Einmal Berggruen für Karstadt — wer ist Berggruen?

8. Juni 2010
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Manchmal tauchen Menschen ins Licht der Öffentlichkeit, weil sie Castingshows oder Songcontest gewinnen. Andere werden das siebte Mal vom Blitz getroffen. Wiederum andere sind in Finanz- und Investorenkreisen und in einer an Wirtschaftsthemen interessierten Teilöffentlichkeit vielleicht längst bekannt, ohne dass die breite Öffentlichkeit von ihnen erfährt. Zu diesen Menschen gehört Nicolas Berggruen. Seit Montag (siebter Juni 2010) dürfte sein Bekanntheitsgrad allerdings deutlich gestiegen sein. Nicolas Berggruen ist der Investor, dessen Konzept von der Karstadt Gläubigerversammlung angenommen wurde. Das bedeutet: Nicolas Berggruen wird voraussichtlich neuer Eigentümer der traditionsreichen Warenhauskette und rettet sie damit vor der Zerschlagung. Vielleicht sollte man sich diesen Mann einmal näher anschauen?

Ein Vermögen auf Basis der Kunst

Nicolas Berggruen ist Milliardär. Auf der Forbes Liste der reichsten Menschen der Welt erreichte er 2009 Rang 397 mit einem Vermögen von 1,8 Milliarden US-Dollar. Sein Vater Heinz Berggruen war Autor, Journalist, vor allem aber bedeutender und reicher Kunstsammler und Mäzen, der etwa eng mit Pablo Picasso und Henri Matisse befreundet war. Seit 1996 steht in Berlin das Museum Berggruen. Ihm überließ Heinz Museum im Jahr 2000 eine Kunstsammlung mit einem geschätzten Wert von 750 Millionen Euro für 126 Millionen. Als Vater Berggruen 2007 starb, stand Angela Merkel ebenso am Grab wie der damalige Bundespräsident Horst Köhler. Viele weitere Prominente gaben ihm das Geleit.

Nicolas Berggruen — Investitionen in Werte

Sohn Nicolas hatte also beste Voraussetzungen für ein Jetset-Leben. Aber das war wohl nie sein Ding. Er machte sein eigenes Vermögen in der Finanzbranche. Das verengte seinen Blick aber nicht allein auf das gute Geschäft. „Was auch immer ich besitze, ist zeitlich begrenzt, da wir nur für eine kurze Zeitspanne auf dieser Welt sind. Es ist unsere Art zu handeln, es sind unsere Aktionen, die für immer wirken. Das ist der wirkliche Wert“, hat er einmal gesagt. Und Nicolas Berggruen handelte. Investitionen in Werte nennt er seine Investmentstrategien. Der Begriff „Werte“ ist hier nicht allein im materiellen Sinne zu verstehen: Ethanol-Plantagen in Oregon, Reis und Farmen in Kambodscha gehören ebenso zu Projekten, in die er Geld investiert, wie etwa neue Wolkenkratzer zur Neuentwicklung verarmter Stadtkerne. Nicolas Berggruen ist mit Berggruen Holdings Geschäftsmann. Und er versteht es, Gelder klug und gewinnbringend zu investieren. Aber er gehört zu den Geschäftsleuten, die dabei nicht alles Andere aus den Augen verlieren.

Der Retter von Karstadt

Nun scheint es so zu sein, als würde Nicolas Berggruen der Retter von Karstadt. Zuletzt waren neben ihm noch der deutsch-schwedische Investor Triton und ein Konsortium namens Highstreet im Rennen. Letzteres wurde von den Vermietern der Karstadtfilialen gebildet. Am späten Montag, den siebten Juni 2010, verkündete Karstadt-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg dann die Entscheidung zugunsten von Berggruen. Möglicherweise kam das Eckhard Cordes, dem Vorsitzenden der Metro AG, nicht ganz so recht. Wäre für Karstadt kein Investor gefunden worden, hätte man Karstadt zerschlagen und die Metro hätte sich eine Reihe der Karstadtfilialen gesichert. Die Gewerkschaft ver.di dürfte dagegen sehr zufrieden sein. Zu Nicolas Berggruens Konzept gehört die Erhaltung aller Arbeitsplätze bei Karstadt sowie der Traditionsmarke selbst. Unter anderem jüngere Mode soll Karstadt wieder auf Erfolgskurs führen.

Eine kleine Unsicherheit bleibt

Karstadt mit neuem Konzept könnte bestenfalls Magnetwirkung für viele Innenstädte in ganz Deutschland entfalten und auch viele Stadtentwickler aufatmen lassen. Am kommenden Mittwoch soll der Kaufvertrag unterschrieben werden. Hundertprozentig sicher ist es allerdings noch nicht, dass Nicolas Berggruen unterschreibt: Er fordert sinkende Mietlasten für die Karstadtfilialen. Das Vermieterkonsortium Highstreet verzichtet deshalb laut Medienberichten auf Mietsteigerungen in Höhe von 160 Millionen Euro und auf Mieteinnahmen in Höhe von 230 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren. Ob Berggruen das ausreicht, ist noch nicht völlig gewiss. Viele hoffen, dass aus Ungewissheit sehr schnell Gewissheit wird.

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