838 Meter Sky City – China im Höhenrausch?

25. Juni 2012
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Sky City könnte bald das höchste Gebäude der Welt heißen, das dann nicht mehr im arabischen Raum stehen würde. Das chinesische Unternehmen Broad Sustainable Building (BSB) plant in Changsha, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Hunan, den weltweit höchsten Wolkenkratzer und damit den Erben des Burj Khalifa. 838 Meter hoch soll Sky City angeblich werden. Damit wäre dieser Wolkenkratzer nicht immens höher als der etwa 829 Meter hohe Burj Khalifa, würde ihn aber eben doch schlagen. Ein Rekord ergibt sich allerdings nicht nur aus der geplanten Höhe, sondern möglicherweise auch durch die Bauzeit. In nur sieben Monaten soll der Wolkenkratzer fertig werden. Das klingt nach einem imposanten und zugleich ehrgeizigen Projekt, das aber auch manch einen kritischen Gedanken wachruft.

Eine Stadt strebt Richtung Himmel

Läuft alles, so wie derzeit geplant, wird Sky City aus 220 Stockwerken bestehen und Platz für 174.000 Menschen bieten, die im Wolkenkratzer leben. Neben Wohnraum soll der Riese auf einer Nutzfläche von etwa einer Million Quadratmetern Platz für all das bieten, was eine gar nicht einmal so kleine Stadt ausmacht: Büros, Ladenflächen, eine Schule, ein Hotel. Besonders energieeffizient wird das Projekt darüber hinaus auch noch und hier ist ebenfalls von möglichen Rekorden die Rede. Als Kosten des Gesamtprojekts stehen derzeit etwa 628 Millionen US-Dollar im Raum. Das wären weitaus weniger als die Baukosten beim Burj Khalifa, der etwa 1,5 Milliarden US-Dollar gekostet haben soll. Und es wäre zugleich ein weitaus schneller fertig werdendes Projekt. Der Bau des Burj Khalifa zog sich immerhin von 2004 bis 2010 in die Länge. Sieben Monate Bauzeit klingt da ein bisschen wie ein Witz. Allerdings hat Broad Sustainable Building in der Vergangenheit bereits ein Hotel mit 30 Stockwerken innerhalb von fünfzehn Tagen hochgezogen, was die veranschlagte Bauzeit wieder etwas wahrscheinlicher macht. Möglich werden soll sie unter anderem durch die Nutzung sehr vieler Fertigbauteile.

Wirtschaftliches Wachstum in Changsha

Standort der Sky City wird Changsha. Die Stadt im südlichen Zentralchina hat etwa sieben Millionen Einwohner und hatte laut der Studie „Changsha Investment Environment Study 2011“ von KPMG China im Jahr 2010 ein Anteil am chinesischen Bruttoinlandsprodukt von umgerechnet 58 Milliarden Euro. Laut Studie lag die jährliche Wachstumsrate damals bei 21,4 Prozent, was mehr sei als die chinesische Jahreswachstumsrate von 18,7 Prozent. Die Studie nennt sich zwar Studie, liest sich aber ein bisschen wie ein Werbepapier für Changsha. Die Stadt wird als Standort mit „starker industrieller Basis, einem bedarfsgerechten Talentpool, geringen Betriebskosten für Unternehmen und einem voll entwickelten Industriepark“ beschrieben. Changsha zieht weiter ausländische Investoren an. Ende 2010 seien 32 der Top-500-Unternehmen in Changsha präsent gewesen, heißt es weiter. Das klingt erst einmal nach einem Standort, der Platz für ein erfolgreiches Immobilien-Rekord-Projekt bietet. Aber es gibt durchaus auch warnende Stimmen.

Höhenwachstum zwischen Faszination und Skepsis

Ein Projekt wie Sky City fasziniert, aber es weckt auch Kritik. Generell lässt sich in China ein Streben nach Höhe feststellen. Mittlerweile steht eine ganze Reihe der höchsten Gebäude der Welt in China. Einige Kritiker führen da bereits den von Barclays Capital entwickelten so genannten Skyscraper-Index ins Feld. Er setzt das Bestreben nach dem höchsten aller Gebäude in Beziehung zu der Krisenanfälligkeit eines Landes. Auch wenn es Beispiele gibt, die diese These stützen, bleibt die Frage, ob und wie sehr sie haltbar ist, wenn man auch ältere Rekord-Wolkenkratzer in die Rechnung einbezieht. Aber selbst wenn der Index letztlich nur Spielerei wäre: Das Wort „Immobilienblase“ fällt in letzter Zeit immer wieder einmal im Zusammenhang mit China. Sind das nur Unkenrufe der Fruchtsamen?

Ein Risiko für Kreditgeber?

Auf der englischen Ausgabe von „People’s Daily Online“, einem der führenden chinesischen Nachrichtenportale, warnte am 20. Juni 2012 ein Artikel von Tang Liming vor möglichen Risiken für Kreditgeber. Verwiesen wurde dort auf Projekte wie den von der CITIC Group (großer chinesischer Entwickler) geplanten höchsten Wolkenkratzer Beijings oder den Bau eines 600 Meter hohen Wolkenkratzers in  Guangzhou, die letztlich an der fehlenden Finanzierung gescheitert sind.  Scheitert Sky City nicht in derselben Weise, bleibt die Frage, wie sicher eine Investition in das Bauwerk ist? People’s Daily Online warnt hier vor möglichen Leerständen und verweist dabei auf das Shanghai World Financial Center. Der Wolkenkratzer soll trotz hervorragender Lage eine hohe Leerstandsrate aufweisen.

Letztlich bleiben für außen stehende Betrachter nur ein Abwarten und ein Schauen, ob Sky City a) wirklich gebaut wird und falls ja, ob der Wolkenkratzer b) ein lohnenswertes oder doch ein überehrgeiziges Projekt wird? Für China, Changsha und alle am Projekt Beteiligten hoffen wir einfach einmal auf Ersteres. Einige Zweifel bleiben jedoch.

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