Zeche Zollverein Essen – Schritte auf dem Weg zur Zukunft

Nun ist der Vertrag endlich unterschrieben. Die Hazy Trading Est. & Associated Ltd. von Scheich Hani Yamani aus Saudi-Arabien kauft etwa 31.500 m² des Zeche Zollverein Areals in Essen, das seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Für die Stadt könnte dies ein weiterer und wichtiger Schritt sein, um sich nach den glorreichen Zeiten der Montanindustrie eine Zukunft zu bauen. Der Weg bleibt steinig, ist aber vielleicht nicht zu steinig, um ihn zu gehen?

Ein Symbol des Wandels

Kein Immobilienensemble taugt wohl eher als Symbol des Essener Wandels als die Zeche Zollverein. Von 1847 bis 1986 wurde hier Steinkohle gefördert. Seither wird umgebaut, angesiedelt, Zukunft entwickelt. Norman Foster baute hier das Kesselhaus um, das heute vom Design Zentrum Nordrhein-Westfalen für das „red dot design museum“ mit zeitgenössischem Produktdesign genutzt wird. Das Ruhr Museum befindet sich seit 2009 auf dem Areal. Wo einst der Bergbau herrschte, halten Kunst und Design Einzug. Scheich Hani Yamani könnte dazu beitragen, das Areal weiter zu entwickeln. Er möchte etwa 120 bis 140 Millionen Euro investieren und neben einem luxuriösen Hotel sowie Büros eines Kreativzentrums auch eine neue Heimat für den Designzweig der Essener Folkwang Universität bauen. Das sei das bislang größte Privatvorhaben auf dem Gelände, schreibt die Immobilien Zeitung Ende 2012. Und „Property Magazine“ berichtet, dass der Baustart noch 2012 erfolgen solle und dass die Studenten bis Mitte 2014 in den Neubau für die Universität einziehen. Werde nicht gebaut, drohe dem Investor eine Vertragsstrafe, heißt es. Auf dem Weg von der Montanindustrie zum Kultur-Standort hat die Zeche Zollverein bereits wichtige Schritte gemeistert. Nun ist man eventuell auch auf dem Weg zum neuen Wirtschaftsstandort einen wichtigen Schritt weiter.

Essen braucht Initiative

Ist Essen nun bereits ein Beispiel für eine Stadt, die einen erfolgreichen Weg des Wandels geht, oder doch noch eher eine Stadt auf der Suche? Wahrscheinlich ist beides weder ganz falsch noch ganz richtig. Im Niveau-Ranking des Magazins WirtschaftsWoche und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erreichte die Stadt mit 45.038€ pro Einwohner immerhin Rang 3 im Vergleich des Bruttoinlandsproduktes der fünfzig größten Städte. Beim verfügbaren Einkommen pro Kopf reichte es immerhin mit durchschnittlich 19.726€ pro Jahr für Rang 17. Andererseits ist der Anteil an ALGII-Empfängern in Essen mit 10,3% überdurchschnittlich hoch: Rang 41 für Essen. Insgesamt belegt die Stadt beim Niveauranking Rang 31 und beim Dynamikranking, mit dem die Entwicklung der letzten Jahre beurteilt wird, Rang 13. Das spricht durchaus dafür, dass Essen auf einem durchaus guten Weg in die Zukunft ist. Andere, kleinere Ruhrgebietsstädte haben es da weitaus schwerer.

Die Sache mit dem lieben Geld

Selbst für Essen bleiben Probleme. 2,1 Milliarden Schulden lasten auf der Stadt, weshalb Essen gemeinsam mit anderen Ruhrgebietsstädten eine Abkehr vom Solidarpakt Ost fordert. Künftig müsse die finanzielle Situation von Kommunen als Kriterium für die Hilfe entscheidend sein, wird der Oberbürgermeister Essens, Reinhard Paß, in der Onlineausgabe des Magazins Focus vom zwanzigsten März 2012 zitiert. Nun dürfen eventuelle Finanzierungsprobleme beim Wandel von Städten nicht zu Grabenkämpfen zwischen Ost und West eines vereinten Deutschlands führen. Sich aber vielleicht vom Kriterium „Lage“ als Förderprinzip zu trennen und andere Schwerpunkte zu setzen, scheint zumindest nicht unvernünftig zu sein. Wandel in einem Land könnte irgendwann auch einen Wandel in der Förderpolitik nötig machen. Die Dinge bleiben schwierig. Aber nicht unlösbar.