Ruhrgebiet 2011 – was bleibt vom Glanz?

Bleibt irgendetwas Nachhaltiges fürs Ruhrgebiet nach der Zeit als Kulturhauptstadt oder schwelgt die Region bald in Erinnerung an glorreiche Zeiten, während alte Probleme aus der Warteschleife treten und wieder zu Regenten werden? Im Städteranking 2010 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und des Magazins Wirtschaftswoche hat es für die Ruhrgebietsstädte Essen, Dortmund, Duisburg, Oberhausen und Gelsenkirchen jedenfalls wieder nur für hintere und hinterste Plätze auf der Liste mit den einhundert größten kreisfreien Städten Deutschlands gereicht. Andererseits meldet etwa die Zeitung „Der Westen“ für Duisburg, die Immobilien der Stadt seien „begehrt wie lange nicht mehr“. Ruhrgebiet 2011: Zeichen der Hoffnung oder doch eher eines weiteren Niedergangs?

Sonnige Nachrichten

5.600 Veranstaltungen mit etwa 10,5 Millionen Besuchern: Die von der Ruhr.2010 GmbH veröffentlichte Abschlussbilanz des Ruhrgebiets als Kulturhauptstadt Europas kann sich sehen lassen. Doch nun ist aus Ruhr 2010 Ruhr 2011 geworden und die Medienöffentlichkeit widmet sich verstärkt neuen Aktionen und Regionen. Immerhin: 61 Prozent der befragten Nordrhein-Westfalen in einer vom WDR-Kulturmagazin west.art in Auftrag gegebenen Infratest dimap Umfrage sahen eine fürs Ruhrgebiet Identität stiftende Wirkung des Jahres als Kulturhauptstadt. Finanziell wird das Ruhrgebiet nach Aussage des Co-Geschäftsführers der Ruhr.2010 GmbH, Oliver Scheytt, im Magazin „Stern“ durch den Regionalverband Ruhr und Nordrhein-Westfalen 2011 mit jeweils 2,4 Millionen Euro unterstützt. Und nach Angaben des Statistischen Landesamtes von NRW brachten alleine die ersten neun Monate des Jahres 2010 knapp zwölf Prozent mehr Übernachtungen von Gästen in den Ruhrgebietsstädten. Ob letztgenannte Zahl nachhaltig ist oder 2011 wieder deutlich sinkt, darf zumindest gefragt werden.

Die Rückkehr des Alltags

Nun kehrt verstärkt der Alltag in das Ruhrgebiet ein und es bleiben viele Probleme. So bescheinigte das Städteranking 2010 etwa der Stadt Duisburg eine zwischen 2004 bis 2008 um 25,1 Prozent gestiegene Einkommensteuerkraft, während der Durchschnitt der untersuchten Städte bei 41,2 Prozent lag. Im Zeitraum 2004 bis 2009 stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Duisburg immerhin um 0,7 Prozent, im Durchschnitt aller untersuchten Städte aber um 3,1 Prozent. Das sind keine sonderlich guten Werte für Duisburg. Andererseits zitiert etwa die Zeitung „Der Westen“ den Immobilienverband IVD West mit der Aussage, die Nachfrage nach Wohnimmobilien in Duisburg sei 2010 gegenüber 2009 um zehn Prozent gestiegen. Auf dem Büromarkt seien in Duisburg insgesamt 64.000 m² im Jahr 2010 vermittelt worden und die Leerstandsquote betrage etwa vier Prozent, was im Vergleich zum Nachbar Düsseldorf mit seinen 11,3 Prozent Leerstand recht wenig ist. Ganz eindeutig sind die Zeichen halt auch in Ruhrgebietsstädten wie Duisburg nicht, das durch das schreckliche Unglück während der Love Parade wohl nicht nur gute Erinnerungen an das Jahr 2010 hat.

Das Ruhrgebiet – umrahmt von mächtigen Nachbarn

Düsseldorf und Köln sind mächtige Nachbarn, mit denen sich das Ruhrgebiet messen muss. Während die neu vermietete Bürofläche in den beiden größten Ruhrgebietsstädten Dortmund und Essen in den ersten drei Quartalen 2010 laut der Makler von BNP Paribas Real Estate bei 109.000 m² lag, kam alleine Düsseldorf im selben Zeitraum auf 288.000 m² und Köln immerhin auf 147.000 m². Da hört man sie dann schnell wieder, die Klage, es fehle im Ruhrgebiet an Kooperation. „Wenn die Kommunen zusammenarbeiten würden, wären wir eine Macht.“, wird Stephan Kölbl vom Essener Projektentwickler Kölbl Kruse in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom fünfzehnten Dezember 2010 zitiert. Zusammenzuwachsen ist ein langwieriger Prozess und er funktioniert wohl nur, wenn man tatsächlich zusammenwachsen will. Vielleicht hat Ruhr2010 diesen Willen ein wenig gestärkt. Vielleicht!