Aachen-Preuswald – war schön, ist hässlich, wird schön?

18. Juni 2013
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Die Siedlung Aachen-Preuswald verdankt ihren Namen ihrer Lage. Sie ist einerseits umgeben von Wald und befindet sich andererseits nur etwas über drei Kilometer vom Dreiländerpunkt entfernt, wo die drei Länder Deutschland, Belgien und Niederlande aufeinandertreffen. In den 70er Jahren war Preuswald so etwas wie eine Vorzeigesiedlung Aachens. Mittlerweile gilt die Siedlung aber als eine mit Problemen und teils einem hohen Sanierungsbedarf bei den Immobilien. Aachen selbst beschreibt Preuswald heute als Siedlung mit großem Handlungsbedarf, aber auch guten Rahmenbedingungen. Voraussetzung für eine positive Entwicklung des Preuswalds ist aber wohl, dass alle Beteiligten gemeinsam gute Lösungen entwickeln, wobei zu „allen Beteiligten“ auch die Deutsche Annington gehört.

Aachen-Preuswald: Was war und was ist!

Die Siedlung Aachen-Preuswald wurde Ende der 60er Jahre gebaut und hatte 2008 knapp über 2.000 Einwohner. In den 70er Jahren war Wohnen in Preuswald begehrt. Doktoranden, Hochschulangehörige und Lehrer zogen hierhin und wer kommen wollte, benötigte ein polizeiliches Führungszeugnis, berichtete das Stadtmagazin „Klenkes“ für Aachen und die Euregio, die als grenzübergreifende Region Teile der Niederlande, Belgiens und Deutschlands umfasst. Das Zentrum der Siedlung war und ist ihr 14-stöckiges Hochhaus. Das ist über die Jahre also gleich geblieben. Viele anderen Dinge haben sich im Preuswald verändert und vieles nicht unbedingt zum Guten. 2009 berichteten die Aachener Nachrichten von einer Reihe feuchter Wohnungen, von bröckelndem Putz und verkommenen Treppenhäusern. Ursachenforschung betrieb die Zeitung damals auch. Solange die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Gehag sich um viele der Wohnungen gekümmert habe, sei noch alles in Ordnung gewesen, zitiert die Zeitung ältere Bewohner der Siedlung. Dann habe es jedoch mehrere Eigentümer-Wechsel gegeben und die neuen Eigentümer sollen dann nur noch versucht haben, Profit aus den Immobilien zu ziehen, ohne in sie zu investieren.

Die Sache mit der Profitgier ist genau das, was manche heute auch der Deutschen Annington vorwerfen. Sie besitzt im Preuswald etwa 650 von etwas mehr als 800 Wohnungen sowie weitere Immobilien und soll sich eher wenig darum kümmern, die Immobilien auch instandzuhalten. Die Aachener Stadtverwaltung habe bereits „verwahrloste Problemimmobilien“ konstatiert, heißt es in den Aachener Nachrichten. Zuletzt war zudem unter anderem von einer Parkgarage die Rede, die die Annington abreißen möchte, sowie von einem öffentlichen Schwimmbad, bei dem die Deutsche Annington behauptet, derzeit mit dem Betreiber über Investitionen zu verhandeln. Der Betreiber – die Marienhospital-Stiftung – soll den Aachener Nachrichten dagegen bereits mitgeteilt haben, dass sie den Betrieb des Bades zum 31. Dezember 2013 einstellen werde, weil eine Sanierung, wenn sie denn kommt, die Pacht zu sehr nach oben treibt. Der Lebensqualität im Viertel würde ein Schließen des Bades wohl nicht unbedingt steigern.

Im Artikel der Aachener Nachrichten wird auch Reiner Elsing – einer der Sprecher der Initiative Preuswald – mit den Worten zitiert, dass die Deutsche Annington den im Preuswald geltenden Erbbaurechtsvertrag missachtet, der das Unternehmen zur Instandhaltung der Gebäude und Anlagen verpflichtet. Halten wir bis hierhin einfach fest: Die Rolle der Deutschen Annington bei den Problemen in Aachen-Preuswald lässt sich im Rahmen dieses Artikels kaum komplett analysieren. Aber die Suche nach Lösungen kann beim jetzigen Stand der Dinge ohne die Deutsche Annington wohl definitiv nicht erfolgreich sein. Ob das gut, schlecht oder weder gut noch schlecht ist, sei einmal dahingestellt.

Es ist nicht alles schlecht in Preuswald

Es ist wirklich nicht alles schlecht im Preuswald. Darauf weist zudem die Stadt Aachen auf ihrer Website hin. Sie bezeichnet den Preuswald als besonderes Viertel, das auch „bezüglich seiner sozialen Merkmale viele Gesichter“ zeigt. Die Stadt verweist zwar einerseits auf eine im Vergleich zur Gesamtstadt überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenzahl sowie auf eine stark ausgeprägte Kinderarmut, auf „Kinder, die einen erhöhten schulischen Förderbedarf haben, sowie Familien, die Hilfen zur Erziehung erhalten“. Andererseits berichtet sie auch von einer durchaus wohlhabenden Bevölkerung im Preuswald, insbesondere in Bungalows und Einfamilienhäusern an der Peripherie der Siedlung. Es gibt überdurchschnittlich viele Kinder (unter 14 Jahren) und Senioren in Preuswald und die Zuwanderung ist hier stärker als die Abwanderung. Das klingt dann so, als habe sich das Viertel zumindest irgendetwas Attraktives bewahrt.

Nun gibt es ein Handlungskonzept der Stadt für den Preuswald, das auch Forderungen an die Deutsche Annington enthält. Das Konzept beinhaltet unter anderem die Ansiedlung eines Nahversorgers sowie die Forderung an die Deutsche Annington, die Energielieferungen in den Preuswald nach Ende des Energieliefervertrags mit dem aktuellen Vertragspartner am 31.12.2013 so zu gestalten, dass es die Energiekosten für alle Nutzer/innen senkt. Auch die Bewohner des Preuswalds sind am Prozess beteiligt. Seit 2010 existiert die Stadtteilkonferenz Preuswald. Sie hat laut Aachen.de bis zum August 2012 zehnmal getagt und bringtInstitutionen und Bürgervertreter im Viertel zum Informationsaustausch zusammen. Neben dem Austausch wird auch praktische Initiative angeregt; so gibt es inzwischen die drei Arbeitskreise „Stadtteilbüro“, „Kinder und Jugend“ sowie „Migration“.

Es passiert also einiges am Preuswald. Und so kann zumindest darauf gehofft werden, dass es irgendwann ein Happyend für den Preuswald gibt. Ein allzu schnell folgendes Happyend ist es aber vielleicht eher nicht. Und zu 100 Prozent sicher, dass überhaupt eins kommt, kann man wohl auch nicht sein. Aber immerhin: Hoffnung gibt es. Initiative auch. Das ist vielleicht mehr als das, was man von manch einer vergleichbaren Siedlung behaupten kann?

One Comment

  1. Karsten Aßmann-Funk | A-F-Immobilien 19. Juni 2013 10:16

    Solche Problem-Ecken gibt es wohl in jeder größeren Stadt. Schade, wenn man zusehen muss, wie einst schöne Immobilien dann Stück für Stück verkommen. Auch hier in Lüneburg gibt es zwei solcher Gebiete, beide werden von „Heuschrecken“ besessen, denen Rendite über Erhalt und Zukunft geht…