Immobilienwert — manchmal kann man nichts dafür

11. November 2010
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Natürlich kann man als Hausbesitzer den Wert der eigenen Immobilie etwa durch energetische Sanierung steigern, wenn die Finanzierung der jeweiligen Maßnahme gesichert ist. Allerdings gibt es auch eine ganze Reihe von Faktoren, auf die man als Immobilienbesitzer eher wenig Einfluss hat und die dennoch Immobilienwerte nach oben treiben oder in den Keller stürzen lassen. Lärm ist eine dieser Faktoren, einer, den einige Berliner Hausbesitzer derzeit wegen des zukünftigen Flughafens Berlin-Brandenburg-International fürchten. Andere Berliner schauen da bedeutend hoffnungsvoller in die Zukunft. Die Schließung des Flughafens Berlin-Tegel im Jahr 2012 könnte den Wert ihrer Immobilien steigen lassen.

Berlins neuer Großflughafen

Die Inbetriebnahme des neuen Berliner Großflughafens BBI ist laut Website des Flughafenbetreibers Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH für den dritten Juni 2012 geplant. In etwa zeitgleich schließt der Flughafen Berlin-Tegel seine Tore. Der neue BBI wird die Größe von rund 2.000 Fußballfeldern besitzen und laut Prognosen zunächst etwa 27 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen. Bereits jetzt werden allerdings Ausbaumodule des Flughafens in die Planung integriert, durch die jährlich 45 Millionen Passagier abgefertigt werden könnten. Und während am jetzigen Flughafen Berlin-Schönefeld 75.000 Starts und Landungen realisiert werden, geht man beim BBI von 230.000 aus. Nicht jeder freut sich über solche Zahlen.

Eine für manche Berliner Immobilienbesitzer wichtige Kommission

Im September 2010 wurden Flugrouten für den neuen Flughafen vorgeschlagen, die nun auch in der BBI Fluglärmkommission diskutiert werden sollen. Die Kommission besteht aus insgesamt 34 Personen, die unter anderem aus den zukünftig möglicherweise von Fluglärm betroffenen Kommunen, der Flugbereitschaft des Bundes, diversen Fluggesellschaften und der Bundesvereinigung gegen Fluglärm stammen. Manch ein Immobilienbesitzer aus Berlin dürfte diese Diskussion äußerst interessiert verfolgen. Der zukünftige Wert seines Hauses könnte ebenso entscheidend vom Diskussionsergebnis abhängen wie die Lebensqualität. Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) wurde etwa Ende Oktober 2010 in der Berliner Zeitung mit der Prognose zitiert, der Wertverlust von Häusern könne in den von künftigen Flugrouten betroffenen Regionen um bis zu dreißig Prozent sinken: Ein Haus mit einem bisherigen Wert von 200.000 Euro wäre dann nur noch 140.000 Euro wert. Eine noch schlimmere Prognose wagte das Unternehmen Morell-Immobilien in der Berliner Zeitung: Für Berlin Lichtenrade fürchtete es einen Preisverfall von sechzig bis siebzig Prozent, falls im Stadtteil irgendwann Fluglärm zu hören sei.

Ein Wertminderungsindex für Fluglärm

Zitiert wird in der Berliner Zeitung auch eine Studie der technischen Universität Chemnitz. In ihr ist von einem Wertminderungsindex für Fluglärm die Rede, den das Umweltbundesamt auf der Basis von 29 Studien ermittelt hat und der 0,87 Prozent pro Dezibel beträgt. Das bedeutet eine Wertminderung von 8,7 Prozent bei einer Immobilie, die plötzlich einem um durchschnittlich zehn Dezibel gestiegenen Lärm ausgesetzt ist. Ob die Immobilienwerte dem Wertminderungsindex aber in den betroffenen Berliner Regionen immer folgen, bleibt abzuwarten. Dennoch sind die Befürchtungen einiger Berliner, ihre Häuser könnten durch BBI an Wert verlieren, wohl nicht komplett unbegründet. Freuen können sich möglicherweise Hausbesitzer in Berlin-Pankow. Ihre Häuser steigen eventuell im Wert, wenn der Flughafen Berlin Tegel schließt: laut VDGN um bis zu dreißig Prozent. Steigender Immobilienwert, sinkender Immobilienwert – oftmals kann man als Immobilienbesitzer wirklich nicht viel dafür, wie sich der Wert des eigenen Hauses entwickelt.