Die Schweiz, Hochhausbau und Angst vor grauen Betonstädten

13. März 2011
/ / /
Comments Closed

Die Schweiz ist knapp 41.300 km² groß und es ist nicht absehbar, dass sie sich in nächster Zeit räumlich vergrößert. Allerdings wächst die Anzahl der Bevölkerung und all diese Menschen brauchen eine Wohnung. Sind neue Hochhäuser in der Schweiz ein adäquates Mittel dafür oder würden durch sie Ghettos und Betonlandschaften in der Schweiz wachsen, die eigentlich niemand möchte?

Die Zahl der Schweizer nimmt zu

„Die Bevölkerung der Schweiz wächst jährlich um 50.000 Menschen“, sagt Anton Affentranger im Interview mit der Zeitung 20Minuten. Affentranger ist Präsident des Verwaltungsrats von Implenia, dem größten schweizerischen Baukonzern. Er gehört damit zu den wichtigen Menschen, die an der Suche nach Antworten auf die Frage, wo diese Menschen denn wohnen sollen, beteiligt sind. Seine Aussage zum Bevölkerungswachstum deckt sich mit Statistiken des schweizerischen Bundesamtes für Statistik. Im Überblick für 2009 verzeichnete das Amt knapp 7,8 Millionen Einwohner für die Schweiz. Das bedeutete einen Bevölkerungszuwachs von 84.000 Menschen um 1,1 Prozent. Im Vergleich von 2008 zu 2007 war der Zuwachs mit 108.400 Personen noch größer. Wichtigste Ursache für den Bevölkerungszuwachs: Die Zahl der Einwanderer ist für die Schweiz deutlich größer als die der Auswanderer. Prognosen gehen in einem „mittleren Szenario“ bis zum Jahr 2055 von einem Wachstum auf knapp neun Millionen Schweizer aus.

Allzu hoch sind schweizerische Hochhäuser bisher nicht

In der schweizerischen Politik wird derzeit um den „Masterplan Skyline Schweiz 2030“ gestritten. Die Stadt Zürich soll eine neue Satellitenstadt mit Hochhäusern im Glattal bekommen. Darüber hinaus soll – dem Willen einiger politischer Kräfte nach – ganz generell der Bau in die Höhe statt in die Breite zukünftig einer wachsenden Anzahl von Menschen in der Schweiz Wohnungen bieten. Was die einen als Lösung feiern, weckt bei den anderen Befürchtungen, in der Schweiz könnten von Wolkenkratzern umstandene Straßenschluchten entstehen, in die niemals ein Sonnenstrahl dringt. Davon ist die Schweiz bisher allerdings noch weit entfernt. Größtes Hochhaus des Landes wird in den kommenden Jahren wohl das Basler Roche-Hochhaus mit einer voraussichtlichen Höhe von etwa 175 Metern sein. Es könnte 2015 fertig gestellt werden. Und dennoch: Hochhäuser müssen nicht immer gigantisch sein, um den zweifelhaften Charme trister Wohnghettos zu versprühen.  Die Bedenken von Kritikern könnten also berechtigt sein, selbst wenn die Schweiz Dubai oder Taiwan im Wolkenkratzerbau keine Konkurrenz machen möchte.

Hochhausbau – planvoll ist die bessere Variante

Die Probleme der heutigen Schweiz, neuen Wohnraum für eine wachsende Bevölkerung schaffen zu müssen, sind keine neuen. Sie haben in der Historie verschiedenste Länder getroffen, zu denen auch Deutschland der Nachkriegszeit zählt. Deutsche Ballungszentren sehen sich mit dem Problem auch heute noch konfrontiert und suchen nach Lösungen. Und die sollen wohl anders aussehen als die Ansätze nach dem Zweiten Weltkrieg. Manch eine damals schnell hochgezogene Plattensiedlung wird mittlerweile als schlimme Bausünde bezeichnet. Solche Bausünden und tote Satellitenstädte möchte man in der Schweiz etwa bei der Planung einer möglichen Satellitenstadt im Glattal vermeiden; ein neues Lebenszentrum mit Kultur, Arbeit und Wohnraum ist angedacht. Wie gut lässt sich der Hochhausbau in solche Pläne integrieren? Allgemein betrachtet, ist er wohl weder Segen noch Fluch. Spannende Aufgabe der Zukunft wird es sein, Hochhäuser so in Stadt- und regionale Planung zu integrieren, dass sie lebendigen und attraktiven urbanen Lebensräumen nicht entgegenwirken. Diese Aufgabe ist nicht immer einfach, aber lösbar, solange man nicht auf allzu uninspirierte Schnellschüsse setzt. Dann ist wohl auch in der Schweiz noch für das eine oder andere Hochhaus Platz, um Menschen zusätzlichen Wohnraum zu geben.

Comments are closed.