Gute Zeiten, schlechte Zeiten für Hauskäufer und -besitzer

20. Oktober 2010
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Deutsche Eigenheime sind im westeuropäischen Vergleich am günstigsten. Das geht aus einer Analyse von LBS Research hervor, deren Ergebnisse Anfang Oktober im Rahmen einer Pressemitteilung veröffentlicht wurden. Was der eine gerne hört, vernimmt der andere vielleicht eher mit Sorge. Potenzielle Hauskäufer werden sich freuen, müssen jedoch die Tücken der Statistik beachten. Hausbesitzer mit Verkaufsabsichten tropfen eventuell Schweißperlen von der Stirn, während ihnen beim Blick aufs alte eigene Haus ständig das Wort „Wertverlust“ in den Sinn kommt.

Ein Einfamilienhaus ist in Deutschland sehr preisgünstig

199.000 Euro: Laut der Analyse von LBS Research war das im Sommer 2010 der Durchschnittspreis für ein Einfamilienhaus in Deutschland. Nur Irland kommt hier nach einem rasanten Preisverfall mit 201.000 Euro auf vergleichbar niedrige Werte. Deutschland ist damit innerhalb von etwa fünfzehn Jahren laut LBS Research vom „Europameister“ der Preise für Einfamilienhäuser ans Ende der Tabelle gerutscht. Richtig teuer ist das Einfamilienhaus dagegen in Luxemburg, wo ein Durchschnittspreis von 509.000 Euro anfällt. Was bedeutet das alles für potenzielle Hauskäufer und potenzielle Hausverkäufer in Deutschland? Die potenziellen Hauskäufer in Deutschland frohlocken eventuell über die hierzulande vergleichsweise niedrigen Preise. Sie sollten sich jedoch nicht zu früh freuen.

Preise der Einfamilienhäuser – Tücken der Statistik I

Einerseits bleibt natürlich weiterhin die Lage des jeweiligen Hauses eine wichtige Größe, die beim Ländervergleich mit Durchschnittswerten nicht berücksichtigt wird. So mussten Münchner laut Angaben im Immobilienportal Immowelt.de im August 2010 durchschnittlich 321.118 Euro für ein Haus bis zu einer Größe von einhundert Quadratmetern zahlen. Im brandenburgischen Kreis Oberspreewald-Lausitz kostete ein ebenso großes Haus zum selben Zeitpunkt durchschnittlich 99.579 Euro. Nimmt man nun beide Werte und errechnet den Durchschnittspreis für München UND den Kreis Oberspreewald-Lausitz, so ergeben sich 210.348,50 Euro, wobei die Aussagekraft solch einer Zahl ganz eindeutig sehr beschränkt ist. Das ist eine der Tücken von Statistiken.

Preise der Einfamilienhäuser – Tücken der Statistik II

Der durchschnittliche Preis für ein Einfamilienhaus in einem europäischen Land sagt auch aus einem anderen Grund erst einmal nur bedingt etwas darüber aus, wie viel Geld ein Käufer nun wirklich in die Hand nehmen muss. Nicht einkalkuliert ist etwa der mögliche Sanierungsbedarf, der bei besonders preisgünstigen Altbauten anstehen könnte. Ein preisgünstiger Hauskauf ist am Ende nach Summierung aller Kosten nicht immer ein Hauskauf mit günstigem Preis. Das mag insbesondere bei Immobilien gelten, deren Energieeffizienz deutlich schlechter als der heutige Standard ist.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Das alles ist kein Indiz dafür, dass die LBS Research Studie schlecht oder fehlerhaft ist. Es zeigt nur, dass Studien nur solange richtig sind, bis sie falsch gedeutet werden.

Statistik – Interpretationen für potenzielle Hausverkäufer

Hausbesitzer, die sich angesichts der LBS Research Studie vor einem Preisverfall in Deutschland fürchten, werden von den Studien-Autoren beruhigt. Deutschland habe sich bei den Hauspreisen „über viele Jahre ein absolut stabiles Preisniveau bewahrt“, schreiben sie. Das würde dann bedeuten: Die Preise in Deutschland haben sich gar nicht so sehr verändert. Der Rutsch Deutschlands auf den letzten Tabellenplatz in Westeuropa wäre daher – folgt man den Gesetzen der Logik – eher durch Veränderungen in den anderen Ländern verursacht. Aber 2009 gab es auch andere Zahlen, die für Hausbesitzer sehr wohl bedenklich klangen. Damals veröffentlichte die Onlineausgabe der Zeitung Welt einen Artikel mit der Überschrift „Drastischer Wertverlust bei Eigenheimen“. Die durchschnittlichen Preise für bestehende Eigenheime seien „seit Januar 2005 von 204 856 Euro auf nur noch 168 375 Euro Ende März“ (2009) gefallen, schrieb die Zeitung damals. Und wir lernen einmal mehr: Wie genau die Sache mit den Hauspreisen in konkreten Fällen aussieht, verrät wohl auch die beste Statistik nicht.

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