Mülheim Monopoly? Keine Traummieten auf der Schloßstraße!

Probleme mit Leerständen hat die Innenstadt von Mülheim an der Ruhr bereits seit mehreren Jahren. Ein Beispiel ist die Schloßstraße mit der seit Mitte 2010 leer stehenden ehemaligen Kaufhoffiliale. Mittlerweile läuft das Modellvorhaben „Mülheim an der Ruhr: Quartier Untere Schlossstraße“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), um das Quartier wieder neu zu beleben. Das wird vielleicht höchste Zeit, um Immobilienbesitzer nicht noch weiter zu verärgern. Von der Attraktivität der Schlossallee beim Monopoly ist Mülheims Schloßstraße derzeit wohl weit entfernt. Manch ein Besitzer von Ladenlokalen in der Straße verlangt aktuell Preise, die sich kaum auf dem Markt durchsetzen lassen. Ist das Realitätsferne oder vielleicht doch legitimer Protest?

Die Situation ist nicht unproblematisch

Manch ein Ladenbesitzer und Einzelhändler auf der Schloßstraße in Mülheim an der Ruhr dürfte die hier gewählte Überschrift für etwas beschönigend und „Die Lage ist ernst“ für angemessener halten. 2010 zog der Kaufhof aus der Immobilie auf Mülheims Schloßstraße aus. Seither warten eine Grundstückfläche von 7.714 m² sowie eine nutzbare Gebäudefläche von 25.000 m² auf einen neuen Nutzer. Helfen soll bei dieser Suche das Modellvorhaben „Mülheim an der Ruhr: Quartier Untere Schlossstraße“, durch das die Immobilie zum „Gelenk“ entwickelt werden soll, „das die Schloßstraße mit der neu gestalteten Ruhrpromenade verbindet“, heißt es auf der Projektseite des BBSR. Laut Projektseite wird geplant, die als kompakter Block bezeichnete Immobilie aufzubrechen, um „eine kleinteilige Baustruktur in Verbindung mit tragfähigen Nutzungen“ zu ermöglichen. Soweit, so gut. Aber noch ist man von nachhaltigen Lösungen für die Schloßstraße ein ganzes Stück weit entfernt.

Vermieter möchten gerne alte Preise durchsetzen

Symbolhaft für das Leerstandsproblem könnte man das Aus des Wohnaccessoires-Händlers Nivo sehen. Der Händler war vor eineinhalb Jahren in das ehemalige Woolworth-Ladenlokal in der Schloßstraße gezogen, schrieb das Portal „Der Westen“ am 25. Januar 2013. Jetzt sei jedoch bald schon wieder Schluss, weil sich das Geschäft nicht rentiert habe. Möglicherweise, so heißt es im Portal weiter, habe auch der Finanzinvestor Cerberus als Vermieter seinen Anteil am jetzigen Aus, weil er sich angeblich nicht auf eine Mietminderung eingelassen habe.

Überhaupt scheinen Vermieter irgendwie nicht gewillt zu sein, Mieten zu senken. Wiederum ist es das Portal „Der Westen“, das – dieses Mal am 28. Januar 2013 – mit der Überschrift „Viele Mieten in der Innenstadt nicht mehr marktgängig“ auf die Situation aufmerksam gemacht hat. Als Beispiel nennt es den Kindermode-Laden Okaidi, der derzeit ein Ladenlokal an der Ecke Schloßstraße/Löhberg angemietet hat und für den BNP Paribas Real Estate einen Nachmieter sucht. Der Nachmieter soll umgerechnet etwa 30 Euro pro m² zahlen, wobei marktübliche Preise laut Grundstücksbörse Ruhr jedoch nur noch bei 10 bis 20 Euro pro m² liegen sollen. Leerstände lassen sich so wohl nur schwerlich beseitigen. Aber manch ein Vermieter scheint das lieber in Kauf zu nehmen, als seine Immobilie für einen reduzierten Mietpreis zu vermieten. Die Frage ist, ob diese Sache einfach eine Einstellungssache ist oder ob eine Vermietung zum reduzierten Mietpreis zum untragbaren Minusgeschäft würde. Schließlich gilt auch: Wer zum reduzierten Preis vermietet, der schafft mit der Vermietung Fakten, die er nicht unbedingt einfach rückgängig machen kann, falls sich wieder höhere Preise auf dem Markt durchsetzen lassen. Das mag ebenfalls auf manch einen Vermieter abschreckend wirken und nicht unbedingt dazu beitragen, die Leerstandsproblematik schnell zu lösen.

Mülheim engagiert sich!

Das Modellvorhaben der BBSR wird vielleicht keine blitzschnellen Lösungen für das Quartier bringen, mittelfristig aber möglicherweise doch hilfreich sein. Die Mülheimer Akteure, die sich um Verbesserungen für Mülheims Innenstadt bemühen, treffen sich mittlerweile im ansonsten leer stehenden Ladenlokal Leineweberstraße 15-17. „wertstadt – made in mülheim“ nennt sich der Ort der Treffen ebenso wie der Prozess, die Zukunft der Mülheimer Innenstadt zu gestalten. „Was macht in Zukunft die Mülheimer Innenstadt lebens- und liebenswert?“ und „Wie sieht der Weg dorthin aus?“ sind Fragen, die im Rahmen der „wertstadt“ beantwortet werden sollen, heißt es auf Wertstadt.info. Wenn gute Antworten gefunden werden, dürfte es für manchen Vermieter wohl auch wieder einfacher sein, höhere Mieten durchzusetzen. Dann gleicht die Schloßstraße vielleicht auch wieder ein bisschen der Schlossallee beim Monopoly.