Dreimal Plus-Energie-Standard für Deutschland

12. Juli 2012
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Siedlungen, Häuser und ganze Quartiere im Plusenergiestandard sind noch Exoten in Deutschland, andererseits aber auch keine Einzelfälle mehr. Sie nehmen Einfluss auf die Energie-Produktion in Deutschland, weil sie einer dezentralen Versorgung Vorschub leisten. Derzeit existiert hierzulande eine Reihe interessanter Plus-Energie-Projekte. So entsteht die erste Siedlung mit Plus-Energie-Häusern in der Metropolregion FrankfurtRheinMain in Bad Vilbel. Deimel Oelschläger Architekten entwickelt in Berlin-Adlershof das sogenannte Newtonprojekt und das Kreativ.Quartier Lohberg soll den gleichnamigen Stadtteil Dinslakens ebenfalls zum Plus-Energie-Standort machen.

Acht Doppelhaushälften in Bad Vilbel

Gemeinsam mit mehreren Partnern baut das Unternehmen Bien-Zenker im Quellenpark Bad Vilbels eine kleine Wohnsiedlung mit acht Doppelhaus-Hälften und jeweils 150 bis 160 m² Wohnfläche. Insgesamt sollen die Häuser pro Jahr 3.036 Kilowattstunden (KWh) Energie mehr produzieren als verbrauchen. Laut Bien-Zenker soll diese Energiemenge ausreichen, um ein Elektroauto jährlich 17.000 Kilometer fahren zu lassen. Neben den Häusern im Plus-Energie-Standard wird Bien-Zenker zusätzlich acht Reihenhäuser mit dem Standard „KfW-Effizienzhaus 55“ im Quellenpark bauen. Die Bewohner beider Hausreihen werden von der Adam Opel AG zwölf Monate lang mit dem Elektrofahrzeug Opel Ampera ausgestattet. Der Quellenpark ist ein werdender neuer Stadtteil Bad Vilbels, der eine Mischnutzung mit Gewerbe und Wohnraum vorsieht, daneben eine Parkanlage, Gaststätten, Spielplätze, einen Kindergarten und Arztpraxen. Das gesamte Areal ist 90 Hektar groß und besteht aus dem etwa 79,5 Hektar großen Wohn- und Gewerbegebiet „Krebsschere“ sowie dem etwa 10,5 Hektar großen Gewerbegebiet „Im Schleid“.

Ein Sieger und das Newtonprojekt in Adlershof

Deimel Oelschläger Architekten hat jüngst auf den Berliner Energietagen die Auszeichnung als KlimaSchutzPartner 2012 erhalten. Die Auszeichnung wird laut IHK Berlin für „praxisnahe Berliner Klimaschutzprojekte verliehen. Deimel Oelschläger Architekten siegte in der Kategorie „Erfolgreiche und innovative Planungen“ mit dem umgesetzten Projekt eines 7-geschossigen Nullemissionshauses. Konkret handelt es sich um einen Wohnbau in der Boyenstrasse 34/35 von Berlin-Mitte mit 21 Wohneinheiten. Die Immobilie unterschreitet den Förderstandard „KfW Effizienzhaus 40“ und die Wohnungsgrößen liegen zwischen 60 und 145 m². Neues Projekt von Deimel Oelschläger Architekten ist das Newtonprojekt in Berlin-Adlershof, das das Büro gemeinsam mit der „dmsw – Bürogemeinschaft für Architektur und Landschaft“ und der „Zoomarchitekten GmbH“ realisiert. In Sachen Energieeffizienz geht es nochmals einen ganzen Schritt weiter, weil auch hier mehr Energie produziert als verbraucht wird. Die Plusenergie-Siedlung entsteht voraussichtlich ab Sommer 2013 auf einem 11.000 m² großen Grundstück in Adlershof und wird aus neuen Häusern mit 100 Eigentumswohnungen bestehen. Zum Energiekonzept gehören eine Photovoltaikanlage sowie ein hauseigenes Blockheizkraftwerk (BHKW). Damit erzeugte Wärme im Haus bleibt, werden die Gebäude hervorragend gedämmt und mit Vakuumverglasungen ausgestattet.

Ein Kreativ.Quartier voller Energie

Das Kreativ.Quartier Lohberg (KQL) ist ein Dinslakener Stadtentwicklungsprojekt, das gemeinsam von der Stadt und der RAG Montan Immobilien AG realisiert wird. Seine künftige Energieversorgung soll ein zentrales Element bei der Umsetzung des Ziels werden, Dinslakens neuen Stadtteil in ein Plus-Energie-Quartier zu verwandeln. Das Kreativ.Quartier entstand auf dem Areal der ehemaligen Schachtanlage Lohberg. Auf ihm wird daneben auch eine Wohnsiedlung mit etwa 200 Wohneinheiten gebaut, die laut Internetseite Kreativ.Quartier-Lohberg.de „den Gartenstadtcharakter der denkmalgeschützten Siedlung Lohberg aufgreifen und neu interpretieren“ soll und deren energetische Versorgung „im Zeichen höchster Energieeffizienz“ stehen wird. Ein Gewerbegebiet für klein- und mittelständische Gewerbebetriebe ist auf dem Areal ebenfalls geplant.

Zentrum ist und bleibt jedoch das Kreativ.Quartier. Es wurde 2010 eröffnet, aber sein Werden ist keineswegs abgeschlossen. Der Rahmenplan für die kommende Energieversorgung des Quartiers wurde Mitte Juni unterzeichnet. Unterzeichner waren Dr. Thomas Götz, Geschäftsführer der Stadtwerke Dinslaken, Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger sowie Theo Schlüter (Vorstandsmitglied) und Professor Dr. Hans Peter Noll (Vorsitzender) von der RAG Montan Immobilien GmbH. Die künftige Energieversorgung sieht bei der Stromerzeugung nahezu alles vor, was im Bereich erneuerbarer Energien Rang und Namen hat: Biomasse, Solarenergie, Windkraft und Erdwärme. Mit dem erzeugten Strom sollen unter anderem Wärmepumpen für die Wärmeversorgung des Kreativ.Quartiers betrieben werden, aber auch die angrenzende Gartenstadt wird ihren Teil der Energie-Produktion erhalten.

Es gibt weiterhin viel zu tun

Drei Beispiele, wie derzeit Plus-Energie in Deutschland realisiert wird. Sie sind kleine Bausteine aus Deutschland, die mit dafür sorgen könnten, die Klimaziele der Europäischen Union bis 2020 zu erreichen. Und vielleicht sind sie auch ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer stärker dezentral organisierten Energieversorgung in Deutschland, ein kleines Stück Zukunft im Heute? Vielleicht ja.

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