A 661, der mögliche Deckel und Frankfurts neuer Stadtteil

9. Oktober 2012
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Autobahnen sind oftmals wichtige Verkehrsadern für eine Stadt, aber oftmals nicht ohne Nachteile. Sie zerschneiden oder trennen bisweilen Stadtteile, beanspruchen Platz, der vielleicht für Wohnraum dringend gebraucht würde und werden mitunter trotz Lärmschutz zu einer gewissen Lärmbelästigung, unter der angrenzende Wohnsiedlungen leiden. In Frankfurt am Main ist die A 661 solch eine Autobahn. Deshalb wurden jetzt Pläne vorgestellt, die bereits bestehende Autobahn auf einem Abschnitt von 1,6 Kilometern in einen Tunnel zu verlegen, auf dem dann der neue Stadtteil „Ernst May Siedlung“ entstehen soll. Ob dieses Projekt jemals realisiert wird, ist noch fraglich, und falls die Realisierung irgendwann erfolgt, dürfte noch eine ganze Reihe von Jahren vergehen, bis alles fertig ist. Interessant klingt die Sache aber bereits jetzt.

Die Einhausung der A661 – die erste Untersuchung

Die A661 verläuft auf einer Gesamtlänge von nur 40 Kilometern in Hessen von Oberursel über Frankfurt am Main nach Egelsbach. In Bereich von Frankfurt am Main wird sie unter anderem zur Trennlinie zwischen den Stadtteilen Bornheim und Seckbach. Das soll sie aber nicht bleiben. Die „Verflechtung von Bornheim und Seckbach wird konkreter“ berichtet die Stadt Frankfurt selbst am 24. September 2012 auf ihrer Internetseite zur möglichen Einhausung der A661 und schildert dabei kurz auch die Geschichte dieser Idee. Einen ersten wichtigen Meilenstein gab es demnach 2010. Damals präsentierte das Büro Albert Speer & Partner (AS & P) die Ergebnisse einer Untersuchung. Untersucht hatte es den Einfluss einer Einhausung des Autobahn-Teilstücks auf die „städtebauliche und landschaftplanerische Situation“ eines Untersuchungsgebietes rund um die A 661, das die beiden oben erwähnten Stadtteile umfasst. AS & P bescheinigte einer möglichen Einhausung damals einen positiven Einfluss.

Drei kämpfende Büros und die Siedlung

Nach der Untersuchung von AS & P beschäftigten sich drei Stadtplanungsbüros damit, städtebauliche und freiflächenplanerische Konzeptionen für das Planungsgebiet zu entwickeln. Präsentiert wurden die daraus entstandenen Entwürfe am 14. September. Alle Entwürfe seien qualitativ hochwertig, urteile der Fachbeirat, der über die weitere Vorgehensweise zu entscheiden hatte. Die beste Grundlage für die weitere Bearbeitung bilde jedoch der Entwurf des Architektenbüros Pesch Partner aus Stuttgart, hieß es weiter. Und dieser Entwurf enthält die Planung jenes neuen und mit dem Arbeitstitel „Ernst May Siedlung“ versehenen Stadtteils, den Frankfurts Planungsdezernent Olaf Cunitz jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt hat und der Platz für bis zu 10.000 Personen bieten soll. Teile der Siedlung mit Wohnungen und Kleingärten sollen auf dem Deckel entstehen, der die Autobahn zudecken wird, sollten die Pläne irgendwann realisiert werden. Die geschätzten Kosten des Projekts sollen bei 120 bis 145 Millionen Euro liegen. Benannt ist die Siedlung nach Ernst May, der in den 20er Jahren Stadtbaurat in Frankfurt am Main war und für Konzepte gegen die damalige Wohnungsnot bekannt geworden ist.

Frankfurt braucht Platz für Wohnungen

Frankfurt braucht auch heute dringend Wohnraum, berichtete die Onlineausgabe der Zeitung „Die Welt“ am 11. September. Die Marke von 700.000 Einwohnern sei mittlerweile geknackt und die Zahl der Einwohner werde bis 2030 nochmals um bis zu 25.000 Menschen wachsen. Wohin mit ihnen? Die Fläche der Stadt betrage 250 Quadratkilometer und sei begrenzt, heißt es weiter in der Zeitung. Platz sei da nur für etwa 25.000 Wohnungen. Möglicherweise könnten eine eingehauste A 661 und eine auf ihr entstehende Ernst May Siedlung dazu beitragen, dass noch etwas mehr Wohnraum entsteht? Vielleicht ja. Ob die Siedlung irgendwann gebaut wird, ist aber ungewiss. Und falls sie gebaut wird, vergehen noch mindestens 13 Jahre, bis das erste Haus steht, berichtet die Onlineausgabe der Zeitung Offenbach Post. Nun soll der Entwurf von Pesch Partner jedenfalls erst einmal auf Grundlage der Empfehlungen des Fachbeirats verändert werden, heißt es auf Frankfurt.de. Weitere anzugehende Aufgaben: Bestehende, aber nicht mehr zeitgemäße Pläne fürs Planungsareal müssen geändert werden und irgendwann wird dann die Frage der Finanzierung geklärt werden müssen: Beteiligen sich das Land Hessen und der Bund? Falls ja, wie stark beteiligen sie sich? Da bleiben bisher noch viele Dinge unklar. Wichtige Dinge.

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