Stadtentwicklung – Hamburg will „hoch“ statt „breit“

22. August 2011
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Als Stadt der Hochhäuser ist Hamburg bisher nicht bekannt. In der Wikipedia-Liste der höchsten Gebäude Deutschlands taucht die Hansestadt mit dem 120 Meter hohen Radisson Blu Hotel erstmals auf Platz 37 auf. Sie wird Frankfurt am Main wohl auch in Zukunft keine Konkurrenz beim Weg in die Höhe machen. Dennoch soll es möglicherweise aufwärts gehen. Für Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz ist es gut vorstellbar, dass künftige Stadtverdichtung auch ein verstärktes Wachstum in die Höhe beinhaltet. Es scheint ihm der bessere Weg als ein Wachstum in die Breite zu sein. Die Fraktionen applaudieren. Widerstände kalkuliert Scholz wohl dennoch bei seinen Plänen ein.

Scholz folgt Glaeser

Olaf Scholz folgt mit seinen Ideen denen des Stadtökonomen Edward Glaeser aus den USA. Er propagiert unter Anderem die Verdichtung von Städten und den Bau von Häusern in die Höhe, da die räumliche Nähe von Stadtbewohner und Stadtbewohner auch jene Kreativität fördere, die urbane Räume zu Quellen der Innovation mache. Dabei plädiert Glaeser keineswegs für den Bau irgendwelcher Hochhäuser, nur damit irgendwie Wohnraum entsteht. Die Hochbauten sollen ökologischen und ästhetischen Kriterien genügen. Das klingt vernünftig, klingt nach ganzheitlicher Stadtplanung, die für ein harmonisches Stadtbild steht, für lebenswerte Stadträume und einen klugen Umgang mit Energie. Wohl auch für Olaf Scholz. Und die Idee mit dichter beieinander lebenden Stadtbewohnern scheint ihm ebenfalls zu gefallen. In anderen Städten leben viel mehr Menschen auf engem Raum zusammen, ließ er sinngemäß verlauten und machte damit indirekt auch klar, dass Hamburg da aus seiner Sicht nachziehen sollte.

In Hamburg ist noch Platz für Verdichtung

Tatsächlich taucht Hamburg in der Liste der Städte mit der größten Bevölkerungsdichte in Deutschland wie bei der Liste der höchsten Bauwerke nicht in den Top-10 auf. Basierend auf Einwohnerzahlen aus Ende 2009 ist München die am dichtesten besiedelte Stadt des Landes mit 4.282 Einwohnern pro Quadratkilometer. Es folgen Berlin mit 3.861 Einwohnern pro km² und das weniger bekannte und sehr viel kleinere Ottobrunn im Kreis München mit 3.807 Einwohnern pro km². Hamburg belegt Rang 20 mit „nur“ 2.349 Einwohnern pro km². Das kann gesteigert werden. Fakt ist wohl: Hamburg braucht zusätzlichen Wohnraum. Im Bericht „Wohnungsmangel in Deutschland? Regionalisierter Wohnungsbedarf bis zum Jahr 2025“ von Diplom-Ökonom Matthias Günther und Professor Doktor Lothar Hübl (Auftraggeber: unter Anderem der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V.) wird der Bedarf zusätzlichen Wohnraums für Hamburg bis 2025 mit mehr als 40.000 beziffert. Die Hansestadt ist allerdings bisher noch ein gutes Stück weit davon entfernt, sich diesem Bedarf mit ihrem Wohnungsbau anzunähern.

Zehn statt vier könnte die Devise lauten

In Zukunft könnten deshalb neue Mehrfamilienhäuser zehn statt der bisher in der Regel maximal vier bis fünf Stockwerke bekommen. Der zentrale Innenstadtbereich soll allerdings von diesen Plänen wohl ausgenommen werden, aber angrenzende Bezirke wie St. Georg könnten bald durchaus ein Höhenwachstum erleben. Die Fraktionen des Hamburger Senats waren den Ideen ihres Ersten Bürgermeisters jedenfalls nicht abgeneigt. Letztendlich sind Hochhäuser ja auch nichts Schlimmes, vorausgesetzt, man nimmt auch die von Edward Glaeser erwähnten ökologischen und ästhetischen Aspekte ernst. Widerstand gegen mögliche Hochhaus-Pläne in Hamburg hält Scholz dennoch durchaus für möglich. Glaeser sprach da von einer „Nicht vor meiner Tür“ – Mentalität, mit dem manch ein Hochhausprojekt konfrontiert wird. Scholz scheint jedoch gewillt, solche Widerstände in Hamburg zu überwinden.