Ex-NS-Ordensburg Vogelsang und Krimi-Hotel – passt (nicht?)

Bisweilen werden auch Hotels zum Politikum. Mit dem geplanten Krimi-Hotel auf dem Areal der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang in der nordrhein-westfälischen Eifel hat sich jüngst beispielsweise die Bundesregierung beschäftigt, da solch ein Hotel in einem ehemaligen Schulungszentrum für künftige Funktionäre der Nationalsozialisten von Teilen der Politik als geschmacklos bezeichnet wurde. Die Bundesregierung hat nun klargestellt, dass die Entscheidungsgewalt bei der Eifelgemeinde Schleiden liegt, auf dessen Gebiet sich die Ordensburg befindet. Über die Beurteilung des Projekts wird wohl noch ein bisschen gestritten werden.

Areal mit brauner Vergangenheit

Eins kann vielleicht ganz zu Beginn behauptet werden: Der Streit um das geplante Krimi-Hotel in Vogelsang ist ein Beleg dafür, dass die Frage nach einem Hotelstandort bisweilen weit über Themen wie Planungsrecht und Wirtschaftlichkeit hinausreicht und ethisch-moralische Fragen berührt. Die so genannte NS-Ordensburg in der Eifel wurde ab 1934 als „Reichsschulungslager Vogelsang“ gebaut, wobei sich ab 1935 der Name NS-Ordensburg durchsetzte. Unter anderem entstanden auf dem Areal die eigentliche Burg als Hauptgebäude, daneben Sportstätten und so genannte Kameradschafts- und Hundertschaftshäuser. Ab 1936 begann hier der Lehrbetrieb für die künftigen NS-Funktionäre. Zu Kriegsbeginn übernahm dann die Wehrmacht das Areal und im weiteren Kriegsverlauf wurde die Ordensburg für so genannte Adolf-Hitler-Schulen und als Wehrertüchtigungslager genutzt. Nach Kriegsende kamen zunächst die Engländer und anschließend ab 1950 die Belgier, die das Gelände als Kaserne und als Truppenübungsplatz nutzten. Seit 2006 ist die Anlage für die zivile Nutzung geöffnet.

Ein Hotel rund ums Thema „Krimi“

Vermarktet wird das etwa 50.000 Quadratmeter große Areal von der Standortentwicklungsgesellschaft (SEV) Vogelsang, deren Gesellschafter neben dem Land Nordrhein-Westfalen und den Kreisen der Region auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist. Mittlerweile gibt es ein Besucherzentrum, Führungen und Gastronomie auf dem Gelände, das landschaftlich reizvoll in den Nationalpark Eifel eingebettet ist. Bei der bisherigen Nutzung alleine soll es jedoch nicht bleiben. Die Entwicklungsgesellschaft sucht Investoren. Entstehen soll „ein natur-, kultur- und bildungstouristisches Zentrum europäischen Ranges“. Das klingt erst einmal nur bedingt nach dem passenden Umfeld für ein Krimi-Hotel. Genau solch ein Hotel möchte das Planungsbüro Ernst und Neuberger Consult aus der Eifel auf dem Gelände realisieren. Ursprünglich sollte das Drei- bis Vier-Sterne-Hotel mit 150 Betten für zwanzig Millionen Euro im Haus der ehemaligen belgischen Kaserne „van Dooren“ entstehen. Für das Hotel rechnete das Planungsbüro mit 50.000 Übernachtungen im Jahr, was eine durchschnittliche Belegung aller Zimmer an 333 Tagen pro Jahr bedeuten würde. 150 bis 200 neue Arbeitsplätze wurden in Aussicht gestellt. Das Krimi-Hotel sollte rund um das Thema „Krimi“ beispielsweise ein Kino, Seminare, eine Schauspielakademie sowie eine Bibliothek bieten und Ende 2012 eröffnen.

Kritik und die Suche nach Lösungen

Teils stieß das Projekt auf heftige Kritik: Die Idee eines Krimihotels auf einem Gelände, auf dem „vor gut 70 Jahren spätere Massenmörder“ unterrichtet worden seien, sei geschmacklos. So lautet eine der Aussagen in der Kleinen Anfrage, die die Bundesregierung jüngst beantwortet hat. Bewegung ist in die ganze Sache allerdings bereits zuvor gekommen. Zwischenzeitlich gab es Anzeichen dafür, dass sich die Standortentwickler unter Umständen auch ein Hotel mit Film- und Schauspielakademie vorstellen können, die sich nicht auf den Themenbereich „Krimi“ beschränkt. Auch ein anderer Standort auf dem Areal der Ordensburg ist in der Diskussion. Jüngst hieß es in den Medien allerdings, das Planungsbüro Ernst und Neuberger Consult würde sich das Projekt Krimi-Hotel nicht verwässern lassen wollen. Kurzum: Ganz Genaues weiß man nicht. Die Projektvorstellung auf der Internetseite des Planungsbüros wird derzeit jedenfalls überarbeitet und man darf gespannt sein, was kommt.

Warten auf eine Entscheidung

Was Entscheidungen angeht, ist jetzt wieder die Gemeinde Schleiden am Zuge. Deren Bürgermeister Ralf Hergarten hat bereits in den Medien geäußert, keine Probleme mit einem Krimi-Hotel auf dem Areal der ehemaligen NS-Ordensburg zu haben. Er brachte zugleich jedoch einen Beirat aus Experten wie Gesellschaftswissenschaftlern ins Gespräch, dem die Entscheidung „Krimi-Hotel ja oder nein“ überlassen werden könnte und dem er sich beugen werde. Eine Entscheidung soll nach Angaben der Aachener Zeitung bereits im Februar fallen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Günther

    Das Tauziehen rund um die Ordensburg ist ja nun schon einige Jahre im Gange. Es gibt auch einige Bürgermeinungen, die diese Einrichtung am liebsten komplett abreißen lassen würden. Wie dem auch sei – es dürfte schwierig werden einen Konsenz zu finden, der allen gerecht wird.

  2. Sven Kraatz

    Stoppt den Größenwahn auf der ehem. Ordensburg Vogelsang.
    Nutzt die vorhandene Bausubstanz und entwickelt diesen historischen Ort behutsam.
    Achtung Investoren: Investionsfalle Vogelsang, angebl. 1Mio Besucher d.h. pro Tag seit Öffnung 2006 500 Besucher.
    Fahrt im Winter mal dahin und zählt die „echten “ Besucher!
    Hier geht es nur um Profit für die Bima als Eigentümer und Profilierung von Provinzpolitikern die gerne Bändchen durchschneiden.
    Unterstützt unseren Protest gegen die neue Diktator in Vogelsang:
    http://www.Natur-Geschichte.de

  3. clio

    alles kalter Kaffee: das Hotelprojekt in Vogelsang ist seit Ende 2011 ad acta gelegt. Damit kann sich dann die „Kirchner, Binder & Kollegen Immobiliensachverständige“ zurückziehen – wenn Sie Interesse an NS-Immobilien haben, so schauen Sie sich besser in Ihrer Stadt um: rund um den Dutzendteich finden Sie sicherlich genügend Betätigungsfelder und nehmen am besten die Aachener Firma Aixplan mit in Ihr Boot: deren Geschäftsführer, Herr Albert Moritz, weist aktuell als Bauleiter und Geschäftsführer der vogelsang-ip.gGmbH sehr viel historische Erfahrung auf (einschließlich eigens rekrutierten Personals aus Waldführern, Journalisten wie Franz A. Heinen oder Hausfrauen und Polizisten), um Projekte wie die ehemalige NS-Kongresshalle auf dem sog. Reichsparteitagsgelände erfolgreich zu vermarkten – bis zur Ruinenreife und bis zur geschichtspolitischen Inwertsetzung der einzelnen Steine.

    Damit würden Sie im übrigen der gesamten bundesdeutschen Kultur einen Gefallen erweisen, insbesondere der Geschichtswissenschaft und der Erinnerungspolitik: schließlich ist ein Krimi-Hotel ganz im Sinne dieser Herren, und die Stadt Nürnberg würde sich über so viel kriminalisierte Aufmerksamkeit auf ihre Geschichte auch freuen. Sofern Sie von dieser Geschichte etwas verstehen, aber das überlasse ich Ihnen.

    clio

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