Katar und Hochtief – kleines Land und große Hoffnungen

7. Dezember 2010
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Das Land ist kleiner als Nordrhein-Westfalen, aber viel reicher als ganz Deutschland. Die Rede ist von Katar. Der Wüstenstaat macht derzeit viel von sich reden. Sein möglicher Einstieg bei Hochtief könnte dem spanischen Bauriesen ACS die Übernahme vermiesen und die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar bringt auch Deutschlands Unternehmen voraussichtlich lukrative Aufträge. Das Emirat scheint derzeit gut als Hoffnungsträger in Deutschland zu taugen.

Katar – ein reiches Land mit Ambitionen

Noch mag der Name des Emirs von Katar einigen Deutschen etwas schwer von den Lippen gehen: Hamad bin Khalifa Al-Thani. Aber in Zukunft dürfte man ihn vielleicht etwas öfter in den deutschen Medien lesen und hören, sodass ausreichend Gelegenheit zum Training gegeben ist. Katar gehört mit seinen Rohstoffen zu den reichsten Staaten der Erde. Das Emirat ist sich aber auch bewusst, dass Rohstoffe nicht ewig für Reichtum sorgen. „Investiere Geld, das du heute hast, damit du auch morgen noch Geld hast“, scheint daher das Motto zu lauten. Der Staatsfonds des Landes, Qatar Investment Authority (QIA), ist über einhundert Milliarden US-Dollar schwer. Da dürften Investitionen nicht allzu schwierig sein, wobei Katar sich nicht an allem beteiligt, was eine Beteiligung ermöglicht. Vielmehr scheint sich das Emirat die Ziele seiner Investitionen sorgsam auszusuchen. Beteiligt ist der Staatsfonds etwa mit siebzehn Prozent an der Porsche Holding, beteiligt ist er beispielsweise auch an der Barclays Bank und der Credit Suisse. Nun kommt voraussichtlich eine 9,1-Prozent-Beteiligung an der Hochtief AG hinzu. Sie könnte Hochtief zu vierhundert Millionen Euro zusätzlichem Kapital verhelfen.

Hochtief hofft

Die Zukunft von Hochtief wäre mit dem Einstieg Katars keineswegs komplett entschieden und so wird viel spekuliert: auch über eine mögliche Rolle Katars als Mediators bei Gesprächen zwischen ACS und Hochtief. Das deutsche Unternehmen wird durch einen Einstieg des Wüstenstaats wieder mehr Spielraum bekommen und als Akteur an Stärke gewinnen: Die jüngsten Aktienkurse sprechen jedenfalls für ein erneutes Vertrauen in Hochtief: Während der Aktienkurs des Unternehmens am 30. November 2010 bei 57,05 Euro lag, erreichte er am sechsten Dezember 62,68 Euro pro Aktie. Hochtief darf zudem auf lukrative Aufträge hoffen. Bereits jetzt baut das Unternehmen in Katar die 65 Meter breite Barwa Commercial Avenue mitsamt Geschäften, Büros und Wohnungen. Geplante Fertigstellung: Ende 2011.

Auch weiße Ritter haben eigene Interessen

Die an Katar vergebene Fußball-Weltmeisterschaft des Jahres 2022 wird den Baubedarf des kleinen, aber reichen Landes weiter nach oben schnellen lassen. Hochtief dürfte in Zukunft davon profitieren. Der Architekt Albert Speer aus Frankfurt freut sich schon jetzt: Er hat an der Bewerbung Katars um die WM mitgearbeitet und wird am Bau von mindestens zwei Stadien beteiligt sein. In seiner zukünftigen Rolle bei Hochtief wird Katar von den Medien gerne als „weißer Ritter“ bezeichnet. Nun haben auch weiße Ritter so ihre ganz eigenen Interessen. Die von Katar scheinen derzeit jedoch gut zu denen einiger deutscher Unternehmen zu passen.

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