Angaben des Südwestrundfunks SWR etwa 1.800 Arbeitsplätze verlieren. Die ersten sichtbaren Veränderungen in der Graf-Stauffenberg-Kaserne wird es Ende 2014 oder Anfang 2015 geben, schätzt Erhard Bühler, der Kommandeur der bisher hier stationierten 10. Panzerdivision. 2017 dürfte Sigmaringen dann eine Stadt ohne Bundeswehr sein.

Nicht nur Sigmaringen macht sich Sorgen

Probleme gibt’s auch anderswo: Unternehmer der Gemeinde Schwanewede in Niedersachsen nahe Bremen fürchten um verlorene Kaufkraft, wenn die Lützow-Kaserne auf dem Gemeindeareal schließt. Im nordrhein-westfälischen Kerpen wird die Boelcke-Kaserne aufgegeben, sodass 580 Bedienstete der Bundeswehr die Stadt verlassen. Viele werden mit ihren Familien fortgehen, sodass Kerpen mehrere Prozent seiner Bevölkerung verliert, zitiert der Kölner Stadtanzeiger den Ersten Beigeordneten von Kerpen Peter Knopp. In Meßstetten im Zollernalbkreis (Baden-Württemberg) wurden eine Sporthalle und zwei Kindergärten gebaut, die nach Schließung der dort ansässigen Kaserne angesichts schrumpfender Bevölkerungszahlen vielleicht gar nicht mehr notwendig sind. Und auch Stefan Bosse, Oberbürgermeister der bayerischen Stadt Kaufbeuren, spricht von einem katastrophalen Einschnitt für die Stadt und die Region.

„Wer ist schuld?“ führt nicht weiter

Man kann mit Sicherheit darüber streiten, inwieweit die Gemeinden, die der Rückzug der Bundeswehr besonders hart trifft, eine Mitschuld an den nun aufkommenden Problemen tragen. Hätte man früher Maßnahmen treffen können, um die schlimmsten Auswirkungen einer möglichen Zeit ohne Bundeswehr abzuwehren? Kaufbeuren ist bisher etwa als einzige kreisfreie Stadt der alten Bundesländer nicht an eine Autobahn angeschlossen. Das macht Kaufbeuren für Unternehmer nicht unbedingt attraktiver. Ein Versäumnis der Stadt? Die Suche nach Antworten auf Schuldfragen könnte wohl Monate ohne Ergebnis verlaufen und wäre wohl letztlich auch für die Zukunft nicht sinnvoll. In den Brunnen gefallene Kinder rettet man. Erst hinterher mag auch die Frage eine Rolle spielen, warum sie eigentlich in den Brunnen fielen.

Hilfen sind gefragt

Ehemalige Kasernen-Areale können auch Chancen bieten. Sie lassen sich zu Wohnungen umbauen oder für neue Gewerbegebiete nutzen. Aber was passiert, wenn die Bevölkerung in einer Region sowieso schwindet und niemand neue Wohnungen benötigt oder wenn die meisten Unternehmer keinen Sinn in einer möglichen Ansiedelung am Standort sehen? Städte und Gemeinden mit bald aufgegebenen Bundeswehr-Standorten in strukturschwachen Regionen haben es nun doppelt schwer. Ideen sind gefragt, Ideen und Geld. Geld soll vom Land und vom Bund kommen, fordern viele der Städte und Gemeinden. Lothar De Maizière hat zwar Hilfen angekündigt. Finanzielle Unterstützung soll vom Bund allerdings nur im Notfall kommen. Das Land Baden Württemberg hat derweil einen Lenkungsausschuss ins Leben gerufen, um Lösungen für die Nachbundeswehrzeit betroffener Städte und Gemeinden zu erarbeiten. Auch andere Bundesländer werden in diesem Sinn aktiv. Die Sorgenfalten dürfte das in einigen betroffenen Städten und Gemeinden erst einmal kaum reduzieren.

Immendingen fürchtet den Abzug nicht

Dass ein Bundeswehrabzug auch Chancen bedeutet, zeigt die Stadt Immendingen im baden-württembergischen Kreis Tuttlingen. Es ist wahrscheinlich, dass das Unternehmen Daimler auf dem Areal der Bundeswehr eine Teststrecke baut und neue Arbeitsplätze schafft. Bleibt zu hoffen, dass andere Städte und Gemeinden irgendwann ähnlich hoffnungsvolle Nachrichten verkünden können.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Karsten

    Während Lüneburg den Abbau bei der Bundeswehr immer gut und kreativ hinbekommen hat, mache ich mir um Orte wie Munster in der Lüneburger Heide schon eher Sorgen. Gerade in den eh schon schwächeren Regionen sind auf jeden Fall kreative Köpfe gefragt, um die BW-Abzüge aufzufangen.

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