Staatliche Immobilien – vielerorts nein danke

6. Oktober 2010
/ / /
Comments Closed

Im Zuge der Wirtschaftskrise sind die Kassen der EU-Länder leer. Daher ist es für viele Regierungen nahe liegend, staatliche Immobilien zu veräußern, zumal diese von jeher einen großen Anteil auf dem Investmentmarkt einnehmen.

In den Jahren 2003 bis 2005 wurden durchschnittlich 3,5 Milliarden Euro umgesetzt, die Jahre 2006 und 2007 erreichten dann mit 13 Milliarden Euro ein Rekordniveau, bevor dann in 2008 und 2009 durch den allgemeinen Markteinbruch auch bei staatlichen Immobilien ein Rückgang des Umsatzvolumens auf 3 Milliarden Euro zu verzeichnen war. Innerhalb der Europäischen Union ist Deutschland mit 42 Prozent nach wie vor der Spitzenreiter was staatliche Immobilienveräußerungen betrifft, gefolgt von den Niederlanden mit 14 Prozent, Frankreich mit 12 Prozent und Italien mit 10 Prozent. In Deutschland kümmert sich um die staatlichen Immobilien auf Bundesebene die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) in Bonn, deren Portfolio Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 290.000 Hektar und 46.000 Wohnungen im Wert von circa 10 Milliarden Euro umfasst. Schwerpunktmäßig werden ehemalige Militärobjekte vermarktet. Auf Landesebene zeichnet sich der Bau- und Liegenschaftsbetrieb verantwortlich, auf Kommunalebene das Liegenschaftsamt.

Auch wenn es in den Kassen der EU derzeit eher mau aussieht, haben die Länder doch aus der Vergangenheit gelernt. Verkäufe unter Wert kommen für sie nicht mehr in Frage. Andererseits trifft der Verkauf von Gebäuden, die dann vom Staat direkt wieder angemietet werden, wie es früher gängige Praxis war, auf Investorenseite nicht mehr auf allzu großes Interesse. Zwar winken stabile Einnahmen, doch halten sich die Renditemöglichkeiten für sie  ebenso in Grenzen.

 Zumeist sind die Behördenzentren zudem in den 70er oder 80er Jahren errichtet worden, an Kernsanierungen auch aus energetischer Sicht kommt kein Investor vorbei, wenn das Objekt später auf dem Markt eine realistische Chance haben will. Hinzu kommt, dass die staatlichen Gebäude in der Regel als „single use properties“ konzipiert sind, also auf den einen Nutzungszweck ausgerichtet wurden. Auch hier winken also hohe Kosten, wenn die Immobilie zukünftig anderweitig genutzt werden soll.

Wohnimmobilien haben dagegen bessere Chancen auf dem Markt. Die Preise für Wohnimmobilien sind gerade in Deutschland eher gesunken, in jedem Fall Fall aber stabil geblieben. Das macht die Wohnungen für Investoren interessant, zumal die Mietpreisentwicklung leicht steigend ist. Eine geringe Eigentumsquote von lediglich 43 Prozent eröffnet in der Bundesrepublik zudem vielfach die Möglichkeit, den Mietern ihre Wohnung zum Kauf anzubieten. Doch auch im Wohnungssektor gilt: die Kommunen sind vorsichtiger geworden, Notverkäufe bleiben aus. In 2009 wurden lediglich 28.300 Wohnungen in größeren Transaktionen von mehr als 800 Wohneinheiten verkauft, das geringste Volumen seit 1999.

Comments are closed.