Karstadt am Hermannplatz in niederländischen Händen

7. Januar 2014
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Karstadt

Ushuaia ET / pixelio.de

Zu seinen Glanzzeiten war Berlins erste Karstadtfiliale das modernste Warenhaus Europas. Nachdem Karstadt selbst sich schon vor einigen Jahren von seinem Immobilienbesitz getrennt hat, steht für das Haus am Hermannplatz jetzt erneut ein Besitzerwechsel an. Das Highstreet Konsortium hat das Gebäude an einen Meyer Bergman Fonds verkauft. Das ist eine Immobilienfirma mit Sitz in London, die von den Niederländern geführt wird. Karstadt bleibt als Warenhaus weiter langfristiger Mieter am Herrmannplatz. Gerüchte besagen, dass auch Primark als Kundenmagnet mit einziehen soll.

Ein Kaufhaus mit Geschichte
Bereits 1929 hat das alteingesessene Karstadt am Hermannplatz eröffnet. Es galt zu dieser Zeit als modernstes Kaufhaus von ganz Europa. Das 32 Meter hohe Gebäude kam mit seinen beiden Türmen auf eine imposante Höhe von insgesamt 72 Metern. Auf den 24 Meter hohen Türmen standen Lichtsäulen mit einer Länge von jeweils 15 Metern. In seinen Hochzeiten beschäftigte das Kaufhaus 3.000 Mitarbeiter auf neun Etagen. Der Dachgarten mit 500 Sitzplätzen war bekannt für seine Musikveranstaltungen. Unterirdisch gab es direkt von der U-Bahn aus einen Zugang ins Warenhaus. Einer der Lastenaufzüge beförderte ganze Lastwägen nach oben in die Lebensmittelabteilung, die in der fünften Etage beheimatet war. Im Jahr 1945 zerstörte die Waffen-SS das Gebäude fast komplett, um der einfallenden Roten Armee die Lebensmittelvorräte in letzter Minute noch vorenthalten zu können. Nach dem Krieg wurde neu gebaut und Karstadt am Herrmannplatz in der Folge noch mehrmals erweitert. So konnte man im Laufe der Zeit wieder 30.000 Quadratmeter Nutzfläche schaffen. Zur alten Größe von 70.000 Quadratmetern fand das Kaufhaus aber nie mehr zurück.

Das Kreuzköllner Kiez
Karstadt am Hermannplatz steht an der Grenze der Stadviertel Kreuzberg und Neukölln. Der neue Besitzer erfreut sich an der Gentrifizierung in diesem aufstrebenden Kiez und erwartet dort steigende Umsätze. Ein Sprecher von Meyer Bergman lobt den pulsierenden Standort und die optimale Verkehrsanbindung. Sowohl die Welle der Gentrifizierung in Kreuzberg und Neukölln als auch die Pläne rund um den ehemaligen Flughafen Tempelhof könnten den Standort seiner Meinung nach noch weiter aufwerten. Weder zum Kaufpreis noch zu den Gerüchten um Primark ließ Meyer Bergman jedoch etwas verlauten.

Die Gerüchteküche brodelt
Aus verschiedenen Quellen sickert das Gerücht, dass die Billigmodekette Primark aus Irland bei Karstadt am Hermannplatz einziehen soll. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands BerlinBrandenburg Nils Busch-Petersen spricht von einem hartnäckigen Gerücht. Er schließe nicht aus, dass Primark weitere Filialen in Berlin plane. Allerdings könne er sich wegen des großen Flächenbedarfs des Billiganbieters eine Koexistenz mit Karstadt nicht vorstellen. Der Warenhausexperte Christoph Meyer von der Berliner CM Best Retail Properties GmbH sieht das jedoch anders und findet das Haus am Hermannplatz durchaus groß genug für beide. Meyer nennt das KaDeWe mit seinem Luxusboulevard als Beispiel für den Trend des Shop-in-Shop Konzepts und hält diese Lösung auch am Hermannplatz für realisierbar. Die Mieten des Luxusboulevards lägen sogar höher als am Kurfürstendamm oder in der Friedrichstraße. Warenhäuser müssen sich heutzutage zu kleinen Shoppingcentern weiter entwickeln, wenn sie überleben wollen, sagt Meyer. In einem Zuzug von Primark sieht er für Karstadt auch keine Bedrohung. Der Anbieter sei vielmehr ein Magnet, der den umliegenden Händlern nutzen könnte.

Primark hat sich in der Vergangenheit als Umsatzbringer in der Tat bewährt. Seit die Marke im Sommer 2012 im Schloss-Garten-Center in Steglitz eingezogen ist, wird das zuvor schlecht besuchte Einkaufszentrum von Jugendlichen aus der ganzen Stadt frequentiert. Bei der Eröffnung der Düsseldorfer Filiale standen kürzlich schon 1.000 Wartende vor der Tür, als sich die Pforten von Primark zum ersten Mal öffneten. Allerdings gibt es auch immer wieder Proteste gegen die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten des Billiganbieters. Vor allem seit in Bangladesh eine Näherei hunderte Menschen unter sich begraben hat. Den aufstrebenden Expansionskurs von Primark hat dieses Ereignis allerdings nicht beeinträchtigt.

One Comment

  1. Hans Peter van Doesburg 12. Februar 2014 09:57

    Die zeit der klassischen Kaufhäuser ist vorbei, das muss man erkennen.