Townhouses „TheGarden“: Naturnahes Wohnen in der Stadtmitte

8. Juli 2013
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„Stadt oder Natur – warum nicht beides?“ lautet die Frage auf der Internetseite „TheGarden-Berlin.com“. Die Website ist Heimat des Projekts „The Garden“ in Berlin-Mitte. An Berlins Chausseestraße soll dort unter dem Projektnamen ein etwa 12.000 m² großer Stadtgarten mit 114 Wohneinheiten in sieben Stadthäusern entstehen. Über die konkrete bauliche Veränderung in Berlin hinaus, ist „TheGarden“ auch ein außergewöhnliches Beispiel eines aktuellen Trends: Townhouses und ähnliche Projekte liegen als grüne Inseln in der Stadt wieder im Trend. Das hat nicht nur Vorteile.

TheGarden in Berlin

TheGarden ist wie ein Sonntag auf dem Lande mitten in der Stadt“ beschreibt Architekt Eike Becker das von ihm entworfene Projekt und macht damit den Anspruch sehr deutlich, den „TheGarden“ formuliert: Entstehen soll ein Wohnquartier, das Urbanität und Leben in einer pulsierenden Metropole mit den Vorzügen des Lebens im Grünen verbindet. TheGarden wird dabei zu einer Art kleines, heimeliges Luxusdorf, in dem die Bewohner die Vorteile zweier Welten genießen. Die sieben Stadthäuser sind KfW-Effizienzhäuser der Klasse 55 nach EnEV 2009 und bieten Wohnungen in Größen zwischen 61 und 217 m². Die Bandbreite reicht von Apartments mit zwei Zimmern und Balkon über Wohnungen – etwa Penthouses – mit fünf Zimmern bis zu Wohnungen mit sieben Zimmern. Verantwortlich für das Projekt „TheGarden“ ist ein Joint Venture von Peakside Capital und der pantera AG, das über bisher geschriebene Inhalte hinaus „hochwertige Ausstattung in zwei Designlinien“ verspricht, zudem 121 Tiefgaragenstellplätze für die Bewohner des Quartiers sowie einen 24/7 Concierge-Service.

In Bezug auf das Grün des Projekts ist von 128.400 Blütenpflanzen pro Sommer die Rede, von Liegewiesen, Spielplätzen, Gemeinschaftsflächen und ruhigen Ecken, sodass „jeder der zahlreichen Bewohner und Besucher seinen persönlichen Lieblingsplatz“ findet. Das alles klingt gut. Klar ist dabei allerdings auch: TheGarden ist kein Projekt für preisgünstigen Wohnraum in der Mitte Berlins und so vielleicht auch einmal mehr Wasser auf den Mühlen derer, die für die Berliner Innenstadt eine für Alteingesessene nachteilige Gentrifizierung fürchten? Berlin wird teuer, keine Frage. Das DEAL Magazin berichtete im Juni 2013 von Spitzenpreisen für „hochwertige Dachgeschoss- und Penthousewohnungen sowie erstklassige Neubauprojekte in den historischen Lagen“ in Berlin-Mitte, die bei bis zu 15.000 Euro pro m² liegen. Hinzu kommt als ein weiterer Kritikpunkt, mit dem bereits die Konzepte der Gartenstädte konfrontiert wurden, der relativ hohe Flächenverbrauch von Projekten wie „The Garden“. Gerade das, was den Reiz dieser Projekte ausmacht, und was den Bewohnern von TheGarden vielleicht besonders gut gefallen wird (die Mischung aus verbautem und unverbautem Raum), nimmt möglicherweise anderen Menschen die Chance auf Wohnen in der Innenstadt. Die Dinge bleiben schwierig.

Townhouses und grünes Wohnen in der Stadt

Townhouses und Wohnen im Grünen mitten in der Stadt: Auch Hamburg kennt diesen Trend. So berichtete etwa das Hamburger Abendblatt von den geplanten Stadtquartieren Finkenau und Jenfelder Au, in denen laut Abendblatt insgesamt 1.270 Wohneinheiten geplant sind, vor allem in Stadthäusern. „Alternative zum Wohnen im Grünen – Das Townhouse liegt im Trend“ betitelte das Magazin „Stern“ einen Artikel vom 8. Juli 2013, in dem unter anderem auch von TheGarden die Rede ist. Berichtet wird hier vom Trend zum Reihenhaus, vom erfüllten Traum „von der häuslichen Idylle mit kleinem Garten in zentraler Lage“. Dabei – so heißt es weiter – hat das moderne Townhouse gar nicht mehr viel mit dem Klassiker des Stadthauses zu tun. „Ein Townhouse im klassischen Sinn steht auf einer eigenen Grundstücksparzelle, besitzt Brandwände zu den Nachbarparzellen und einen individuellen Eingang auf der Straßenseite“, wird Mirjam Thomann vom Bund Deutscher Architekten (BDA) in Berlin im Magazin „Stern“ zitiert. Damalige Townhouses waren eher unscheinbar, heißt es weiter. Von der Unscheinbarkeit ist bei den modernen Projekten allerdings eher wenig zu spüren. Stattdessen ist ein verstärkter Trend zum Individualismus beim trendigen Townhouse heutiger Zeit erkennbar. Es macht Städte reizvoller. Preisgünstiger jedoch nicht unbedingt. Irgendwelche Nachteile gibt’s wohl immer. Und so liegt die eigentliche Aufgabe von Stadtplanung wohl nicht darin, Nachteile irgendwelcher Projekte zu vermeiden, weil das nicht funktioniert, sondern dafür zu sorgen, dass Nachteile von Projekten kleiner als die Vorteile bleiben. Möge das gelingen.

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