Chinesen, chinesische Probleme und deutsche Immobilien

30. Dezember 2011
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Es stand praktisch in allen Medien, die sich irgendwie mit Wirtschaft beschäftigen: China wird einen bereits vorhandenen und zwei neue Staatsfonds mit 350 zusätzlichen Milliarden US-Dollar (etwa 270 Milliarden Euro) ausstatten, um mit dem Geld in den USA und in Deutschland einzukaufen. Anders als zuvor soll der Schwerpunkt nicht auf Staatsanleihen anderer Länder, sondern mehr auf Aktien, anderen Beteiligungen an Unternehmen und  Immobilien liegen. Die Immobiliensuche soll unter anderem in westeuropäischen Ländern erfolgen: in Frankreich, Österreich und der Schweiz und auch in Deutschland. Aber wer weiß, ob alles so kommt, wie man es derzeit annimmt: Vielleicht fallen chinesische Einkaufstouren in der Welt aufgrund eigener Probleme auch verhaltener aus?

Hier und da trifft man in Deutschland auf China

Dass chinesische Investoren in Deutschland Immobilien kaufen oder finanzieren, ist natürlich nicht neu. Es gab in der Vergangenheit größere Projekte wie etwa die neu erbaute Europazentrale des chinesischen Unternehmens China Shipping. 2004 war Richtfest und 2009 wurde das Gebäude mit 4.100 m² Bruttogeschossfläche fertig gestellt. Das verantwortliche Architekturbüro war Bothe Richter Teherani. Entwickelt wurde das Projekt von Prien Immobilien. Daneben sind es nicht nur große Projekte mit chinesischer Beteiligung, sondern bisweilen auch kleine und ganz kleine. So haben etwa die beiden chinesischen Unternehmer Adderly Fong und Alan Fong in der Eifelgemeinde Ürzig ein ehemaliges Schulgebäude gekauft. Geplant sind eine Weinakademie sowie der Aufbau eines Audiocenters, in dem in China gefertigte Endgeräte verkauft werden sollen. In Schwarzenbek im schleswig-holsteinischen Kreis Herzogtum Lauenburg kauften chinesische Investoren einen leer stehenden Aldi-Markt, um dort einen Showroom für Chinas Textilhandel aufzubauen. Ein 60.000 m² großes Handelszentrum mit angeschlossenem Hotel ist geplant. Und im sächsischen Oelsnitz im Vogtlandkreis erwarben chinesische Investoren jüngst zwei insgesamt 5626 m² große Grundstücke, um hier künftig Leiterplatten (Elektronik) zu produzieren.

Noch sind chinesische Investitionen hierzulande eher gering

Von groß angelegten chinesischen Investitionen auf Deutschlands Immobilienmarkt kann bisher noch eher keine Rede sein. Laut Angaben des Manager Magazins aus dem Juni 2011 hat China seine Gesamtinvestitionen (alle Bereiche; nicht nur Immobilien) in Deutschland zwar seit 2006 fast verdoppelt. Das Land lag allerdings 2009 mit einer Summe von etwa siebenhundert Millionen Euro nur auf einer Ebene mit dem weitaus kleineren Liechtenstein. Zitiert wird im Artikel auch eine Studie des German Centers for Market Entry, bei der 96 chinesische Unternehmen in Deutschland befragt wurden. Die Studie zeigte einerseits, dass sich damals vor allem chinesische Kleinstfirmen in Deutschland niederlassen. Eine Mehrheit von fast 66% äußerte andererseits, chinesische Unternehmen hätten in Deutschland mit grundsätzlichen Vorurteilen zu kämpfen. Herrscht da vielleicht Angst vor der neuen Wirtschaftsmacht? Die neu mit Geld ausgestatteten Staatsfonds könnten den chinesischen Investitionen in Deutschlands Immobilien nochmals einen deutlichen Schub verleihen. China hat scheinbar Großes vor: Der Experte Karl Sauvant der US-amerikanischen Columbia University prognostiziert weltweit ein deutliches Wachstum chinesischer Auslandsinvestitionen, bei dem das Land innerhalb der nächsten zehn Jahre ein bis zwei Billionen US-Dollar ausgibt. Da könnte dann auch manch ein Dollar in den deutschen Immobilienmarkt fließen.

Der Gigant China hat eigene Immobilien-Probleme

Die Geschichte einer möglichen Immobilienblase in China und möglicher anderer Probleme aufgrund von Immobilienprojekten im Land taucht immer wieder einmal in den westlichen Medien auf. Das Onlineportal Deutsche MittelstandsNachrichten berichtete zuletzt am 29. Dezember vom Kampf lokaler chinesischer Regierungen „gegen den Kollaps“. Ihre Projektgesellschaften seien aufgrund „gigantischer Infrastrukturbauten“ mit knapp achthundert Milliarden US-Dollar verschuldet. Da bleibt dann die Frage, ob sich China wirklich in den kommenden zehn Jahren riesige Auslandsinvestitionen leisten kann und wird? Manchmal kommt es anders, als man denkt.

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