Positiver Trend im deutschen Wohnungsneubau

Auch in der ersten Hälfte des laufenden Jahres konnte in Deutschland der positive Trend beim Neubau von Wohnungen fortgesetzt werden. Im ganzen Land erfasste das Statistische Bundesamt in diesem Zeitraum insgesamt 124.900 Baugenehmigungen. Darunter waren besonders viele Projekte für Mehrfamilienhäuser.

Boom im Wohnungsneubau

Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes gab es auf dem Sektor des Wohnungsneubaus im ersten Halbjahr 2013 einen Zuwachs von insgesamt 9,6 Prozent. Somit wurden etwa 11.000 Wohnungen mehr gebaut als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei den besonders beliebten Mehrfamilienhäusern betrug die Zuwachsrate sogar 21,7 Prozent. Den größten Anteil am Boom im Wohnungsneubau hatten die Mietwohnungen mit einer Steigerung von beachtlichen 31,7 Prozent. Aber auch beim Neubau von Eigentumswohnungen konnten nicht unerhebliche Zuwächse verzeichnet werden. In diesem Bereich stieg die Zahl der Baugenehmigungen immerhin auch um 14,8 Prozent. Als einer der vorwiegenden Gründe für die boomende Branche kann das permanent niedrige Niveau bei den Zinsen für Baufinanzierungen angesehen werden. Diese Entwicklung wird jedoch nicht ausschließlich positiv bewertet, sondern gibt auch Anlass zur Sorge. Dementsprechend hat sich der Vorstand der Deutschen Bundesbank Andreas Dombret jüngst geäußert.

Die Zukunft – Droht uns eine Blase?

Für das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist der Bauboom derzeit ein positiver Faktor. Die Deutsche Bundesbank blickt jedoch schon mit gewisser Sorge auf die Entwicklung im Wohnungsneubau. Momentan gebe es zwar noch keine deutsche Immobilienblase, versicherte der Vorstand Andreas Dombret. Gleichzeitig wies er jedoch auf die negativen Erfahrungen anderer Länder mit Phasen niedriger Zinsen und hoher Liquidität hin. Dadurch könne es auch in Deutschland unter Umständen zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen, meint Dombret. Eine solche Entwicklung könne wiederum die deutsche Finanzstabilität erheblich gefährden. Der Bundesbank Vorstand betonte aber auch, dass die Vergabepraxis bei den Immobilienkrediten hierzulande im Moment noch derart konservativ sei, dass man von einer Kreditblase meilenweit entfernt sei. Er warnte jedoch davor, die Gefahren zu unterschätzen, die nach seiner Einschätzung im herrschenden finanziellen Umfeld stetig zunähmen. Dennoch läge der Hauptrisikofaktor der deutschen Finanzstabilität immer noch bei der Schuldenkrise. Aus diesen Aussagen lässt sich wohl eine gewisse Gefährdung schließen, mit einer drohenden Immobilienblase ist aber wohl in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Die Entwicklung der letzten Jahre

Bis zum Jahr 2010 musste der Wohnungsneubau in Deutschland eine zehn Jahr andauernde Talfahrt durchlaufen. Bereits im Jahr 2009 beruhigte sich der Abwärtstrend und seit 2010 zeigen die Kurven der Baugenehmigungen nun wieder nach oben. In diesem und im darauf folgenden Geschäftsjahr 2011 konnte das ifo Institut in seinen Konjunkturtests wieder eine Verbesserung des Geschäftsklimas bei den im Wohnungsbau tätigen Unternehmen feststellen. Insgesamt gesehen sind die Unternehmer der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland auch aktuell zufrieden mit ihrer Geschäftslage. Entgegen diesem Trend verzeichnete der Geschäftsklimaindex des ifo Institutes jedoch im Bauhauptgewerbe bei der letzten Erhebung einen Rückgang. Zwar bleibt der Index weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt, angesichts des Booms im Wohnungsneubau ist die Zurückhaltung bei der Bewertung der Geschäftsentwicklung aber doch eine Überraschung. Während der Optimismus mit Blick auf die Zukunft bei den anderen Branchen steigt, sind die Baufirmen zurückhaltender bei der Beurteilung der Aussichten auf den künftigen Geschäftsverlauf.

Die Prognosen bleiben positiv

Wenn es um die Entwicklung des Wohnungsneubaus in Deutschland geht, sieht die Zukunft laut neuester Forschungsergebnisse weiterhin rosig  aus. Die LBS und das ifo Institut haben sich mit den zu erwartenden Trends beschäftigt und Forschung betrieben. Auch im nächsten Jahr sehen die Forscher zweistellige Zuwachsraten im Wohnungsneubau auf uns zukommen. Sogar die Länder Spanien, Irland und Ungarn dürfen sich demnach auf Erholung freuen und können darauf hoffen, aus ihren Tiefständen heraus zu kommen. Die ehemaligen Bauboomer Europas befinden sich derzeit noch in einer Abwärtsspirale. Die vorliegenden Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass positive wirtschaftliche Faktoren im europäischen Raum allgemein einen robusten Aufwärtstrend im Wohnungsneubau begünstigen. Es spricht also einiges dafür, dass sich die boomende Entwicklung in diesem Bereich in Deutschland auch im Jahr 2014 weiter fortsetzen wird.