Spiegel-Insel in Hamburg – da bewegt sich etwas!

Mittlerweile dürften sich die Mitarbeiter des Magazins „Spiegel“ in der Hamburger HafenCity eingelebt haben. Die alte Heimat an der Brandstwiete 19 taucht vielleicht noch beim einen oder anderen Gespräch in der Pause auf, ansonsten ist sie zur Geschichte geworden: zumindest für die Spiegel-Redaktion. Die Stadt Hamburg muss das zwangsläufig etwas anders sehen, denn für sie spielt auch die Nachnutzung der alten Immobilien eine Rolle. Da ist sie möglicherweise über eine neue Dealmeldung ganz froh und hofft, dass sich in Sachen „neue Nutzung“ nun etwas bewegt: Hochtief Solutions hat sowohl das ehemalige Spiegel- als auch das IBM-Hochhaus an der Willy-Brandt-Straße von der IVG Immobilien AG gekauft.

Die geplante Internet-Insel und der Verkauf

Im März 2012 veröffentlichte das Hamburger Abendblatt einen Artikel über Pläne des Internetunternehmers Benjamin Storm für die „Spiegel-Insel“ genannten Flächen mit Spiegel- und IBM-Hochhaus, die von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz unterstützt wurden. Zu jener Zeit war bereits deutlich, dass die IVG Immobilien AG das Areal abstoßen möchte. Benjamin Storm gehörte mit einem Investor zu den Bietern. Ihm schwebt ein Zentrum für die digitale Wirtschaft der Hansestadt vor, das eine „gewisse Ähnlichkeit“ mit dem kalifornischen Silicon Valley haben könnte. Auf der Internet-Insel sollen Wohnungen für Unternehmensgründer, eine Kindertagesstätte, Einzelhandel und Büroflächen, von denen zumindest ein Teil auch für Kleinstunternehmen finanzierbar ist, ideale Voraussetzungen für junge Unternehmen der digitalen Branche schaffen. Nun hat die IVG Immobilien AG jedoch ihren Käufer der Spiegel-Insel mit etwa 22.000 m² vermietbarer Fläche in Hochtief Solutions gefunden. Ob da noch Raum bleibt für eine Internet-Insel? Auf Nachfrage des Hamburger Abendblatts sprach Hochtief Solutions von Plänen, die Spiegel-Insel für ein neues Büroquartier zu nutzen. Zumindest lässt das hoffen, dass der Leerstand des Spiegel- und des IBM-Hochhauses keine fast unendliche Geschichte wird. Benjamin Storm soll seine Pläne für die Internet-Insel derweil noch nicht aufgegeben haben. Vielleicht gibt es eine Einigung mit Hochtief Solutions?

Zwei Denkmale der 60er Jahre

„Kallmorgen & Partner“ hieß das Architekturbüro, nach deren Plänen das ehemalige Spiegelhochhaus in den 60er Jahren gebaut wurde. Der Baubeginn lag im Jahr 1967, die Fertigstellung war ein Jahr später. Dreizehn oberirdische Stockwerke ergeben eine geschätzte Höhe von 51,66 Metern (Quelle: Emporis.de). Als typisches Beispiel der 60er-Jahre-Architektur steht das Gebäude in Hamburgs Bezirk Mitte heute gemeinsam mit dem IBM-Hochhaus unter Denkmalschutz. Auch das IBM-Hochhaus ist als Sitz von Spiegel TV zuletzt fest in der Hand des Spiegels gewesen. Das 7.750 m² große Grundstück, auf dem die beiden Hochhäuser stehen, ist auch als „Spiegel-Insel“ bekannt, der der „Spiegel“ allerdings im Oktober 2011 verloren gegangen ist. Ob die beiden Hochhäuser wirklich schön sind, mag Geschmackssache sein. Fakt ist: Sie gehören irgendwie zu Hamburg, vielleicht nicht ganz so stark wie der Michel, aber dennoch sind sie wie das Magazin „Spiegel“ selbst ein Teil der Kulturgeschichte der Stadt. Denkmalschutz war da eigentlich ein zu erwartender Schritt.

Eine gescheiterte Nachnutzung als Wohnraum

Dass der Spiegel in die HafenCity ziehen wird, war früh bekannt, was etwas Zeit ließ, sich eine neue Nutzung des Spiegel- und des IBM-Hochhauses zu überlegen. Aber nicht alles verlief ganz so wie geplant. Das Jahr der Grundsteinlegung für die neue Heimat des Spiegels war 2008. 2009 wurde ein Architekten-Wettbewerb für die „Spiegel-Insel“ ausgeschrieben, den das Düsseldorfer Büro „Rhode Kellermann Wawrowsky (RKW)“ gewann. Allerdings planten die siegreichen Architekten, den Büro- in Wohnraum zu verwandeln, was sich als rechtlich unmöglich herausstellte. Lärm und Abgase belasten das Areal zu sehr für eine Wohnbebauung. Und so war kurz vor dem Auszug des Spiegels noch immer nicht klar, wie die Zukunft der beiden damals bald verlassenen Denkmäler aussehen wird. Auch der Zeitpunkt einer möglichen Sanierung war nicht abzusehen, da die IVG Immobilien AG – seit 2007 Besitzerin des Areals – gerne zunächst Nachmieter gehabt hätte. Der Spiegel zog aus. Die beiden Hochhäuser stehen seither leer. Vielleicht aber nicht mehr ganz so lange?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Na ob sich Gründer Büros in so einer Lage leisten können? Und dann treibt mich ja noch die Frage an, ob Hamburgs Silicon Valley wirklich funktionieren kann…wenn man sich den Kurs von Facebook anschaut, könnte man fast unken, da platze bald die nächste Web-2.0-Blase.

  2. Tja, was hier in Hamburg so alles denkmalgeschützt wird …. und vor allem was nicht, dass will sich einem manchmal weder intuitiv noch sonstwie eröffnen.
    In Hamburg wird zwar viel – oder eher sehr viel – unbelastet von jedwedem Geschmacksempfinden hochgezogen (eigentlich die ganze „Hafen-City“) , aber dass nun ausgerechnet der architektonisch beliebige Spiegel- und IBM-Komplex zu den schützenswerten Kulturgütern unser Stadt gehören soll, ist, hamburgisch gesprochen, Düddelkram und eine okonomisch wie ökologisch sinnlose Verschwendung von knappen Flächenressource mitten in der City.

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