Nachhaltigkeit – Wertewandel im Immobiliensektor?

28. Oktober 2010
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Lange Zeit wirkte es ein bisschen so, als seien Ökologen die berühmten einsamen Rufer in der Wüste, auf die in der Immobilienwelt niemand hört. Energieeffizienz von Gebäuden war zwar immer wieder einmal ein Thema, schien aber bei realisierten Immobilienprojekten und auf dem Immobilienmarkt eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Heute werben nicht nur Autofabrikanten mit dem niedrigen CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge: Projektverantwortliche der Immobilienbranche haben „Grün“ ebenfalls als ihre Farbe entdeckt. Und auch bei privaten Bauherren und Hausbesitzern sind ökologische Werte bedeutender geworden, wie  aktuelle Studien zeigen.

„Soll“ und „Haben“ werden grün

Vielleicht gibt es kein eindrucksvolleres Beispiel für die neue Bedeutung der Ökologie im Immobiliensektor als die energetisch sanierten Frankfurter Zwillingstürme der Deutschen Bank. Seit 2007 werden sie energetisch saniert und voraussichtlich im Winter 2010 werden die Mitarbeiter der Deutschen Bank dort wieder einziehen. Dann werden die beiden 155 Meter hohen Türme etwa fünfzig Prozent weniger Energie verbrauchen und auch ungefähr fünfzig Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als vor der Sanierung. „Soll“ und „Haben“ werden die beiden Türme im Volksmund auch genannt und wenn „Soll“ und „Haben“ energetisch saniert werden, sind Wirtschaft und Nachhaltigkeit wohl wirklich gute Freunde geworden. Die Themen „Nachhaltigkeit“ und „Energieeffizientes Bauen“ sind auch bei den privaten Bauherren und Hausbesitzern angekommen. Das geht jedenfalls aus einer aktuellen Studie des Immobilien- und Finanzdienstleisters PlanetHome hervor. Laut Pressemitteilung zur Studie sind 56 Prozent der Befragten beispielsweise der Ansicht, der Einsatz von richtig abgedichteten Fenstern beim Hausbau sei unumgänglich.  48 Prozent möchten — so die Studie — „nicht auf den Einbau einer guten Dämmung verzichten wollen“.

Trotz offener Fragen – Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

Einige Dinge bleiben jedoch offen: Einerseits wird aus der Pressemitteilung zur PlanetHome Studie nicht deutlich, wie viele Leute tatsächlich an der Studie teilgenommen haben. Andererseits lautete die gestellte Frage: „Wie wichtig sind für Sie die folgenden Kriterien des umweltbewussten Bauens bei einer selbst genutzten Immobilie?“. Was genau haben jene 56 Prozent bei den richtig abgedichteten Fenstern geantwortet: Sie halten richtig abgedichtete Fenster für „sehr wichtig“ oder vielleicht für „sehr wichtig oder wichtig“? Und bedeutet das ausgesprochene Statement zur Wichtigkeit der Maßnahme dann auch, dass die Befragten bei eigenen Bauvorhaben auf jeden Fall die von ihnen genannten Kriterien beachten? Nun es scheint tatsächlich so zu sein: Da gäbe es schließlich auch noch die Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger, deren Ergebnisse im April 2010 veröffentlicht wurden. Laut Studie würden mehr als siebzig Prozent aller befragten Bauherren, Investoren und Mieter für nachhaltige Immobilien höhere Kosten in Kauf nehmen. Vielleicht erlebt die Immobilienbranche also tatsächlich einen gewissen Wertewandel, den weder Bauherren noch Immobilienbesitzer ignorieren sollten, weil ihre Immobilie ansonsten mittel- oder langfristig an Wert verliert? Die Sorge um die Umwelt wäre es wohl nicht alleine, die solch eine Verschiebung von Werten verursacht. Mögliche Einsparungen spielen mit Sicherheit auch eine Rolle. Das Ergebnis ist dasselbe: „Grün“ ist modern. „Grün“ ist in.

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