Wolkenkratzer-Wettbewerb – LO2P hat gesiegt!

LO2P klingt ein bisschen wie eine chemische Verbindung. LO2P ist jedoch der Name eines für Neu Delhi konzipierten Wolkenkratzers mit Gewächshäusern als grüner Lunge. Wichtiges Baumaterial: recycelte alte Autos. Das Projekt gewann 2011 den Wolkenkratzer Wettbewerb der Architekturzeitschrift eVolo und bietet Ansätze zur Problemlösung für modernes urbanes Leben.

Atmen ist in Neu Delhi ein Problem

2009 veröffentlichte die Organisation ECA International ein Ranking der Städte mit der größten Luftverschmutzung: den unrühmlichen Platz Eins bekam dabei Neu Delhi. ECA International ist ein beratendes Unternehmen und versorgt seine Businesskunden mit Informationen über Länder, in die sie Mitarbeiter entsenden möchten. 2010 publizierte die Zeitung Daily Finance ein ähnliches Ranking mit den am meisten verschmutzten Städten der Welt. Neu Delhi kam hier hinter Beijing auf Platz ZWEI. Keine Frage: Indiens Hauptstadt braucht Lösungen, um seine Umweltprobleme in den Griff zu bekommen. LO2P bietet dabei eine von wohl vielen notwendigen Lösungsansätzen. Entwickelt und für den Wettbewerb präsentiert wurde LO2P von der französischen Architektenagentur CMJN. Für ihre Präsentation nutzte sie eigene Zahlen zu Neu Delhi. Siebzig Prozent der Verschmutzung entstehe aufgrund von Autoverkehr und täglich gäbe es 1.000 mehr Fahrzeuge in der Stadt, heißt es.

LO2P – aus Schmutz werden Ressourcen

Ein klassischer Wolkenkratzer im Sinne eines Businesscenters ist LO2P nicht. Vielmehr handelt es sich um eine gigantische Windturbine, deren Baumaterial überwiegend aus alten und recycelten Autos besteht. Sie sieht ein wenig aus wie ein aufgehängtes großes Rad und hat für die Initiatoren des Projekts bei CMJN auch Symbolcharakter. Für sie ist LO2P eine Metapher für „Kreisläufe, für die Produktion von Sauerstoff, für einen wirklichen Wandel in der Beziehung zwischen Mensch und Natur“. Schadstoffe aus der Luft werden genutzt, damit Brauchbares daraus entsteht. Die Luftverschmutzung in Neu Delhi würde durch LO2P auf zwei verschiedenen Wegen reduziert. Einerseits sind Filter ins Projekt integriert, die der Luft Schmutzartikel und Kohlenoxid entziehen. Das Kohlenoxid wird wiederum für die ebenfalls ins Projekt integrierten Gewächshäuser genutzt. Es dient hier dem Wachstum von Pflanzen, die Sauerstoff produzieren und ihn an die Umwelt abgeben. Zugleich sollen diese Pflanzen als Basis für die Produktion von Biotreibstoffen dienen. Zur Energieversorgung kann LO2P ebenfalls auf zwei verschiedenen Wegen beitragen: Einerseits wird die Windkraft genutzt, andererseits dienen integrierte Solar-Panels der Nutzung von Sonnenenergie.

Ein Preis für Außergewöhnliches

Die US-amerikanische Architekturzeitschrift eVolo vergibt ihren Wolkenkratzerpreis seit 2006. Mit ihm möchte sie außergewöhnliche Ideen würdigen, die das Design von Wolkenkratzern neu definieren: etwa durch die Nutzung neuer Technologien, Materialien, Programme, durch eine neue Ästhetik oder eine neue räumliche Organisation, wobei Ergebnisse von Studien zu Themen wie „Globalisierung“ einfließen. Die Zeitschrift selbst versteht sich als ein Architektur- und Designjournal, das seinen Schwerpunkt auf „technologische Chancen, Nachhaltigkeit und innovatives Design für das 21. Jahrhundert“ setzt. Mit LO2P hat es ein Projekt geehrt, das vielleicht niemals realisiert wird. Aber die Frage einer möglichen Realisierung ist auch nicht die wichtigste. Wichtig ist es, kreative Köpfe aus Architektur und Bau zum Nachdenken über außergewöhnliche Ideen zu animieren, die sich Problemen moderner Städte stellen. Diese Aufgabe erfüllt der Wolkenkratzerpreis des Magazins ganz gut.