Köln Ossendorf – hässliches Entlein und schöner Schwan

3. März 2011
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Manchmal rückt selbst das Ende der Welt im Lauf der Zeit Richtung Mitte. Es gab Zeiten, in denen Kölns Stadtteil Ossendorf dem Ende der Welt für viele Menschen keineswegs unähnlich war. Irgendwann begann ein Wandel, der etwa mit Namen wie Coloneum, Ikea und Butzweilerhof verknüpft ist. Es entwickelt sich etwas Spannendes in Ossendorf, allerdings eher langsam: vom Kölner In-Stadtteil ist Ossendorf noch immer weit entfernt und wird vielleicht niemals ein In-Stadtteil werden. Aber das muss ja auch nicht sein. In jedem Fall taugt Ossendorf als Beispiel für den stetigen Wandel, der wohl – langsamer oder schneller – allen größeren Städten eigen ist. Ossendorf verwandelt sich!

Irgendwie das Ende der Welt

Fuhr man vor etwa fünfzehn Jahren mit der Linie 5 der Kölner Verkehrsbetriebe bis zur Haltestelle „Iltisstraße/Äußere Kanalstraße“ und stieg aus, sah man eine große Straße, einige Hochhäuser, einen Autobahnzubringer und ansonsten… nicht viel. Steigt man heute aus, bietet sich einem im Prinzip erst einmal dieselbe Kulisse und als jemand, der Ossendorf länger kennt, denkt man zunächst, dass sich ja nicht allzu viel verändert hat. Allerdings betritt man eine ausgebaute moderne Haltestelle und wird dann vielleicht doch ein wenig stutzig. Köln-Ossendorf: Lange Zeit stand dieser Stadtteil vor allem für die Justizvollzugsanstalt, die sich hier seit 1969 befindet. Zugleich war er bis 1995 Standort der belgischen Kaserne „Kwartier Klerken“. Es gab nicht viel mehr, was erwähnungswert wäre, höchstens das Image des Stadtteils. Im Jahr 2002 berichtete der Kölner Stadtanzeiger von „regelrechten Bandenkriegen unter Jugendlichen“.

Der Beginn einer kleinen Verwandlung

1999 eröffnete RTL auf dem derzeit noch zu Ossendorf gehörenden Gelände des ehemaligen Flughafens Butzweilerhof ein zweites, insgesamt 160.000 m² großes Kölner Produktionsareal. Neben dem Coloneum gibt es hier neunzehn zusätzliche Studios. Dort entstehen Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ und Produktionen wie der Zweiteiler „Hindenburg“. Bereits etwa vier Jahre vor der Ansiedelung von RTL begann die Umwandlung der Klerken Kaserne in ein modernes Wohnquartier mit Ein- und Mehrfamilienhäusern. Einige ehemalige Kasernengebäude wurden abgerissen, andere umgebaut und umgenutzt. Seit November 2009 existiert im Stadtteil das neue Ossendorfbad und bietet dort eins der ersten und bisher wenigen Highlights für die stets hungrige Spaßgesellschaft. Einige Monate zuvor eröffnete im Gewebegebiet von Ossendorf Ikea und wer die Schweden kennt (wer tut das nicht), der weiß, dass sie durchaus als Magnet für ganze Stadtteile taugen. Seit Ende 2010 fährt die verlängerte Linie 5 nun bis zu Ikea und zum Butzweilerhof und trägt dazu bei, das Ende der Welt verstärkt in die Mitte zu rücken.

Wer weiß schon, was die Zukunft bringt?

Nein, Ossendorf ist noch immer kein In-Stadtviertel Kölns. Es drängen sich keine Scharen potenzieller Mieter, um irgendeine Wohnung in Ossendorf zu ergattern. Im Stadtbezirk Ehrenfeld ist Ossendorf laut der im Februar 2011 veröffentlichten Analyse von Immobilienscout 24 mit durchschnittlich 6,60 Euro pro Quadratmeter der preiswerteste Stadtteil. Vielleicht mag aber gerade das manch einen Menschen nach Ossendorf locken? Der Wohnraum ist verhältnismäßig preisgünstig und Ossendorf befindet sich nicht mehr fernab von allem attraktiven Geschehen in Köln, zumal der Stadtteil direkt neben Köln-Ehrenfeld liegt, das sich mit seinen Konzerthallen, Bars und Diskotheken längst zu einer der angesagten Ausgehmeilen Kölns entwickelt hat. Dabei war Ehrenfeld selbst einmal als eher unattraktives Stück Köln verschrien: Lang ist es her. Die Welt verändert sich. Städte verändern sich. Ehrenfeld hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Und wer weiß, was aus dem lange Zeit eher hässlichen Entlein Ossendorf noch wird, wenn man der Zeit Jahrzehnte in die Zukunft folgt: vielleicht ein irgendwie ganz schöner Schwan?

 

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