Henninger Areal Frankfurt: Turm fällt, Stadtquartier kommt!

Allzu lange wird der Henninger Turm auf dem ehemaligen Areal der Brauerei Henninger in Frankfurt-Sachsenhausen nicht mehr stehen. Der im Mai 1961 eingeweihte Turm – ein großes Getreidesilo mit Aufbau, der als Aussichts- und Fernsehturm genutzt wurde – war mit seinen 118,50 Metern bis 1974 das höchste Bauwerk Frankfurts. 2013 wird er abgerissen. Dann wird der Bau eines Hochhauses beginnen, dessen Äußeres dem Turm gleichen soll. Das wird allerdings keineswegs das einzige sein, was sich in den kommenden Jahren auf dem Ex-Brauereiareal verändern wird. Ein neues Stadtquartier wird wachsen.

Wie das Henninger Areal zur Brache wurde

Die Henninger Brauerei war ein Frankfurter Traditionsunternehmen, das bereits 1665 gegründet wurde. 1998 übernahm eine Investorengruppe um Dietmar Hopp, den Mitgründer der SAP AG, das Unternehmen, das damals den Namen „Henninger Bräu AG“ trug. Bier braute man anschließend nur noch etwa zwei Jahre lang auf dem Henninger Areal. Dann wurde die Marke Henninger an die benachbarte Binding-Brauerei verkauft, der Rumpf der übrig bleibenden Henninger Bräu AG wurde in „Actris AG“ umfirmiert. Das heute Actris GmbH heißende Unternehmen war ursprünglich neben der Verwaltung und Verwertung von Immobilien auch weiterhin in der Getränkeproduktion tätig, nur halt nicht mehr auf dem Henninger Areal. 2006 verabschiedete sich Actris dann komplett von den Getränken und blieb (nur noch) bei den Immobilien.

Die Produktionsstätte der Henninger Brauerei auf ihrem ehemaligen Areal wurde bereits sehr bald nach der Umfirmierung weitgehend abgerissen. Was auf dem Areal verblieb, waren der seit 2002 für die Öffentlichkeit gesperrte Henninger Turm, die denkmalgeschützte Villa Henninger, die einst dem Henninger-Vorstand Raum geboten hat, sowie ein großes Gelände rund um den Turm, das für Frankfurt eine äußerst interessante Freifläche ist, aber lange Zeit Brachland geblieben ist. Brachland ist es nun aber die längste Zeit gewesen.

Was mit dem Henninger Areal passiert

Noch immer sind Dietmar Hopp und seine Familie wichtige Akteure, wenn es um die Zukunft des Henninger Areals geht. Mit der Actris GmbH (vormals AG) möchten sie in den Bau eines neuen Frankfurter Stadtquartiers investieren. Die Investitionssumme soll bei 300 Millionen Euro liegen. Andere Quellen sprechen von „nur“ 200 Millionen Euro. Insgesamt entstehen auf dem Henninger Areal voraussichtlich 700 bis 800 Wohnungen für etwa 2.000 Menschen, daneben Einzelhandels- und Büroflächen sowie eine Kindertagesstätte. Stationen auf dem Weg zum heutigen „Status quo“ mit einer gesicherten Planung waren unter anderem eine Bürgeranhörung im Jahr 2006 und das Jahr 2008, in dem der Bebauungsplan erstmals offen gelegt wurde. Rechtskräftig ist der Bebauungsplan Nr. 847 „Rund um den Henninger Turm“ seit dem 19. November 2012. Und in diesem Plan ist für den alten Henninger Turm kein Platz mehr.

Ersetzt wird der Henninger Turm durch ein 130 Meter hohes Wohnhaus mit 125 bis 130 luxuriösen Eigentumswohnungen. Da der Henninger Turm manch einem Frankfurter aber als Wahrzeichen seiner Stadt gilt, soll der ihm nachfolgende Wohnturm ein bisschen so aussehen wie sein Vorgänger. Zudem wird auf seiner Spitze ein Restaurant eröffnen, sodass es auf dem Henninger Areal wieder einen Aussichtspunkt geben wird. Was mit der Villa Henninger geschehen wird, scheint indes vorerst weiter unklar zu sein. Dafür ist klar, wer die Planungen des neuen Stadtquartiers übernimmt. Das Architektenbüro Jourdan & Müller PAS aus Frankfurt hat sich im Dezember in einem Architekten-Wettbewerb durchgesetzt.

Nicht alles ging immer ganz glatt

Nicht alles ging immer ganz glatt auf dem bisherigen Weg des Henninger Areals zum neuen Stadtquartier. Erst Anfang 2011 wurde ein Streit von Actris mit der angrenzenden und zur Radeberger Gruppe gehörenden Binding Brauerei beendet. Damals ging es um Lärmschutz für die künftigen Bewohner des Henninger Areals. Bestandteil der damaligen Einigung: Die Radeberger Gruppe investiert in Lärmschutz-Maßnahmen wie eine Isolierung von Fenstern auf ihrem Areal. Zugleich wird ein größerer Teil der an die Brauerei angrenzenden Fläche im neuen Stadtquartier als Lärmpuffer geplant. Möglicher Lärm war dann zu einem späteren Zeitpunkt nochmals Thema, als das für das Henninger Areal zuständige Regierungspräsidium Darmstadt erklärte, das künftige Wohngebiet sei NICHT von Fluglärm betroffen. Das war im Prinzip die Antwort auf die Frage, ob die Einflugschneise der neuen Frankfurter Landebahn Nordwest zum Lärmproblem für das Stadtquartier auf dem Henninger Areal werden könnte.

Die Bahn ist also frei! Und das ist wohl auch gut so. Aufgrund von Fluglärm und Lärmschutz Regeln gibt es nämlich durchaus eine Reihe von Flächen in Frankfurt, auf denen in absehbarer Zeit KEINE Wohnungen gebaut werden dürfen, schreibt die Frankfurter Rundschau im Dezember 2012. Und Wohnraum ist auch in Frankfurt am Main derzeit ein wertvolles Gut.